18507 Grimmen
Wie früher gelebt und gepöbelt wurde
Ackerbürgerstadt Grimmen mit altem Gemäuer und neuer Kunst
Grimmen
4 h
3 km
Grimmen ist eines dieser typischen norddeutschen Ackerbürgerstädtchen mit Backstein- und Fachwerkhäusern inmitten grüner Landschaft. Es liegt an der Trebel, einem nicht einmal 100 Kilometer langen Flüsschen, das wegen seines idyllischen Verlaufs zum Wasserwandern beliebt ist. Dieser Tourvorschlag folgt allerdings den Zeugen des Mittelalters in der über 700-jährigen Stadt. Über die Jahrhunderte entstanden vier Stadtteile, die heute die Altstadt bilden, in deren Zentrum der Markt liegt. Hier schlug das Herz des gesellschaftlichen Lebens; hier wurde gelenkt, gehandelt, gerichtet. Und gepöbelt, wie die Schandkette am Eingang des Rathauses veranschaulicht.
Wer das Bedürfnis hat, einen Überblick von oben zu erhalten, nimmt die 116 Stufen zur Aussichtsplattform des über 30 Meter hohen Wasserturms. In seinem Inneren befand sich bis in die 1960er Jahre das Wasserreservoir der Stadt. Heute werden hier Kunstwerke mit Schwerpunkt Malerei und Fotografie ausgestellt.
Die historische Altstadt ist vom Bahnhof aus auf kurzem Wege zu erreichen. So ist diese insgesamt 3 Kilometer lange Tour sehr gut für Ungeübte und Familien mit Kindern zu bewältigen. Diese werden sich besonders über das letzte Highlight der Tour freuen: den Tierpark mit niedlichen Erdmännchen, neugierigen Frettchen und Streichelzoo.
Ein Stadtrundgang für Familien
Start- und Endbahnhof
Bahnhof Grimmen
3 km / 4 Stunden
Bahnhof Grimmen
Unser Tipp: Bitte prüfen Sie vor Fahrtantritt Ihre Zugverbindung und die erwartete Auslastung.
Ablaufplan
Tourstart am Bahnhof Grimmen
Wegbeschreibung
Heimatmuseum im Mühlentor
Das Mühlentor ist eines der drei erhaltenen mittelalterlichen Stadttore. Der spätgotische Bau war ursprünglich wichtiger Teil der Stadtbefestigungsanlage, die um 1320 entstand. Der Name ist auf die Wassermühle (1373) zurückzuführen, die bis etwa 1830 stadtauswärts vor dem Tor stand.1985 legte man am Mühlentor den Grundstein für einen Neubau in Form eines Wiekhauses. Es entstand ein Museumskomplex, wofür das alte Stadttor ausgebaut und mit dem Neubau verbunden worden ist. Seit der Eröffnung 1987 zum 700-jährigen Jubiläum der Stadt können sich Gäste im Heimatmuseum ein Bild von der Stadtgeschichte machen.
Ausstellungen auf zwei Etagen im Stadttor. Hausrat aus dem 19./20.Jahrhundert, handwerkliche Sammlung, Grafik- und Gemäldesammlung, Fossilien- und Mineraliensammlung sowie Sammlung zur Frühgeschichte der Region.
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Grimmen
Wegbeschreibung
Biegen Sie nach links in die Schulstraße ab und sehen Sie sich das Kalandhaus an. Es entstand um 1450 und beherbergte im ausgehenden Mittelalter eine wohlhabende Priesterbruderschaft namens Kaland, die nebenbei auch als Geldverleiher auftrat. 1734 bis 1904 war hier Grimmens „Alte Schule“. Inzwischen ist der Backsteinbau ein Wohnhaus. Die „Kirchenbude“ nebenan, ein rund 200 Jahre alter schlichter Fachwerkbau, diente als kirchliches Altenheim. Direkt daneben ist eine weitere Sehenswürdigkeit unübersehbar.
Kirche St. Marien Grimmen
Mitte bis Ende des 13. Jahrhunderts wurde St. Marien erbaut und ist damit das älteste Bauwerk der Stadt. Nach dem Bau der dreischiffigen frühgotischen Hallenkirche wurden Turm, Chor und Kapellen angebaut. Die Mauritiuskapelle ist seit 1615 Erbbegräbnisstätte der Familie des Freiherrn Albrecht von Wackenitz zu Klevenow.
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Grimmen
Wegbeschreibung
Die Straße An der Stadtmauer lässt den einstigen Wehrgang der Stadtbefestigung noch gut erkennen. Sie führt zu dem Stadttor, das den Weg nach Stralsund und Richtung Ostsee sicherte.
Stralsunder Tor Grimmen
Das Stralsunder Tor, auch „Sundisches Tor“ genannt, ist eines von drei erhalten gebliebenen Toren der mittelalterlichen Wehranlage, die die Stadt einst umgab. Das denkmalgeschützte Backsteintor, das die Straße nach Stralsund sicherte, wurde um 1320/30 erbaut. Seitdem diente es als Wehrtor, als Wohnung des Gerichtsknechtes und und als Gefängnis. 1910 wurde das Tor bei einem Blitzschlag beschädigt und detailgetreu wiederaufgebaut. In den 1970er und 1990er Jahren wurde das Stralsunder Tor umfangreich restauriert.
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Grimmen
Wegbeschreibung
Durch die Sundische Straße geht es zum Marktplatz. Er ist seit der Gründung der Stadt das Zentrum des städtischen Lebens. Hier konzentrierte sich das wirtschaftliche Treiben. Er war Gerichtsort und ist bis heute gesellschaftlicher Treffpunkt. An der Backsteinfassade des Rathauses hängt eine schmiedeeiserne Kette mit einem Ring am Ende. Dieses Halseisen – im Volksmund auch Schandkette genannt – wurde Dieben und Hehlern umgelegt. So gefesselt, hatten sie das Gespött der Leute zu ertragen.
An der Westseite des Marktes steht seit 2005 der „Rückert-Brunnen“ mit Bronzefiguren des Künstlers Thomas Reich. Am historischen Verwaltungsgebäude links neben dem Rathaus entdecken Sie ein Bronzerelief zum Thema Hexenverfolgung in Grimmen.
Rathaus Grimmen
Das Rathaus im vorpommerschen Grimmen gehört zu den Zeugnissen mittelalterlicher Backsteingotik. Dendrochronologische Untersuchungen des hölzernen Dachstuhls bestimmten das Fälldatum der ältesten Dachsparren: 1393. Somit wird mit von einem Bau um 1400 ausgegangen.
Die bei Ausgrabungen zutage getretenen Fundamentreste lassen darauf schließen, dass sich an der Stelle des heutigen Baus zuvor ein noch größeres Gebäude befand, welches ebenfalls einer öffentlichen und gemeinschaftlichen Nutzung gedient haben muss. Dabei handelte es sich um einen Fachwerkbau. Im Laufe der Jahrhunderte erfuhr das Rathaus in Grimmen viele bauliche Veränderungen.
Das seit November 2004 mit einem Glockenspiel versehene Türmchen auf dem Dach ist barocken Ursprungs. Das untere Geschoss diente einst Markt- und Gerichtsgeschäften, das obere den Beratungen der Ratsherren und Versammlungen der Bürger. Die Böden unter dem hohen Giebeldach waren Lager- und Speicherräume.
Zudem war auf dem Boden um 1754 ein Gefängnis eingerichtet. Am linken Pfeiler des Laubenganges befand sich von 1745 bis etwa 1945 die Schandkette. Heute hängt dort eine Nachbildung des Halseisens.
Nach der Sanierung ist das Rathaus heute ein modern eingerichtetes Verwaltungsgebäude.
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Grimmen
Wegbeschreibung
Vom Marktplatz aus geht es weiter die Lange Straße entlang in Richtung Osten. Hier stoßen Sie auf den eindrucksvollen Wasserturm. In unmittelbarer Nähe des Turmes befindet sich neben dem Rest der Stadtmauer das Greifswalder Tor. Nach einem Blitzeinschlag um 1800 hat es leider viel von seiner einstigen Schönheit eingebüßt. Reste der aus Eiche gefertigten Torflügel hängen noch in ihren Angeln.
Schlossberg und Wasserturm
Wo sich heute am östlichen Ende der Stadt auf einer kleinen Anhöhe der 32,5 Meter hohe Wasserturm erhebt, befand sich von 1306 bis zu einem Brand 1637 eine befestigte Schlossanlage, in der die Amtsleute des Herzogtums Pommern-Wolgast residierten. Sie wachten über Grimmen und seine Einnahmen. Das „Ritterhaus“ lag außerhalb der Stadtmauer und hatte eigene Zugänge zur Stadt. Seit 1933 bestimmt an dieser Stelle der ziegelrote, zylindrische Wasserturm weithin sichtbar die Silhouette Grimmens. Er wurde als Teil einer zentralen Wasserversorgung errichtet. Nach Inbetriebnahme eines neuen Wasserwerkes wurde er 1963 stillgelegt. Nach gründlicher Sanierung erhielt er 2002 eine neue Bestimmung als KunstTurm. Hier finden Ausstellungen statt. Zudem gibt es hoch über der Stadt ein Trauzimmer. Im Erdgeschoss befindet sich die Stadtinformation. Wer die 116 Stufen bis zur Aussichtsplattform erklommen hat, wird mit einem faszinierenden Rundblick über die historische Altstadt und das Umland belohnt. Die benachbarte Parkanlage wurde zum Kunst-Raum gestaltet. Auffallend sind die drei Holzskulpturen des Stralsunder Holzgestalters Raik Vicent, der in den letzten Jahren im gesamten Stadtgebiet zahlreiche Holzskulpturen gestaltet hat. Zum Beispiel den riesigen Holzdrachen „Wassmut“, der aus einem 10 Meter langen Baumstamm gefertigt wurde.
Am Fuß des Wasserturms steht die Bronzefigur von „Hausmeister Otto Pingel“, einem Grimmener Original.
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Grimmen
Wegbeschreibung
Der Rückweg zum Bahnhof führt an einem der Highlights von Grimmen vorbei – dem Heimattierpark. Auf 2,6 Hektar leben rund 200 Tiere in 40 Arten. Besonders in der Urlaubszeit gibt es regelmäßige Führungen und Schaufütterungen. Zudem bieten ein großer Spielplatz und diverse Sitzmöglichkeiten die Gelegenheit zum Verweilen.
Tierpark Grimmen
Der Tierpark Grimmen wurde 1957 eröffnet. Heute umfasst der Tierbestand 200 Tiere in 40 Arten auf einer Fläche von 2,6 Hektar. Bei einem erholsamen Rundgang können u.a. Alpakas und Kapuzineraffen in ihren Gehegen beobachtet werden. Im Tierparkteich sind Schwäne, Enten und Gänse zu Hause und im Streichelgehege können Ziegen, Esel und Hausschweine hautnah erlebt werden. Der Tierpark gehört zu den wenigen Tiergärten, die sich mit der Haltung und Zucht von Alpakas beschäftigen.
Besucher, die mit dem Pkw anreisen, sollten ihr Auto auf dem Parkplatz Friedrichstraße abstellen. Von hier aus sind es nur noch wenige Gehminuten durch den Park bis zum Tierparkeingang.
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Grimmen
Tourende am Bahnhof Grimmen
Wegbeschreibung
Entlang der Friedrichstraße gelangen Sie zurück zum Bahnhof.
Tourenkarte
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Start/Ende
Bahnhof Grimmen