Bahnhofsplatz 15
28195 Bremen
Gespenstischer Stadtrundgang durch die Hansestadt
Ein Stadtrundgang für Kurztrip, Kulturliebhaber und Entdecker
Unser Tipp: Bitte prüfen Sie vor Fahrtantritt Ihre Zugverbindung und die erwartete Auslastung.
Ein Vorgänger der Kirche Unser Lieben Frauen wurde bereits 1020 errichtet und Sankt Veit geweiht. Damit ist dies die älteste Pfarrgemeinde der Hansestadt Bremen und nach dem St. Petri-Dom ihr ältester Kirchenbau. Im 12. Jahrhundert gab es einen Neubau aus Stein, von dem noch der „Beinkeller“ erhalten ist. Dieser beherbergte menschliche Gebeine, wurde aber auch ganz profan als Abstellraum und Kohlekeller genutzt.
Im 13. Jahrhundert entstand die heutige frühgotische Hallenkirche mit drei, später vier Schiffen. Die Kirche war nun unter den Schutz der Jungfrau Maria gestellt und wurde Unser Lieben Frauen-Kirche oder Liebfrauenkirche genannt. Eindrucksvoll sind unter anderem die Krypta mit wiederentdeckten Wandgemälden des 14. Jahrhunderts sowie die Glasfenster des französischen Malers Alfred Manessier aus den 1970er-Jahren, die eine besondere Atmosphäre aus Farben und Licht schaffen.
Früher befand sich gleich neben der Kirche einer der größten Friedhöfe der Stadt, der auch als Marktplatz genutzt wurde. Erst um 1813, als Napoleon auch Bremen seinem Kaiserreich einverleibt hatte, wurden die Friedhöfe aus der Innenstadt verbannt.
Nach diesem ersten Abstecher ins Mittelalter geht es nur wenige Schritte weiter zum Rathaus. Dort soll ein geheimnisvoller Poltergeist sein Unwesen treiben. Ein Zimmermeister saß der Legende nach in einer Silvesternacht in einer Nische des Ratskellers und wagte, schon ordentlich betrunken, ein Würfelspiel mit dem Tod. Das verlor er, und als man ihn fand, wurde er kurzerhand eingemauert. Seitdem klopft er immer an Silvester an die Wand…
Das heutige Alte Rathaus hatte einen Vorgängerbau, der bereits um 1229 erwähnt wurde und als der erste romanische Rathausbau überhaupt galt. Er wurde über 200 Jahre genutzt bis man aufgrund der zunehmenden Größe der Stadt Bremen auch ein neues Rathaus plante. Es wurde in den Jahren 1405 bis 1410 als gotischer Saalgeschossbau errichtet.
Im 16. Jahrhundert erfuhr das Rathaus Um- und Ergänzungsbauten im Stil der Renaissance.
Einen barocken Anbau mit entsprechender Fenstergestaltung bekam das Gebäude im 17. Jahrhundert.
Im 20. Jahrhundert wurde erneut mehr Raum für die verwaltenden und repräsentativen Aufgaben gebraucht. Der Münchener Architekt Gabriel von Seidel plante und baute einen rückwärtigen Ergänzungsbau im Stil der Neorenaissance. Im Zweiten Weltkrieg blieb das Rathaus unbeschadet.
Heute befindet sich hier die Regierungszentrale des Landes Bremen. Die Innenausstattung ist prächtig, kunstreich und historisch authentisch. Es werden Gästeführungen angeboten, die etwa eine Stunde dauern und über die Homepage der Tourismus-Abteilung der Stadt zu buchen sind.
Gleich nebenan liegt der Dom St. Petri mit dem „Spuckstein“ auf dem Domshof. Er erinnert an die Giftmischerin Gesche Gottfried, die Anfang des 19. Jahrhunderts von sich reden machte: Als „Engel von Bremen“ pflegte sie liebevoll Sterbende, vergiftete jedoch über mehrere Jahre unerkannt ihre eigenen Verwandten und Freunde mit Arsen. Schließlich wurde ihr Vermieter misstrauisch und kam ihr auf die Schliche. Gesche Gottfried wurde hingerichtet, was damals ein großes Spektakel war. Aus Abscheu spuckten die Bremer vor ihr aus – an dieser Stelle befindet sich heute der Spuckstein. Und dann sind da noch die Mumien im Bleikeller des Doms…
Der Bremer Dom St. Petri ragt als markantes Wahrzeichen auf der höchsten Erhebung einer ehemaligen Düne empor. Schon im Jahr 789 stand hier eine erste Kirche, erbaut von Willehad, den Karl der Große zum Bischof ernannt hatte.
Im Dom-Museum ist Näheres zur über 1200-jährigen Geschichte des Doms zu erfahren, von der Baugeschichte über christliches Leben in Bremen bis zu sakraler Kunst.
Wer noch mehr sehen und erfahren möchte, kann auch eine Führung durch den Bremer Dom und den Bleikeller buchen. Dabei wird deutlich, wie unterschiedlich die Menschen im Lauf der Zeit mit dem Tod umgingen. Zahlreiche Bischöfe und Gemeindemitglieder fanden ihre letzte Ruhestätte im sogenannten Bleikeller, wo einst Blei für Dachdeckerarbeiten gelagert wurde.
Darunter die acht Mumien: Es wird vermutet, dass das besondere Klima des Doms auf der Weserdüne die Körper einiger Verstorbenen noch vor der Verwesung austrocknen ließ. So verwandelten sie sich in „Mumien“, die sich über Jahrhunderte relativ gut hielten. Allerdings fehlt ab und zu ein Finger oder ein Büschel Haare – bis 1968 gab es noch keine Glasabdeckung über den Särgen, und so manche:r Besucher:in nahm sich ein „Souvenir“ mit.
Wer Bremen von oben sehen möchte, kann gegen eine Gebühr die 265 Stufen der schmalen Wendeltreppe auf den über 90 Meter hohen Südturm emporsteigen.
Nach so vielen gruseligen Begegnungen führt der Weg nun ein Stück aus der Altstadt hinaus und an der Kunsthalle Bremen vorbei über den Stadtgraben zur Ostertorwache, wo auch Gesche Gottfried einst Gefangene war.
Die Ostertorwache diente ab 1828 mehr als 150 Jahre als Gefängnis und schließlich als Abschiebehaftanstalt. Über die Jahrzehnte saßen unzählige bekannte und unbekannte Männer und Frauen in den Zellen und Kellern ein, darunter auch die Giftmischerin Gesche Gottfried. Während des Dritten Reiches brachte die Gestapo hier politisch Verfolgte unter.
Die heutige Dokumentationsstätte informiert mit einer Ausstellung zu Themen wie „Gefangensein“ und „Ungewissheit“ zur Geschichte des Gebäudes. Auch ein Zellentrakt wurde bewahrt.
Jeden ersten Samstag im Monat von 11 bis 16 Uhr geöffnet. Für Gruppen können zusätzliche Termine nach telefonischer Absprache vereinbart werden.
Am Stadtgraben entlang geht es nun wieder zum Hauptbahnhof. Die Geister und Gespenster bleiben zurück – hoffentlich!
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