Bahnhofstr.
01558 Großenhain
Geschichtsträchtiges Großenhain
Ein Stadtrundgang für Kulturliebhaber und Entdecker
Unser Tipp: Bitte prüfen Sie vor Fahrtantritt Ihre Zugverbindung und die erwartete Auslastung.
Der Publizist und Archäologe Karl Preusker ist die wohl bedeutendste Persönlichkeit Großenhains im 19. Jahrhundert. Preusker zählt zu den Begründern der Sächsischen Altertumsforschung und baute 1828 gemeinsam mit dem befreundeten Arzt Emil Reininger in Großenhain die erste Volksbibliothek Deutschlands auf. Diese bereitete den Weg für die heute überall beliebten öffentlichen Büchereien, die Wissen und Bildung allen Bürgern zugänglich machen.
Die Südwand des Amtshauses besteht aus Resten der spätgotischen Klosterkirche des ehemaligen Nonnenklosters, deren Pfeilerfragmente in die Poststraße hineinragen. Der angrenzende Innenhof der Bücherei ist einem Klostergarten nachempfunden und erinnert damit an die Zeit des Maria-Magdalena-Ordens.
Gegenüber der Bücherei liegt die pittoreske kleine Gaststätte „Zur Blauen Laterne“, die Sie sich vielleicht schon einmal für Ihr Abendessen vormerken können.
Während Sie auf der Poststraße weiter zum Hauptmarkt spazieren, erkennen Sie schon, dass sich der historische Stadtkern in seiner Struktur bis heute erhalten hat – der zentrale Marktplatz in der Mitte, drumherum Straßen und schmale Gassen, ganz wie schon vor Hunderten von Jahren. Auch die Tradition des Markttages hat sich seit dem 15. Jahrhundert erhalten: Immer dienstags und donnerstags präsentieren die Händler aus der Region ihre Waren. Das imposante Rathaus im Neorenaissance-Stil wurde nach einem Brand im Jahr 1876 neu errichtet.
Im Mittelpunkt der historischen Altstadt von Großenhain findet sich der Hauptmarkt. 1443 erhielt Hayn, wie der Ort damals hieß, das Stapelrecht für Kaufmannswaren, 1489 das Waidhandelsrecht – und entwickelte sich so zum wichtigen Handelsplatz. Auf der Südseite des großen Marktplatzes stand schon 1492 ein Rathaus mit Schankkeller, Fleisch- und Brotbänken sowie einer Salzkammer.
Das heutige Rathaus, Sitz der Stadtverwaltung, ist ein imposanter Bau im Stil der italienischen Neorenaissance aus dem Jahr 1876. Anno 1872 zerstörte ein Brand das frühere Gebäude, wobei leider auch wichtige historische Dokumente des Stadtarchivs vernichtet wurden.
Auf der Ostseite des Hauptmarkts erinnert der 1916 eingeweihte Dianabrunnen, bekrönt mit der griechischen Göttin der Jagd, an die Parforce-Jagden in den Großenhainer Fluren. Auf der Westseite liegt die „Goldene Kugel“, einer der historischen Gasthöfe Großenhains, in denen einst hochrangige Gäste nächtigten. Heute ist die „Kugel“ ein Wohnhaus.
Überqueren Sie den Hauptmarkt Richtung Norden. Am Kirchplatz ragt die spätbarocke Marienkirche empor – eine kunsthistorische Besonderheit. Auffallend sind die ungewöhnliche Kleeblattform mit T-förmigem Grundriss und die Galerie von Betstuben im Innenraum.
Hinter der Marienkirche, die Sie links herum halb umrunden, finden Sie das kleine Stadtmuseum in der Alten Lateinschule, 1907 gegründet. Bis 1840 mussten in den Räumen Knaben Lateinvokabeln pauken, 1828 eröffnete Preusker hier seine Volksbibliothek.
Vermutlich existierte bereits im 14. Jahrhundert an dieser Stelle eine Schule – 1342 wurde erstmals ein Großenhainer Schulmeister erwähnt. Bei zwei Stadtbränden stark zerstört, wurde das Gebäude 1586 und 1744 wieder aufgebaut. Danach existierte die Lateinschule für Knaben bis 1840. In ihren Räumen gründete Karl Benjamin Preusker 1828 die erste deutsche Volksbücherei, zwei Jahre später die gewerbliche Sonntagsschule.
Im 19. Jahrhundert diente das Haus zeitweilig als Hospital, Kinderbewahranstalt und Lager einer Tischlerei. 1907 wurde hier das Museum der Stadt Großenhain gegründet. Aus dieser Zeit stammt der Grundstock der heutigen Bestände, die durch kontinuierliches Sammeln zu einem kulturgeschichtlich bedeutsamen Fundus angewachsen sind.
Das Museum erzählt die Geschichte der Stadt Großenhain, angefangen von der bronzezeitlichen Besiedlung über die Zeit als Tuchmacher- und Garnisonsstadt bis in das 21. Jahrhundert. Dazu werden wechselnde Sonderausstellungen gezeigt.
Verlassen Sie nach der Besichtigung das Museum, wenden Sie sich nach links, laufen dann in die Naundorfer Straße und rechts in die Marktgasse. Am Hauptmarkt geht es links auf den Frauenmarkt – die kleine Einkaufsmeile Großenhains. An ihrem Ende biegen Sie rechts in die Frauengasse und stehen bald vor dem Kulturzentrum Großenhain. Es steht an der Stelle der einstigen Burganlage, die die Handelsstraßen bewachte.
Einst sicherte die befestigte Burganlage die Handelsroute. Im Dreißigjährigen Krieg belagerten und verwüsteten die schwedischen Truppen die Burg, die später als „Schloss zu Hayn“ wieder aufgebaut wurde. Ab 1836 bot sich ein erstaunlicher Anblick: Der Bergfried besaß nun einen Schornstein, der kräftige Rauchschwaden ausstieß. Sie stammten von der Dampfmaschine, die die Webstühle der Garnspinnerei der Gebrüder Eckhardt antrieb.
Heute sind noch die Grundzüge der Spinnerei erkennbar, die nach einem Brand 1856 wieder aufgebaut wurde. Zur sächsischen Landesgartenschau 2002 sanierte die Stadt das Gebäude, das seitdem für kulturelle Veranstaltungen genutzt wird. Der Bergfried aus dem 13. Jahrhundert bietet einen herrlichen Ausblick über die Stadt (April bis Oktober am Sonntagnachmittag geöffnet).
lm historischen Tonnengewölbe liegt das Restaurant „Schlosskeller“. In den Sommermonaten bei schönem Wetter werden die Gerichte auch im Biergarten im Schlossgraben serviert.
Wenn Sie noch etwas im Grünen spazieren möchten, überqueren Sie die Carl-Maria-von-Weber-Allee auf der Rückseite des „Kulturschlosses“. Schon liegt vor Ihnen das ehemalige Landesgartenschaugelände mit Stauden, Blumenbeeten und Gondelteich.
Sie können nach dem Kulturschloss-Besuch auch gleich weiter durch die Frauengasse in die Schloßstraße und links durch das Klempnergäßchen in die Heinrich-Heine-Straße laufen. Dort wenden Sie sich nach rechts, an der Meißner Straße links und an der Mozartallee rechts.
An der Ecke Meißner Straße/Mozartallee liegt das „Holzweg“, das mediterrane Küche mit Südtiroler Weinbegleitung bietet (Mi+Do 18 bis 21:30 Uhr, Fr+Sa 19 bis 22:30 Uhr, Tel. 03522-310075).
Sind Sie in die Mozartallee abgebogen, bleiben Sie einen Moment vor der „Zschille-Villa“ stehen. 1872 kaufte der Tuchfabrikant und Kunstsammler Louis Richard Zschille die Villa in der Mozartallee 129. Bis 1894 ließ er das Haus umbauen und historische Kunstfragmente aus aller Welt hinzufügen. Von der Straße aus sehen Sie zum Beispiel einen gotischer Altan – einen balkonartigen Anbau – und Tiroler Schmiedearbeiten aus dem 15. Jahrhundert, die das Tor verzieren. Die Villa ist heute ein privates Wohnhaus.
Bald zweigt links von der Mozartallee die Bahnhofstraße ab, die Sie zurück zum Bahnhof bringt – mit vielen neuen Eindrücken aus Großenhain.
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