Güterbahnhofstr.
01979 Lauchhammer
Eine Unternehmerin der ersten Stunde
Ein Stadtrundgang für Naturliebhaber und Kulturliebhaber
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Verglichen mit anderen städtischen Kirchen fällt die Nikolaikirche klein aus. Kein Wunder, denn das nach dem Dreißigjährigen Krieg erbaute bescheidene Gotteshaus diente nur den Gläubigen der kleinen Gemeinde Bockwitz, die 1950 zur Großgemeinde Lauchhammer kam. Allein der 48 Meter hohe Turm zeigt an, dass hier Bedeutenderes geschah: Diese Kirche stand unter dem Patronat der Mückenberger Herrschaft, zu der auch die Freifrau von Löwendal gehörte. Die streng gläubige Freifrau besaß in der Kirche eine Loge und wurde 1776 in einem heute noch begehbaren Gruftanbau bestattet.
Nun sind es etwa 3 Kilometer bis zur 1863 errichteten Kunstgießerei. Allerdings wurde bereits im Jahr 1784 die Eisenkunstgussfertigung in Lauchhammer aufgenommen, damals noch auf dem früheren Eisenwerkshofgelände. Die Glocken vieler deutscher Kirchen wurden hier gegossen. An diesem Ort wurde aber auch der heute weltbekannte Lauchhammeraner Eisenhohlguss ausgetüftelt. Er machte Kunstwerke aus Eisen möglich, wie sie zum Beispiel von Baumeister Karl Friedrich Schinkel in Mode gebracht wurden. In unmittelbarer Nachbarschaft der Gießerei befindet sich im ehemaligen Schulgebäude der „Bronzeschule“ die Modellsammlung der Gießerei.
Das Kunstgussmuseum Lauchhammer wurde 1992 gegründet und ist direkter Nachbar der noch heute im Betrieb befindlichen Kunstgießerei.
In einem ehemaligen Schulgebäude, der „Bronzeschule", ist die Modellsammlung der Gießerei untergebracht, 2.800 Gussmodelle aus Gips oder Metall sind im Schaudepot für den Besucher zu entdecken. Diese Modellsammlung Lauchhammer steht als einzigartiger historischer Fundus unter Denkmalschutz. Sie bietet einen kulturgeschichtlichen Überblick über die Epoche zwischen dem Ende des 18. Jahrhunderts bis heute. Auch Lauchhammers Beiträge zu gusseisernen Architekturen sind Thema des Museums, ebenso gusseiserne Geräte, Poterie und Öfen. Kunst- und Technikgeschichte werden in spannender Weise miteinander in Beziehung gesetzt.
Bereits 1725 begann die Geschichte des Industriestandortes Lauchhammer mit dem Anblasen des ersten Hochofens in der Zeit, als die Freifrau von Löwendahl ihren Gutsbesitz förderte. Ihr kunstsinniger Patensohn Detlef Carl von Einsiedel machte Lauchhammer dann auf der Basis seiner Sammlung an Antikenkopien zum Zentrum des Eisenkunstgusses. 1784 gelang seinen Bildhauern ein bahnbrechender Erfolg: In Lauchhammer gelang mit dem Guss einer Bacchantin der erste figürliche Eisenhohlguss. Ab 1838 wurde in Lauchhammer auch in Bronze gegossen und bekannte Bildhauer aus der Berliner und Dresdner Bildhauerschule überließen die Ausführung ihrer Werke dieser Gießerei. Im Laufe ihrer langen Geschichte blieb die Gießerei führend im Gießen monumentaler Plastiken.
Es sind nur ein paar Schritte bis zur Einsiedelstraße. Sie befinden sich jetzt am Haupteingang des früheren Eisenwerkhofes.
Die Balancier-Zylinder-Gebläsemaschine am Eingang des Werkhofes wurde 1837 in Lauchhammer für ein Hüttenwerk in Sachsen gefertigt. Das 30 Tonnen schwere technische Denkmal kam 1929 wieder zurück nach Lauchhammer. Damals wie heute beeindruckt die Maschine mit ihren gewaltigen Schwinghebeln und dem Wasserrad von 4,40 Metern Durchmesser.
Im Eisenwerkhof ließ die Freifrau von Löwendal am 25. August 1725 den ersten Hochofen und einen Eisenhammer in Betrieb gehen. Denn in den Feuchtgebieten rund um das heutige Lauchhammer wurden größere Mengen von Raseneisenstein an der Erdoberfläche gefunden, also verhüttbares Erz. Damit war die Industrialisierung der Region eingeleitet. Der „Hammer im Lauch“ – so entstand der Name der heutigen Stadt. Nach dem Tod der Freifrau erbte ihr Patensohn, der kunstsinnige Detlef Carl Graf von Einsiedel (1737-1810), den gesamten Besitz und erweiterte das Unternehmen um den Eisenguss. Nebenan kann man einen Blick in den Hof des ehemaligen Eisenwerkes werfen. Dort stehen die Büsten der Freifrau von Löwendal, ihres Erben und seines Sohnes Detlev Graf von Einsiedel (1773-1861).
Richtung Süden führt die Tour nun auf der Hüttenstraße. Kaum hat sie sich mit der Bahnhofstraße zur Friedensstraße vereinigt, geht es nach links in den Pappelweg, der bald rechts abbiegt und in die Wilhelm-Külz-Straße mündet. Auf ihr geht es bis zum Hammergraben, einem weiteren Zeugnis der Anfänge des Industriestandortes Lauchhammer. Mal wird er überquert, mal begleitet er den Wanderweg streckenweise. Er wurde einst angelegt, um das in der Umgebung abgebaute Raseneisenerz zu transportieren. Heute gewinnt er zunehmend an Bedeutung für die Tier- und Pflanzenwelt. Nach einer abwechslungsreichen Wanderung durch Wälder, Felder und Siedlungen passieren Sie wieder die Gleise. Die Tour ist aber noch nicht zu Ende. Denn bevor es zum Bahnhof geht, steht noch ein Besuch des Schlossparks an, der größten zusammenhängenden Grünfläche der Stadt. Bis zu einem Brand im Jahr 1945 stand hier das Schloss Mückenberg, benannt nach dem Ort, der 1950 zu Lauchhammer-West wurde.
Der 14 Hektar große Schlosspark geht zurück auf die Zeit, als die Freifrau von Löwendal das Schloss erneuern ließ. Passend zum barocken Schloss entstand auch der streng symmetrisch angelegte Garten mit vielen exotischen Pflanzen. Park und Schloss erlebten ein wechselvolles Schicksal. Nach dem Tod der Patronin wurde der Park nach der herrschenden Mode im englischen Stil umgestaltet. Zweimal – 1912 und 2007 – wurde er durch Stürme verwüstet und immer wieder erneuert. Heckenreihen deuten an, wo das Schloss Mückenberg stand, es fiel am 24. April 1945 einer Brandstiftung zum Opfer.
Der Barockbau wurde nach der gründlichen Sanierung des fast schon verfallenen Vorgängerbaus 1738 von Freifrau von Löwendal bezogen. Bis zu ihrem Tod 1776 lebte sie hier. An die Ursprünge der Kunstgießerei erinnert der auf einem Rondell aufgestellte Nachguss der Figur „Frau von Herculaneum“.
Sehenswert ist auch die einstige Schlosskirche aus dem Jahr 1746. Anstelle eines Glockenturms besitzt sie lediglich einen bescheidenen Dachreiter, denn sie wurde äußerlich der einstigen Orangerie gegenüber angepasst, um ein harmonisches Bauensemble entstehen zu lassen. Im Inneren ist sie, selten für Kirchen, im Rokoko-Stil gehalten. In der Kirche finden Konzerte und andere Veranstaltungen statt.
Am Rand des Schlossparkes befindet sich ein Tiergehege. Der Schlosspark ist alle zwei Jahre Schauplatz des Stadtfestes.
Über die Berliner und die Dimitroffstraße finden Sie zurück zum Bahnhof.
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Bahnhof LauchhammerGüterbahnhofstr.
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