Berliner Straße 45
16831 Rheinsberg
Ein Bummel durch Schloss, Park und Stadt am Grienericksee
Ein Stadtrundgang für Kulturliebhaber und Geniesser
Unser Tipp: Bitte prüfen Sie vor Fahrtantritt Ihre Zugverbindung und die erwartete Auslastung.
Der Bahnhof am südlichen Eingang der Stadt Rheinsberg hat seit Juni 1996 keine Fahrkartenausgabe mehr. Die 1997 gegründete "AG Rheinsberger Bahnhof", bestehend aus aktiven oder ehemaligen Eisenbahnern, konnte den Bahnhof wiederbeleben. Im Lokomotivschuppen werden nun ausgediente Fahrzeuge und anderes Eisenbahngerät ausgestellt.
Ausgestellt werden u.a. eine Kleinlok Kö II, ein Berliner U-Bahn-Wagen von 1927, ein SKL 25 und verschiedene Eisenbahnwagen, darunter ein ehemaliger Atomtransportwagen. Die Lok 52 8177 der Dampflokfreunde Berlin wurde 1998 in Meiningen aufgearbeitet, damit finden Sonderfahrten unter Dampf nach Rheinsberg statt. An jedem Dienstag wird im Lokschuppen die Sammlung von Eisenbahntechnik, Fahrkarten und Dokumenten gezeigt. An anderen Tagen sind Führungen nach Absprache möglich.
Mit dem historischen Bahnhofsgebäude im Rücken geht es nun nach links über Damaschkeweg, Alter Bahndamm und Lindenallee zum Gartenportal des Schlossgartens. Eine Allee von 50 Zitrusbäumchen bildet die Hauptachse und führt in das von zwei Sphinxen bewachte Orangerieparterre. In diesem Gartenbereich befinden sich auch das berühmte Rheinsberger Heckentheater und die Grabstätte von Prinz Heinrich. Auch wenn Schloss Rheinsberg allgemein mit dem jungen Friedrich in Verbindung gebracht wird, erlebte es seine wirkliche Blüte, nachdem es Friedrich seinem 14 Jahre jüngeren Bruder Heinrich überließ. Der übernahm es 1752 und lebte dort fünfzig Jahre lang bis zu seinem Tod 1802. In jenen Jahren wurde Rheinsberg zum Anziehungspunkt für die feine Gesellschaft aus ganz Europa. Hier zeigte sich, was Mode war in Literatur, Musik, Theater. Die Kammeroper Rheinsberg geht in ihrer Tradition auf diese Zeit zurück.
Der Schlosspark Rheinsberg ist eine Komposition aus weitläufigen Rasenflächen, Statuen, bunten Blumenarrangements und von Hecken umrahmten Sandfarbenen Wegen. Die kulturellen Höhepunkte, Heckentheater; Feldsteingrotte; Egeriagrotte u.ä. werden dabei innerhalb der Parkanlage feinsäuberlich hinein gesprenkelt. Dieses ursprünglich angelegte Refugium lädt bis heute zum Lustwandeln ein. Nach einem Spaziergang durch den Park am Seeufer entlang erreicht man die gegenüberliegende Uferseite, von wo aus man, unterhalb des Obelisken, die Aussicht auf das prächtige Schloss genießen kann.
Theodor Fontane beschrieb in seinen "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" (1862) jenen Rheinsberger Park u.a. wie folgt: "Der Park ist eine glückliche Mischung von französischem und englischem Geschmack, zum Teil planvoll und absichtlich dadurch, daß man die Le Notreschen Anlagen durch Partien im entgegengesetzten Geschmack erweiterte, zum Teil aber planlos und unabsichtlich dadurch, daß sich das zwang- und kunstvoll Gemachte wieder in die Natur hineinwuchs."
Der Park ist täglich ab 7 Uhr bis Einbruch der Dunkelheit geöffnet.
Zwischen Lustgarten und Schloss fließt der Rhin, von dem Rheinsberg wohl seinen Namen bekam. Über das von Enten bevölkerte Wasser führt eine hölzerne Fußgängerbrücke. Über sie erreicht man den der Stadt zugewandten Eingang zum Schloss. Hier begrüßt Kronprinz Friedrich die Besucher. Ziemlich lässig steht er da. Er hat den Degen als Zeichen seiner Würde angelegt, blättert aber mit der linken Hand in einem Buch. Das Bronzestandbild wurde 1903 vom Berliner Bildhauer Gottlieb Elster geschaffen. Von der Stadtseite aus lässt der tiefe Graben noch das frühere Wasserschloss erkennen. Die Torbrücke führt in den Innenhof des Schlosses.
Friedrich der Große verbrachte seine glücklichsten Tage als Kronprinz in Rheinsberg. In den Jahren 1736 bis 1740 ließ Friedrich in Rheinsberg einen Musenhof entstehen. Nach der Thronbesteigung übernahm sein Bruder Prinz Heinrich von Preußen Schloss Rheinsberg und führte den Musenhof glanzvoll fort. Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff wirkte hier als Architekt für Schloss und Garten.
Schon Theodor Fontane trug zu literarischer Bekanntheit durch die zahlreichen Beschreibungen und Erwähnungen über das Schloss in seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg bei. So schrieb er: „Rheinsberg von Berlin aus zu erreichen ist nicht leicht. Die Eisenbahn zieht sich auf sechs Meilen Entfernung daran vorüber, und nur eine geschickt zu benutzende Verbindung von Hauderer und Fahrpost führt schließlich an das ersehnte Ziel. Dies mag es erklären, warum ein Punkt ziemlich unbesucht bleibt, dessen Naturschönheiten nicht verächtlich und dessen historische Erinnerungen ersten Ranges sind“.
In dem Band „Die Grafschaft Ruppin“ seiner „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ berichtet Fontane über den Rheinsberger Hof, die beiden Prinzen, Kronprinz Friedrich und Prinz Heinrich, die Gräfin La Roche Aymon und den Major von Kaphengst. Weitere Persönlichkeiten sowie Orte und Landschaften rund um Rheinsberg werden dem Leser vorgestellt.
Umrahmt von Lustgarten und Grienericksee throhnt das Schloss Rheinsberg. Umfangreiche Restaurierungsarbeiten machten eine Wiederherstellung der Räumlichkeiten, wie sie zu Zeiten Prinz Heinrichs ausgesehen haben sollen, möglich.
Bis heute wird in Rheinsberg durch die Musikakademie und die Kammeroper Schloss Rheinsberg die Tradition von Musik, Oper und Theater aufrechterhalten. Malerisch am Grienericksee gelegen und von einem der schönsten Landschaftsgärten Deutschlands umgeben, ist Rheinsberg eines der attraktivsten Reiseziele in Brandenburg. Im Schloss Rheinsberg hat auch das Kurt Tucholsky Literaturmuseum seinen Sitz.
Zwei markante Rundtürme begrenzen den Innenhof des Schlosses. Ein paar Stufen führen hinab zum Schlossparterre, das in seiner barocken Anlage mit Blumenrabatten und Skulpturen aus der griechischen Mythologie in voller Schönheit erhalten wird. Von hier aus schweift der Blick über den Grienericksee auf den Obelisken am anderen Ufer. Prinz Heinrich ließ ihn 1791 zur Erinnerung an Generäle des Siebenjährigen Krieges (1756 – 1763) errichten. Gewidmet ist die Säule vor allem dem Bruder Friedrich Wilhelm, der nach strategischen Fehlern als General vom königlichen Bruder unehrenhaft aus der Armee verstoßen worden war. Mit nur 36 Jahren verstarb er kurz darauf auf Schloss Oranienburg.
Nahe des Schlosses ließ Kronprinz Friedrich ein Kavalierhaus errichten, das er vor allem als standesgemäßes Quartier für seine Besucher benötigte. Unter Prinz Heinrich wurde dieser Komplex noch erweitert und als Spielstätte für Schauspiel und Oper genutzt. Im Laufe der Zeit ungenutzt und verfallen, erstrahlt es heute wieder als Schlosstheater.
Das Schlosstheater Rheinsberg, idyllisch am Grienericksee und dem benachbarten Schloss gelegen, ist gefragter Veranstaltungsort für Konzerte, Schauspiel- und Musiktheater, Kino und Lesungen.
Alljährliches Highlight im Sommer ist die »Kammeroper Schloss Rheinsberg«, das Internationale Festival zur Förderung junger Opernsängerinnen und Opernsänger. Dann werden neben dem Schlosstheater auch der Schlosshof und andere Orte des malerischen Geländes bespielt. Die Osterfestspiele berufen sich auf die Tradition des Musenhofs der Prinzen Friedrich und Heinrich, die vor über 200 Jahren dem Ort zur kulturellen Blüte verhalfen. Dieser Geist ist auch heute noch zu spüren.
Das Schlosstheater im historischen Kavalierhaus dient zudem der Musikakademie Rheinsberg als Aufführungsort: Die Aus- und Fortbildungsstätte mit Gästehaus bietet Laien- und Profimusikerinnen Meisterkurse sowie musikpädagogische Projekte für Menschen jeden Alters. Außerdem geben die beiden, jährlich neu gewählten Residenzensembles der Musikakademie Konzerte im Schlosstheater: die »Rheinsberger Hofkapelle« knüpft an die historische Hofkapelle Friedrichs des Großen an; das zweite Ensemble widmet sich zeitgenössischer Musik und ihren Aufführungsformen.
Das Schlosstheater, die Musikakademie Rheinsberg und die Kammeroper Schloss Rheinsberg vereint unter dem Dach der Musikkultur Rheinsberg gGmbH.
Mehr Infos unter www.musikkultur-rheinsberg.de
Tickets: online sowie telefonisch unter 033931 721 17 (Mo.-Fr. 10-15 Uhr)
Musikkultur Rheinsberg gGmbH
Kavalierhaus der Schlossanlage
16831 Rheinsberg
Am Kavalierhaus nun beginnt unser Rundgang durch das Städtchen. Am Ufer des Grienericksees geht es zur Seestraße, die mit lustig-bunten Holzfiguren überrascht. Hier legen auch die Panoramaschiffe zu schönen Seenrundfahrten ab.
Von Bord des Ausflugsschiffs entdecken Fahrgäste die Brandenburgische und Mecklenburgische Seenplatte von ihrer schönsten Seite – der Wasserseite. Ein faszinierendes Idyll für alle Wassersportler und Erholungssuchenden. Drei moderne Panorama-Fahrgastschiffe sind bei eisfreiem Wasser ganzjährig im Einsatz. Mehrmals täglich wird eine 5-Seen-Rundfahrt, eine Anlegetour sowie Naturfahrten nach Flecken Zechlin angeboten.
Die umgebaute MS Remus verfügt über einen Plattformlift für Rollstühle und ein barrierefreies WC, sodass hier uneingeschränkt alle die wundervolle Landschaft mit viel Platz auf dem Sonnen- und Unterdeck genießen können. Es gibt auf allen Fahrgastschiffen eine gastronomische Verpflegung.
Die Seestraße führt hinauf zur Königstraße, die nach dem großen Stadtbrand von 1740 im Stil einer barocken Schlossfreiheit angelegt wurde. Von hier aus verlaufen die Straßen in elf gleichmäßigen Karrees mit typisch preußischen Traufenhäusern, geplant vom Sanssouci-Erbauer von Knobelsdorff. Vorbei am lustigen „Badebrunnen“ geht es zur Schloßstraße mit kleinen Boutiquen und Galerien, die sich mitunter in lauschigen Höfen verstecken. Am Beginn der Straße stehen Sie vor dem berühmten „Ratskeller“, in dem bereits Theodor Fontane (1819-1898) speiste und auf dessen Speisekarte permanent sein Lieblingsgericht steht: Altbrandenburgischer Schmorbraten in Ingwersoße, Apfelrotkohl und Kartoffelklöße. Nur wenige Schritte sind es zum Kirchplatz mit der Kirche St. Laurentius und dem Keramikmuseum.
In der Porzellanmanufaktur "Achat-Porzellan" und Keramikmuseum, dem ehemaligen Spritzenhaus auf dem Rheinsberger Kirchplatz, stellt der Künstler Hendrik Schink seine handgefertigen Gefässe, Figuren und das Achat-Porzellan aus. Diese Einzelstücke können auch käuflich erworben werden.
Jährlich am zweiten Oktoberwochenende findet auf dem großen Kirchplatz der Töpfermarkt mit rund 100 Keramikern und Töpfern statt, der zu den Top Ten in Deutschland gehört. Die Keramikherstellung hat in Rheinsberg eine lange Tradition. Sie begann mit der Fayencen-Manufaktur zur Zeit des Prinzen Heinrich und reichte bis zur industriellen Geschirr-Fertigung, die mit der berühmten braunen „Rheinsberger Teekanne“ ihren Höhepunkt erlebte. Auch die letzte Station unseres Rheinsberg-Bummels hat mit Keramik zu tun. Biegen Sie von der Schloßstraße rechts ab in die Lange Straße, in der Tat Rheinsbergs längste Straße. An ihrem Ende erwartet Sie die Rhinpassage mit dem Keramik Haus Rheinsberg.
Das Keramik Haus Rheinsberg gilt als Europas größter und vielfältigster Keramikverkauf unter einem Dach. Nur drei Gehminuten vom Schloss Rheinsberg entfernt, befindet es sich in der Rhinpassage – mit einem großen Parkplatz direkt am Haus.
Auf über 300 Quadratmetern präsentieren sich Keramiken von rund 200 Manufakturen, Handwerkern und Künstlern aus ganz Europa. Ergänzt wird das Angebot durch nachhaltige Naturprodukte aus aller Welt – etwa Lampen aus Nepal, Alpaka-Textilien aus Peru, Olivenholz aus Italien, Seifen aus Frankreich, England und Österreich oder Teakholz aus Borneo. Alle ausgestellten Keramiken können in der Regel auch direkt erworben werden.
Zu den Besonderheiten gehören die regelmäßig wechselnden Ausstellungen mit Unikaten. Besonders bekannt sind der jährlich gestaltete Rheinsberger Jahresbecher sowie die legendäre Schau „100 schönste Tassen“, die das ganze Jahr über zu sehen ist. Ebenfalls stetig wächst die Sammlung „Der Kanne neue Kleider“ – neue Interpretationen der berühmten Rheinsberger Teekanne, inzwischen bestehend aus rund 140 Arbeiten von 100 Keramikerinnen und Keramikern. Diese Stücke sind unverkäuflich, doch viele der beteiligten Kunstschaffenden sind mit weiteren Werken im Keramik Haus vertreten.
Aktuelle Informationen zu Ausstellungen, Aktionen und Angeboten sind auf der Website vom Keramik Haus Rheinsberg zu finden.
Von der Rhinpassage bringt Sie der Damaschkeweg direkt zurück zum Bahnhof. Ein bisschen müde und voller Eindrücke können Sie sich jetzt bequem in Ihren Zugsitz zurücklehnen und vielleicht schon den nächsten Ausflug planen. Das kleine Städtchen hat nämlich noch mehr zu bieten. So gibt es hier gleich zwei Leuchttürme. Einer steht am Fuße des Krähenberges und der andere im Hafendorf …
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Start/Ende
Bahnhof Rheinsberg (Mark)Berliner Straße 45
16831 Rheinsberg