Willy-Brandt-Platz 5
04109 Leipzig
Zu Gast bei den Kaffeesachsen
Ein Stadtrundgang für Kulturliebhaber
Unser Tipp: Bitte prüfen Sie vor Fahrtantritt Ihre Zugverbindung und die erwartete Auslastung.
Im Alten Rathaus befinden sich wertvolle Reliquien der Leipziger Musikgeschichte. In der Ratsstube unterschrieb Johann Sebastian Bach im Mai 1723 seinen städtischen Anstellungsvertrag als Thomaskantor und „director musices”.
Der Raum neben der Ratsstube ist Bach gewidmet. Hier sind die weltweit einzigen authentischen Porträts (beide von Elias Gottlob Haussmann, 1746 und 1748) und eine Originalhandschrift des berühmten Musikers ausgestellt.
Der Nebenraum ist der Leipziger Musiktradition gewidmet: der Kirchenmusik vor Bach, der Stadtmusik, besonders von Johann Gottfried Reiche, und der frühen Gewandhausgeschichte.
Zu sehen sind unter anderen Raritäten die „Gründungsurkunde” der Gewandhauskonzerte von 1781, das Modell des ersten Gewandhaussaales im Maßstab 1:25 und das Dirigentenpult aus dem alten Konzertsaal. Hier dirigierten neben den Gewandhauskapellmeistern von Felix Mendelssohn Bartholdy bis Carl Reinecke u. a. Wolfgang Amadeus Mozart (1789), Muzio Clementi (1812), Carl Maria von Weber (1813), Johann Strauß (1834), Robert Schumann (1853), Franz Liszt (1857), Johannes Brahms (1860) und Richard Wagner (1862).
Die Trompete, die der berühmteste Stadtmusiker, Johann Gottfried Reiche, auf dem Porträt (ebenfalls von Elias Gottlob Haussmann, um 1726) in der Hand hält, ist als Nachbau in einer Vitrine neben anderen historischen Blasinstrumenten zu sehen.
Die Musikstadt Leipzig von Mendelssohns Wirken an (1835) bis heute ist ein Teil der Dauerausstellung zur Leipziger Stadtgeschichte „Moderne Zeiten“ im Obergeschoss.
Gegenüber dem Alten Rathaus auf der anderen Seite des Marktes lockt ein kleines Gässchen zu weiteren Erkundungen. Hier wird die Straße zum Freiluftrestaurant erklärt, zahlreiche Leipziger und Touristen genießen die Atmosphäre bei Pizza und Wein. Die Gasse mündet in einen Platz, an dem vor 300 Jahren im heute ältesten Kaffeehaus Deutschlands zum ersten Mal Kaffee ausgeschenkt wurde.
Ein schnurrbärtiger Turbanträger wacht über dem Eingangsportal zum Coffe Baum neben einer großen Kaffeekanne und überreicht eine Tasse an einen Knaben.
Schon 1694 eröffnete Adam Heinrich Schütze den “Coffe Baum” und schenkte erstmals Kaffee aus, was das barocke Denkmal heute neben dem Pariser “Café Procope” zum ältesten Kaffeehaus Europas macht. In den letzten 300 Jahren gaben sich hier Prominente aus Kunst, Politik und Wissenschaft die Klinke in die Hand. Häufig zu Gast waren zum Beispiel der Maler Max Klinger, der Dichter E. T. A. Hoffmann und der Komponist Richard Wagner. Karl Liebknecht und August Bebel etablierten hier ihr zweites Wohnzimmer, genauso wie Robert Schumann und sein Stammtisch.
In der dritten Etage befindet sich ein Kaffee-Museum mit über 500 Exponaten aus sächsischer Kaffee- und Kulturgeschichte. Auf einer Zeitreise wird der Kaffee als Kolonialprodukt und Mangelware sowie als globales Handelsgut präsentiert.
Der Eintritt ist frei. Das Museum ist nicht barrierefrei zugänglich.
Bevor es nun aus der dicht bebauten Altstadt in Leipzigs größte Parkanlage geht, haben Sie noch einige Möglichkeiten, ein “Schälchen Heeßen”, wie ihn die Kaffeesachsen lieben, zu genießen. Als Faustregel gilt: “schwarz wie der Teufel, heiß wie die Hölle, rein wie ein Engel, süß wie die Liebe.” Testen können Sie das im Café Kandler ganz in der Nähe der Thomaskirche. Ein paar Ecken weiter werden im GANOS die Bohnen vor Ort geröstet. Hier gibt es sogar den eigens für die Johann-Sebastian-Bach-Stadt kreierten Leipzig-Kaffee cantato® zu kaufen.
Über den Martin-Luther-Ring führt der Rundgang in den Clara-Zetkin-Park.
Als in den 1950er Jahren mehrere historische Parkanlagen zu einem großen Volkspark vereint wurden, schuf man in Leipzig ein wichtiges, vermutlich erstes Beispiel für die Kulturparkbewegung jener Zeit. Die aus der Sowjetunion stammende Idee sollte der Bevölkerung Raum für Sport, Vergnügen und Kultur geben. Die Leipziger Stadtverordneten beschlossen daher, aus dem 19. Jahrhundert stammende Landschaftsparks, wie den Johannapark, den Palmengarten, den Volkspark Scheibenholz und den Albertpark, zusammenzufassen. Eine Freilichtbühne, ein Café, ein Pavillon am Spielplatz und das Schachzentrum-Gebäude stammen noch aus dieser Zeit.
In den letzten Jahren ist dieses Erbe im Clara-Zetkin-Park wieder aufgenommen worden. Das Café wurde wiedereröffnet und die Freilichtbühne ist ein besonderer Anziehungspunkt bei Konzert- und Kinoaufführungen. Zu einem bevorzugten Treffpunkt der Skater hat sich die neu asphaltierte Anton-Bruckner-Allee entwickelt.
Das letzte Kaffeehighlight auf dieser Tour liegt vor Ihnen, das Franz Morish mit hauseigenem Röster. Auf dem Weg dahin kommen Sie durch das sogenannte Musikviertel, ein gründerzeitliches Viertel aus dem 19. Jahrhundert. Wenn Sie den Weg zurück zum Bahnhof abkürzen wollen, können Sie schon am Bayerischen Bahnhof in die S-Bahn einsteigen, um mit ihr zum Hauptbahnhof zu fahren. Brauchen Sie aber noch ein individuelles Mitbringsel, sollten Sie den längeren Rückweg nicht scheuen.
Getreu dem Motto "Das Leben ist zu kurz für schlechten Kaffee" kommen im Franz Morish fertige Kreationen oder ganz individuelle Kaffeevarianten aus dem hauseigenen Röster. Außerdem werden frische Salate, belegte Brote, hippe Superfood-Müslis und leckere Kuchen nach altem Familienrezept im modernen urbanen Ambiente serviert. Das Café lebt den Nachhaltigkeitsgedanken und bezieht seine Produkte weitestgehend direkt aus der Region. Für Veganer ist immer eine Alternative dabei.
Der Rückweg zum Bahnhof führt Sie am Grassimuseum vorbei, dem Museum für Angewandte Kunst. Weiter gerade aus, geht es am Augustusplatz nach rechts am Opernhaus entlang. Jetzt liegt nur noch der Obere Park mit Schwanenteich zwischen Ihnen und dem Bahnhof für die Rückfahrt.
Die Karte ist visuell optimiert und nicht barrierefrei. Als barrierefreie Alternative für alle Inhalte nutzen Sie die textbasierte Ansicht
Start/Ende
Leipzig HbfWilly-Brandt-Platz 5
04109 Leipzig