Zum Bahnhof 2
06667 Weißenfels
Rundgang durch das barocke Weißenfels
Ein Stadtrundgang für Kulturliebhaber und Geniesser
Unser Tipp: Bitte prüfen Sie vor Fahrtantritt Ihre Zugverbindung und die erwartete Auslastung.
Der Weißenfelser Stadtbrunnen steht nicht etwa auf dem Marktplatz, sondern mitten in der belebten Jüdenstraße. Aber er eignet sich mit seinem bronzenen Figurentheater bestens, sich auf Weißenfels und seine Geschichte einzustimmen. Da steht das Fürstenpaar und erinnert in barocker Kleidung an die Zeit, als die Stadt herzogliche Residenz war. Eine Palme steht für eine akademische Bruderschaft, die sich die Reinheit der deutschen Sprache auf die Fahne geschrieben hatte. Die Figuren der Komponisten Schütz am Cembalo und Bach mit dem Jagdhorn erinnern stellvertretend an etwa dreißig Musiker, die in oder für Weißenfels wirkten, die „Blaue Blume“ symbolisiert die Romantik des Dichters Novalis und eine Näherin hält die jahrhundertealte Schustertradition am Leben. Der Brunnen aus dem Jahr 2000 mit seinen beweglichen Figuren ist ein Werk des Aachener Bildhauers Bonifatius Stirnberg (geb. 1933), der sich mit launigen Brunnen in vielen deutschen Städten einen Namen gemacht hat.
Folgen Sie der Jüdenstraße in östlicher Richtung. In der warmen Jahreszeit finden Sie in Straßencafés Angebote zur gemütlichen Rast. Achten Sie auf der rechten Straßenseite auf den Abzweig der Mariengasse. Sie führt zur Marienstraße mit ihren prächtigen Kavaliershäusern. Sie wurden 1725 als Adelspaläste mit reicher Barockverzierung fertiggestellt. Die Marienstraße führt Sie direkt auf den Marktplatz. Auch hier herrschen barocke Fassaden vor.
Der Marktplatz von Weißenfels wird von zwei in unmittelbarer Nachbarschaft auf der Westseite stehenden Gebäuden dominiert: dem Rathaus und der Marienkirche. Das barocke Rathaus wurde in seiner heutigen Gestalt 1722 eingeweiht. Die Rundbogenportale im Erdgeschoss stammen noch aus einem Vorgängerbau. Am Rathausturm befinden sich zwei Uhren sowie eine Mondphasenuhr. Die beiden das Stadtwappen tragenden Löwen künden von der langen Verbindung der Stadt zu den Wettinern. Die Skulpturen Minerva und Justitia auf dem Balkon sind Mahnung an die Stadtoberen, weise und gerecht zu handeln.
Die spätgotische, dreischiffige Marienkirche wurde im Jahre 1303 geweiht und nach mehreren Bränden mehrfach erneuert. So wurde 1718 der Turmaufbau im Barockstil ergänzt. Im Inneren befindet sich eine Statue Martin Luthers, der hier zweimal gepredigt haben soll. Vorübergehend fungierte die Stadtkirche als repräsentative Hofkirche. Aus dieser Zeit stammen die wichtigsten Ausstattungsgegenstände. Die Orgel der Stadtkirche wurde 1862/64 vom berühmten Weißenfelser Orgelbauer Friedrich Ladegast erbaut und diente ihm als Vorführinstrument.
Auf der südlichen Seite des Marktplatzes befinden sich Bürgerhäuser aus dem 17. Jahrhundert, hervor sticht das ehemalige Hotel „Sächsischer Hof“ mit seiner Schaufassade. Vom Markt aus bietet sich ein fantastischer Ausblick auf das Schloss Neu-Augustusburg, das majestätisch auf einem weißen Felsen über der Stadt thront. Der Weg dorthin führt vorbei am„Fürstenhaus“ aus der Herzogszeit. Das Haus mit prachtvoller barocker Fassade diente einstals Wohnsitz hoher Hofbeamter. Heute ist es ein viel gerühmtes Standesamt mit einer überwältigenden Deckengestaltung im Festsaal. Jeden letzten Sonntag im Monat wird eine Führung durch das Haus angeboten (Treffpunkt 14 Uhr am Eingangsportal). Im Erdgeschoss befindet sich ein Restaurant.
Dann geht es steil hinauf zur Schlossanlage. Vom Aussichtspunktim einstigen kleinen
Schlossgarten lässt sich weit über die Dächer von Weißenfels schauen. Hier zeigt sich noch, dass das Schloss auf einer im Dreißigjährigen Krieg geschliffenen Burganlage errichtet wurde. Der Weg führt um das Schloss herum zum Innenhof der wuchtigen Dreiflügel- Anlage. Am Eingang erinnern Tafeln an bedeutende Künstler, die hier wirkten: die Theaterreformatorin Caroline Neuber sowie die Komponisten Bach, Händel, Krieger und Beer.
Hier wurde Händels musikalisches Talent entdeckt: Schloss Neu-Augustusburg galt in Zeiten des Barock als kulturelle Hochburg der Region. Ende des 17. Jahrhunderts im Auftrag der Herzöge von Sachsen-Weißenfels als dreiflügelige Anlage erbaut, gingen in der prunkvollen Schlossresidenz über Jahrzehnte Künstler wie Komponisten ein und aus. So brachte Georg Händel, Leibarzt des Weißenfelser Herzogs Johann Adolf I. (1649-97), eines Tages seinen Sohn mit. Der kleine Georg Friedrich beeindruckte den Herzog mit seinem Orgelspiel so sehr, dass sein Vater ihn daraufhin musikalisch ausbilden ließ. Auch Johann Sebastian Bach brachte es auf Neu-Augustusburg zu Ruhm. Als „Weißenfelser Hofkapellmeisters von Hause aus“ komponierte er für Herzog Christian seine weltbekannten Jagd- und Schäferkantaten. Die Orgel, an der die Musikvirtuosen gewirkt haben, ist in Teilen rekonstruiert worden und kann in der frühbarocken Schlosskirche Sankt Trinitatis besichtigt werden. Für die Innenausstattung der Kirche ließ man Fresko-Maler und Stuckateure aus Italien kommen, sie gehört zu den schönsten ihrer Art in Mitteldeutschland. Einmal im Monat ist die Fürstengruft der Herzöge zu Sachsen-Weißenfels unterhalb des Altarraums für Publikum geöffnet. Der Schlossbau selbst diente in seiner wechselvollen Geschichte bereits als Kriegslazarett, Preußenkaserne und Flüchtlingsunterkunft – heute beherbergt er das Museum Weißenfels. Neben Wissenswertem zur Stadt und der Region ist es vor allem die einzigartige Sammlung an Schuhen von der Antike bis heute, die das Museum bekannt gemacht hat.
In den einstigen Prunkräumen der herzoglichen Familien wird die neue Dauerausstellung „Weißenfels – eine hochfürstliche sächsische Residenz“ gezeigt. Dort gibt es ausführliche Informationen über die damalige Hofhaltung, die Mode, die Rolle von Kunst sowie Musik. Die Gäste sind aufgefordert, mit allen Sinnen zu entdecken – ob Kleidungsstoffe, Genussmittel damaliger Zeit oder das Nacherleben der Weißenfelser Hofmusik. In der Etage darunter befindet sich das Schuhmuseum. Eine Verbindung zum Schloss ist gegeben, denn die Herzöge beschäftigten einen eigenen Hofschuhmacher.
Schuhe und Weißenfels – das gehört eng zusammen. Kein anderer Industriesektor erreichtehier die Bedeutung der Schuhproduktion. Sie entstand aus kleinen Schuhmacher-Manufakturen – in den Gründerjahren waren es bereits um die 100 Produktionsstätten – und entwickelte sich mit rund 5.000 Beschäftigten zu DDR-Zeiten zum größtenSchuhproduzenten in Europa. 30.000 Paar liefen hier täglich vom Band. Schuhe aus Weißenfels wurden im gesamten Ostblock getragen, unter der Marke „Salamander“ aber auch in der Bundesrepublik Deutschland. In den 1990er-Jahren kam allerdings das Aus. Ein erheblicher Teil der Schuhausstellung widmet sich daher der Entwicklung der Schuhindustrie in Weißenfels von kleinen privaten Betrieben zu einem Staatskonzern und dessen anschließendem Zerfall. Ein Teil des Museums ist völkerkundlichem Schuhwerk gewidmet. Weltweit erstreckt sich die Palette der meist exotischen Ausstellungsstücke. Die Schuhsammlung ist einmalig in Europa.
Nach dem Besuch von Neu-Augustusburg geht es wieder hinunter in die Stadt. Der Weg führt durch die Große Burgstraße vorbei am historischen Geleitshaus. Hier konnten Reisende bewaffneten Geleitschutz mieten. Das Haus war der erste nur aus Stein errichtete Profanbau in Weißenfels. Nach dem Tod des schwedischen Königs Gustav II. Adolf im November 1632 in der Schlacht bei Lützen wurde dessen Leichnam hierhergebracht und im Erkerzimmer obduziert. Eine Ausstellung mit einem Diorama – 10.000 Zinnfiguren stellen die Schlacht bei Lützen nach – ist mit dem Irish Pub „Battlefield“ verbunden.
Vom Geleitshaus ist es nur ein kurzer Spaziergang zum Heinrich-Schütz-Haus, einem 1552 erbauten Renaissancegebäude. Die Dauerausstellung stellt das Leben und Wirken des Komponisten am authentischen Ort seines Schaffens vor.
Das kompositorische Werk von Heinrich Schütz (1585 – 1672) ist heute nicht mehr so bekannt wie das des einhundert Jahre später geborenen Johann Sebastian Bach. Dennoch gilt er als erster deutscher Komponist von europäischem Rang. Obwohl sein gesamtes Leben vom Dreißigjährigen Krieg überschattet wurde, hinterließ er ein umfangreiches frühbarockes Werkmit kirchlicher und weltlicher Musik. Ihm wird die erste deutsche Oper zugeschrieben. Das Heinrich-Schütz-Haus ist das einzige original erhaltene Wohnhaus des Komponisten. Er erwarb es 1651 und verbrachte darin seinen Lebensabend. Hier können die Gäste das wechselvolle Leben und die faszinierende Musik von Heinrich Schütz kennenlernen. In derKomponierstube unter dem Dach schuf der kursächsische Hofkapellmeister seine großen Spätwerke. Das Heinrich-Schütz-Haus wurde in das Blaubuch der Bundesregierung als ein kultureller Gedächtnisort von besonderer nationaler Bedeutung aufgenommen. Jährlich im Oktober findet zu Ehren des Komponisten an drei wichtigen Lebens- und Wirkungsorten (Weißenfels, Bad Köstritz, Dresden) das Heinrich-Schütz-Musikfest statt.
Nach der Besichtigung wenden Sie sich zunächst nach links und gehen wenige Meter auf der Nikolaistraße zurück bis zur Marienkirchgasse. Ihr folgen Sie bis zur Klosterstraße undstoßen auf das Bortenmacher-Haus, eine weitere architektonische Sehenswürdigkeit. Nun biegen Sie nach links in die Klosterstraße ein, um zum Museum für den Dichter Novalis zu gelangen.
Er wurde nur 29 Jahre alt und gilt dennoch als ein Klassiker der frühromantischen Dichtung: Friedrich von Hardenberg, genannt Novalis (1772 – 1801). Über ihn sagte Goethe, dass er „mit der Zeit ein Imperator hätte werden können“. Die Nacht und der Tod spielten in seinen Werken eine große Rolle. Er schuf mit der „blauen Blume“ ein berühmtes Symbol der Romantik, das für das Streben nach Erkenntnis steht. Novalis lebte von 1786 bis zu seinem frühen Tod in Weißenfels, im heutigen Novalishaus. Die Ausstellung in den Wohnräumen der Familie von Hardenberg eröffnet einen Einblick in das Leben und Schaffen des Dichters. Einen weiteren Schwerpunkt bildet sein Wirken als Naturwissenschaftler und Geologe. Außer dem barocken Wohnhaus ist der „Novalis-Pavillon“ im angrenzenden Garten erhalten geblieben. Er wird u.a. für Lesungen und Vorträge genutzt. Unweit davon befindet sich der jetzige Stadtpark, in dem der Dichter seine letzte Ruhestätte fand. Die idyllische „Dichterecke“ mit Gedenkstein und Novalisbüste erinnert an ihn.
Von der Novalis-Gedenkstätte führt Sie die Klosterstraße nach wenigen Metern auf die Saalstraße. Dabei kommen Sie am Gebäudekomplex des Frauenklosters St. Claren vorbei, seit über 700 Jahren Zeuge wechselvoller Geschichte. Ein rühriger Verein bemüht sich, das seit 1998 leerstehende Kloster wieder mit Leben zu erfüllen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Folgen Sie der Saalstraße bis zum Kreisverkehr am Niemöllerplatz. Von der nach rechts abgehenden Dammstraße gelangen Sie zur Dammgasse und weiter zur Promenade entlang der Saale. Im Restaurant „Alte Fischerei“ können Sie mit Blick auf den Fluss rasten. An der Saale entlang kommen Sie vorbei am großen Spielplatz namens „Stadtbalkon“ und gelangen zurück zur Pfennigbrücke. Nun ist es nicht mehr weit zum Bahnhof.
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