Sydowstr.
04838 Eilenburg
Sagenhafte Bergkeller
Ein Stadtrundgang für Naturliebhaber, Kulturliebhaber und Entdecker
Unser Tipp: Bitte prüfen Sie vor Fahrtantritt Ihre Zugverbindung und die erwartete Auslastung.
Klein, aber fein ist das Motto des Eilenburger Tierparks. In der 4 Hektar großen Oase inmitten des Stadtparks haben 210 Tiere in 34 Arten ihr Zuhause. Neben der Hutaffen-Freianlage lassen sich Schweine, Pferde und Esel im Haustierpavillon und auf der Koppel sowie Luchse im großzügigen Gehege beobachten. Wer mag, kann Hängebauchschweine bürsten, Ziegen streicheln, durch die Sittich-Voliere laufen, einen Film über Honigbienen sehen und auf dem Erlebnispfad Tierstimmen erraten. Es gibt einen kleinen Spielplatz und eine Gaststätte. Rund ums Jahr finden viele Tierparkfeste und Flohmärkte statt.
Vom Tierpark geht es vorbei an Nikolaikirche und Rathaus zum Marktplatz. Hier begegnen Sie erneut einem Heinzelmännchen – als tanzende, bronzene Figur im Marktbrunnen. Lassen Sie sich die Geschichte von dem kleinen Volk, das einst auf der Ilburg eine Hochzeit feiern wollte, im Stadtmuseum erzählen. Es hat schräg gegenüber sein Domizil. Schon 1816 verewigten die Gebrüder Grimm die Eilenburger Heinzelmännchen in ihren Sagen. Erst zehn Jahre später tauchten sie in einer Ballade in Köln auf, die sehr schnell berühmt wurde. So schrieb man die kleinen Männlein einfach den Kölnern zu.
Das Eilenburger Museum präsentiert im traditionsreichen Roten Hirsch die wechselvolle 1.000-jährige Geschichte der Muldenstadt. Besondere Exponate sind der Silberschatz von Hohenprießnitz und Briefe von Martin Luther, der oft in Eilenburg weilte. Im Dachgeschoss der einstigen Nobelherberge hat eine beeindruckende Sammlung historischer Puppenstuben und ihrer Bewohner Platz gefunden. Wie lernte man in der Schule anno 1925? Das Museum verrät es: In einem Klassenzimmer aus dieser Zeit können Gruppen auf Anmeldung eine historische Schulstunde miterleben.
Das Museum zeigt auch einen Teil des Schatzes, der bei Grabungen in den riesigen Bergkellern entdeckt wurde: eine Keramikflasche mit 612 Münzen. Bei einer Führung durch die labyrinthartigen Bergkeller öffnet das Museumsteam unscheinbare Türen zu einem Reich, das wie geschaffen ist für Mär und Mythen. Denn immer wieder wurde vom „kleinen Volk“ in den Bergkellern erzählt.
Regelmäßig werden öffentliche Exkursionen in die Eilenburger Unterwelt angeboten. Die aktuellen Termine sind im Internet unter www.eilenburg.de zu finden. Gruppen können sich zu dem einstündigen Rundgang auch zu anderen Zeiten in der Tourist-Information anmelden.
Treffpunkt für die angemeldeten Bergkeller-Führungen ist die Treppe von der Kellerstraße zur Friedrichshöhe. Laufen Sie vom Museum die Leipziger Straße, Einkaufsmeile der Stadt, am Kreisel vorbei bis zum Fischerweg. Folgen Sie diesem und schwenken Sie dann rechts zum Maxim-Gorki-Platz und der Kellerstraße. Möchten Sie in die Bergkeller hinuntersteigen, sollten Sie feste Schuhe tragen, eine Taschenlampe mitbringen und warme Sachen dabei haben, denn dort unten sind es nur 8 Grad Celsius.
Über Jahrhunderte hinweg entstand unter Häusern und Straßen von Eilenburg ein verwinkeltes System von schmalen Gängen und gewaltigen Hallen – fein säuberlich mit Ziegelsteinen ausgemauert. Ein Stein, der unter Schutt geborgen wurde, trägt die Jahreszahl 1250. Vermutlich aber sind die Kelleranlagen noch älter. Zwei Kilometer lange Gänge verbinden rund 50 Keller, die heute wieder zugänglich sind. In den Tonnengewölben lagerten die Mönche bei konstanten 6 bis 8 Grad Celsius Wein und die Eilenburger Brauer ihr gutes Bier. Als einige Brauereien schließen mussten, wurden die Keller auch zur Pilzzucht genutzt. Im Krieg bauten Rüstungsfirmen in den geheimen Tiefen Flugzeugpropeller. Im April 1945 suchten etwa 4.500 Eilenburger Schutz in den Bergkellern vor den amerikanischen Granaten, die Teile der Stadt in Schutt und Asche legten. Nach dem Krieg aber gerieten die Keller fast in Vergessenheit. Fledermäuse können hier ungestört überwintern. Vieles ist noch verschüttet, zugemauert, unerforscht. Doch nach und nach werden die Geheimnisse gelüftet und man kann gespannt sein, was noch alles zutage gefördert wird.
Von Eilenburgs Unterwelt ist es nicht weit zum Burgberg mit den Resten der sagenhaften Ilburg. Überqueren Sie die Bergstraße und laufen Sie auf dem Sorbenweg hoch zum Burgberg, auch Schlossberg genannt. Von hier oben haben Sie einen weiten Blick auf die Stadt und die Aue der Mulde.
Auf dem rund fünf Hektar großen, bewaldeten Plateau über der Stadt Eilenburg stand einst die Ilburg der Eilenburger Grafen. Im Jahre 961 war erstmals von der Burg die Rede, was heute als Gründungsjahr der Stadt gilt. Der Burgberg mit der Ilburg ist der Ursprungsort der Sage von den Heinzelmännchen. Es heißt, das kleine Volk feierte auf der Ilburg heimlich Hochzeit. Geweckt vom Lärm, wurde der alte Graf jedoch freundlich zum Fest eingeladen. Nur er und niemand anderes durfte die Heinzelmännchen je erblicken. Weil aber die alte Gräfin der lustigen Gesellschaft heimlich zusah, verwünschten die Heinzelmännchen das Geschlecht derer von Eilenburg.
Die Burg gibt es nicht mehr, erhalten geblieben und in den letzten Jahren restauriert wurden das alte Burgtor, die Ringmauer und zwei mächtige Türme, der begehbare Sorbenturm und der Kleine Bergfried. Der 16 Meter hohe Sorbenturm ist bereits seit 1863 Aussichtsturm. In dem einstigen Wohnturm werden heute auch Ausstellungen gezeigt. Am 30 Meter hohen Kleinen Bergfried erstreckt sich das barocke, noch unsanierte Amtshaus, das vermutlich um 1700 aus den Trümmern des Schlosses errichtet wurde. Das alte Gefängnis an der Burgmauer wurde saniert und beherbergt heute als schmuckes Hotel „Heinzelberge“ Gäste der Stadt.
Bevor Sie wieder zurück zum Bahnhof laufen, wenden Sie sich den bunten Trichtern zu, die aus der Erde ragen. Lauschen Sie doch einmal. Hören Sie die Heinzelmännchen-Geschichten?
Über den Sorbenweg, Bergstraße, Am Anger entlang des Mühlgrabens und ein Stück durch den Stadtpark sind Sie nach gut 20 Minuten wieder am Bahnhof – mit vielen neuen Eindrücken und manch Wissenswertem aus unserer Geschichte.
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