Am Hauptbahnhof 1
14776 Brandenburg an der Havel
Brandenburg an der Havel – mal ohne Kirchen und Klöster
Ein Stadtrundgang für Familien und Kulturliebhaber
Unser Tipp: Bitte prüfen Sie vor Fahrtantritt Ihre Zugverbindung und die erwartete Auslastung.
In einem Teil der ab 1888 in rotem Backstein erbauten imposanten Industriegebäude der ehemaligen Brennabor-Werke befindet sich seit 2003 die Brennabor-Kunsthalle mit über 600 qm Ausstellungsfläche. Hier werden von renommierten Künstler:innen in sechs Wechselausstellungen pro Jahr mit breit gefächertem Beiprogramm spannungsreiche Positionen zeitgenössischer Kunst aller Gattungen präsentiert.
Von der Brücke über den Stadtkanal entlang der Sankt-Annen-Straße bietet sich ein erstaunlicher Blick auf die einstigen Fabrikanlagen der Brennabor-Werke. Die Sankt-Annen-Promenade ist ein bei Spaziergängern und Joggern beliebter Uferweg. Folgen Sie der vielbefahrenen Straße bis zum Neustädtischen Markt. Hier ist der Ort, um zu berichten, dass das einstige Brandenburg aus drei selbstständigen Siedlungen hervorging; dem Dombezirk, der Altstadt und der Neustadt. Bis 1715 lebten Alt- und Neustadt, von einer Mauer getrennt, unmittelbar nebeneinander – mit eigenem Rathaus und eigenem Bürgermeister.
Der Neustädtische Markt in Brandenburg an der Havel hat in den letzten Kriegswochen 1945 sein ursprüngliches Gesicht verloren. Hier standen der Pranger und der Richtbock, ein Brunnen sowie das stattliche Rathaus der Neustadt, das später der Verwaltungssitz der gesamten Stadt wurde. Nichts davon ist erhalten. Nur die steinerne Rolandfigur, die vom Brandenburger Bürgerstolz kündete, blieb erhalten. Sie bewacht heute das historische Rathaus der Altstadt und – als Kopie – das Märkische Museum in Berlin.
Das Tastrelief verschafft dem Betrachter einen Überblick über die drei historischen Stadtteile Altstadt, Neustadt und Dominsel. Zudem verfügt das Modell über Brailleschrift und ist auch für Sehbehinderte geeignet. In der Nähe ist die Touristinformation der Stadt ansässig.
Weiter geht es entlang der Hauptstraße. Sie trägt den Namen zurecht, denn hier reihen sich Läden und Cafés aneinander. Und die Straßenbahn fährt mittendurch. Der Weg führt vorbei an einem Brunnen mit dem legendären, tragisch verunglückten Angler Fitze Bollmann zur „Jahrtausendbrücke“. Sie erhielt den Namen im Jahr ihrer Einweihung – 1929, als Brandenburg seine Tausendjahrfeier beging. Von der Brücke aus bietet sich ein Panoramablick auf das sich zum Park ausweitende Salzhofufer, wo sich einige der an Loriot erinnernden Waldmöpse versteckt halten. Jenseits der Brücke heißt die Hauptstraße Ritterstraße. Hier stehen 15 historische Gebäude, die zu den schützenswerten Denkmälern Brandenburgs gehören. Ein besonders prachtvolles Exemplar ist das Frey-Haus. Hier wohnte traditionell der Kommandeur des in Brandenburg an der Havel stationierten Infanterie-Regiments.
Zum Stadtmuseum Brandenburg an der Havel gehören drei Ausstellungsorte: das Frey-Haus, ein barockes Wohnhaus des 18. Jahrhunderts in der historischen Altstadt, der Steintorturm als Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung der Neustadt und das Gotische Haus, ein spätmittelalterliches Bürgerhaus.
Im Frey-Haus werden Sonder- und Kabinettausstellungen zu wechselnden Ausschnitten der tausendjährigen Stadtgeschichte präsentiert. Besonders beeindruckend ist die Sammlung historischen Spielzeugs, das nur wenige Meter entfernt produziert wurde. Ergänzt werden die Ausstellungen um Veranstaltungen und museumspädagogische Angebote.
Ganz in der Nähe ist im Keller des Gotischen Hauses die Ausstellung „Alchemie und Alltag“ zu sehen. Archäologische Funde erlauben Einblicke in die Werkstatt eines Apothekers und in einen wohlhabenden barocken Haushalt. Das inszenierte Pferdeskelett aus einer Grube des 13. Jahrhunderts ist das älteste der ausgestellten Objekt.
Der mittelalterliche Steintorturm ist selbst ein herausragendes Zeugnis der Stadtgeschichte und äußerst empfehlenswert. In dem einzigen begehbaren Stadttorturm in Brandenburg an der Havel wird eine Ausstellung zur Brandenburger Havelschifffahrt und -fischerei gezeigt., Von der Aussichtsplattform hat man einen beeindruckenden Blick über die Neustadt und die Havel. Der Turm ist während des Winterhalbjahres geschlossen.
Von der Ritterstraße zum Altstädtischen Markt sind es nur wenige Schritte. Auf einer Bank sitzt ein TV-Star, den wohl jeder schon in einer von Loriots Sendungen gesehen hat: Herr Müller-Lüdenscheid, unverkennbar mit der Fliege am Hals. Brandenburg an der Havel ist dem Allround-Künstler Vicco von Bülow besonders verbunden, denn hier wurde er 1923 geboren und 1993 ihr Ehrenbürger. Von einem extra für ihn aufgestellten Denkmalsockel hat er sich davongemacht. Denkmale der besonderen Art aber sind die derzeit 27 ausgewilderten „Waldmöpse“, die als lebensgroße Bronzefiguren an mehreren Stellen der Innenstadt auftauchen.
Vom Altstädtischen Markt aus zeigt sich das Altstädtische Rathaus in Brandenburg an der Havel in voller Schönheit mit seinen Ziergiebeln in feinster spätgotischer Backsteinkunst. Das um 1430 errichtete Gebäude diente als Stadtverwaltung und Markthalle. Der Turm, in dem sich ursprünglich Gerichtslaube, Gefängnis, Waffenkammer und Stadtarchiv befanden, ragt einem Kirchturm ähnlich in den Himmel. Als 1715 Alt- und Neustadt vereint wurden, zog die Brandenburger Verwaltung in das (heute nicht mehr erhaltene) Rathaus der Neustadt. Nach jahrhundertelanger Zweckentfremdung und einer Rettung durch Karl Friedrich Schinkel sowie weiteren Sanierungsarbeiten ist es heute wieder Sitz des Brandenburger Oberbürgermeisters und Bürgermeisters.
Unübersehbar steht der steinerne Roland vor dem Rathausportal. Seine Größe und Ausstattung waren ein Beleg für die wirtschaftliche Prosperität der Stadt. Ursprünglich 1474 auf dem Marktplatz der Neustadt aufgestellt, wurde der Roland 1716 zum Rathaus umgesetzt, da die 5,35 Meter hohe Sandsteinfigur den durch preußischen Garnisionstruppen als Exerzierplatz genutzten Markplatz behinderte. 1941 wurde der Roland während des Zweiten Weltkrieges demontiert und vergraben. Nach der Zerstörung des Neustädtischen Rathauses 1945 bezog die Figur den jetzigen Platz am Altstädtischen Rathaus.
Sie können zu Fuß gehen, oder an der Haltestelle Ritterstraße/Museum in die Tram-Linie 6 einsteigen und bis Fontanestraße fahren. Dort wechseln Sie in die Buslinie 2 in Richtung Quenzbrücke und steigen an der Station Industriemuseum aus.
In Brandenburg an der Havel wurde seit 1914 Stahl „gekocht“. Doch verschwanden die Anlagen nach 1945 als Reparationen in die Sowjetunion. Aber schon wenig später ging es wieder los. Ein Siemens-Martin-Ofen nach dem anderen wurde in einer gigantischen Halle montiert. So entstand der wichtigste Stahllieferant der DDR. Nach den Umwälzungen des Jahres 1990 hatten nur noch moderne Elektrostahlöfen eine Chance. Die Siemens-Martin-Öfen wurden demontiert. Bis auf einen – die Nummer 12 – er wurde unter Denkmalschutz gestellt. Ein spektakuläres Industriemuseum wurde eingerichtet. Manches sieht aus, als wäre hier noch gestern gearbeitet worden.
Der letzte Siemens-Martin-Ofen Europas mit den dazugehörigen Anlagen zum Beschicken, Schmelzen und Vergießen ist als Technisches Denkmal zu besichtigen.
Mit Kittel und Helm bekleidet können die Besucher den Denkmalbereich selbstständig, mit dem Audioguide oder im Rahmen einer angemeldeten Gruppenführung erkunden. Im Steuerstand, in Werkstätten, Meisterstube und Labor können sich die Besucher auf die Spuren der ehemaligen Stahlwerker begeben.
Die Ausstellung „Brennabor in Brandenburg“ zeigt in einer Nische des riesigen Stahlwerkes die legendären Kinderwagen, Fahrräder, Motorräder und Autos des Brandenburger Werkes. Hier schließt sich der Kreis zu den Brennabor-Werken, die am Anfang dieser Tour standen.
Gruppenführungen ab 6 Personen nach Anmeldung möglich.
Zu Fuß oder mit Bus und Tram gelangen Sie wieder zurück in die Brandenburger Innenstadt und zum Hauptbahnhof.
Wenn Sie an der Haltestelle Jakobstraße die Tram verlassen, können Sie sich noch die Schifffahrtsausstellung im Museum im Steintorturm ansehen. Entlang der Sankt-Annen-Promenade, über die Fußgängerbrücke und weiter durch die Kleine Gartenstraße erleben Sie einen gemütlichen Spaziergang zum Bahnhof.
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Brandenburg an der Havel HauptbahnhofAm Hauptbahnhof 1
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