Bahnhofstraße
18258 Schwaan
Auf Künstlerpfaden unterwegs in Schwaan
Ein Stadtrundgang für Kurztrip, Kulturliebhaber und Geniesser
Unser Tipp: Bitte prüfen Sie vor Fahrtantritt Ihre Zugverbindung und die erwartete Auslastung.
Bleiben Sie einen Moment vor der Brücke stehen. Gegenüber am Ufer und unübersehbar ist eine ganze Hausfassade zum Kunstwerk geworden. Eine der bekanntesten Landschaften von Franz Bunke wurde hier nicht nur überdimensional vergrößert, sondern auch modern interpretiert. Es ist sein Gemälde „Stadt Schwaan“, das der Künstler der Stadt anlässlich seiner Ehrenbürgerschaft im Jahr 1927 schenkte. Das vom Unternehmen Artunique angefertigte Bild zeigt wie das Original ein Stück des Warnow-Ufers mit dem Blick auf die Stadt.
Vor der Brücke geht es links in einen Weg, der am Ufer der Warnow entlangführt. Gleich hier finden Sie einen Pylon mit einem ergänzenden Pendant zum Bild auf der Fassade.
Peter Paul Draewing, 1876 in Schwaan geboren und 1940 in Eisenach gestorben, hat an dieser Stelle 1927 eine Stadtszene gemalt, die Ihnen eine lebendige Vorstellung der damaligen Lebensverhältnisse in Schwaan vermittelt.
Zugleich können Sie einige Gebäude wiedererkennen, das Haus gegenüber und die Kirche beispielsweise. Das Gemälde ist zugleich eine Reminiszenz an die alte hölzerne Klappbrücke, deren Tage zur Entstehungszeit des Bildes schon gezählt waren. 1928 wurde sie durch eine stählerne Hubbrücke ersetzt, die noch bis 2015 den Verkehr über die und auf der Warnow regelte. Die neue Brücke entspricht allen Anforderungen unseres modernen Straßen- und Wasserverkehrs. Dieser Übergang über die Warnow war mindestens seit 1328 jahrhundertelang der einzige zwischen Bützow und Rostock und war daher für die Region von großer Bedeutung.
Sie überqueren die Warnowbrücke und kommen durch die August-Bebel-Straße direkt zum Markt. Im Schaufenster der August-Bebel-Straße 3, unmittelbar vor dem Markt, befindet sich ein Modell der alten Hubbrücke, und auf Roll-ups wird die Geschichte der hiesigen Brücken erzählt.
An der Ecke August-Bebel-Straße/Markt sehen Sie rechter Hand ein Geschäftshaus. Hier befand sich das legendäre Hotel Drewes, in welchem sich 1905 die Mecklenburgisch-Pommersche Künstlervereinigung gegründet hat. Es trafen sich Maler, Geschäftsleute und Kunstinteressierte zu geselligen Runden im Hotel. Franz Bunke galt als humoriger Erzähler, der zu seinem Sommeraufenthalt in Schwaan von den Anwesenden stets schon sehnlich erwartet wurde.
Gegenüber, mitten auf dem Markt, steht eine der ältesten Stadtkirchen Mecklenburg-Vorpommerns. Ein Blick hinein lohnt sich.
Sie ist eine der ältesten Stadtkirchen Mecklenburgs und bis heute im Hauptbau unverändert erhalten. Chor und Langhaus sind mit jeweils zweijochigen steilen Gewölben überdeckt, die ihrer Mächtigkeit wegen dem Kircheninnenraum einen beachtlichen Eindruck geben. Der Turm an der Westseite des Langhauses wirkt massiv und beherrscht mit seinem vierseitigen Pyramidenhelm das Stadtzentrum. Die Außenfassade der Kirche enthält typische Architekturmerkmale aus der Zeit der Romanik und der Gotik. An der Südseite der Kirche befindet sich ein jüngerer Anbau aus dem Jahr 1830. Die Ausstattung ist sparsam. Sehr beachtlich ist ein Kreuz mit Christus aus dem 13. Jahrhundert, das wohl erst im 16./17. Jahrhundert zu einer Kreuzigungsgruppe erweitert wurde, sowie die Madonnenfigur ca. um 1500, eine Sandsteintaufe von 1589 und ein Wand-Epitaph von 1598. Die jetzige Inneneinrichtung der Kirche mit Gestühl, Kanzel und Altar ist neugotisch und aus den Jahren 1828/29. Die Orgel wurde 1860 von Friedrich Winzer aus Wismar gebaut.
Bei Voranmeldung sind auch Führungen möglich. Regelmäßig finden Konzerte in der Kirche statt.
Sie gehen rechts um den Markt herum und kommen in die Mühlenstraße und damit direkt zur Kunstmühle, dem Kunstmuseum Schwaan.
Das ehemalige Mühlenhaus entstand vor ca. 200 Jahren an dem Fluss Beke und ist eines der ältesten erhaltenen Profanbauten der Stadt. Die Balken- und Fachwerkkonstruktion der ehemaligen Mühle wurde behutsam in die Galerieräume integriert. Im Erdgeschoss ist ein historischer Mühlenraum eingerichtet. Im Zuge der Entstehung zahlreicher Künstlerkolonien in Europa entstand auch in Schwaan um 1880/85 eine Gemeinschaft von Malern. Die gebürtigen Schwaaner Franz Bunke, Rudolf Bartels, Peter Paul Draewing und der Hamburger Alfred Heinsohn bilden die Hauptsäulen der einzigen Mecklenburger Künstlerkolonie. Sie studierten an der Weimarer Malerschule Landschaftsmalerei unter realistischer Natursicht und betrieben in der mecklenburgischen Heimat ihr Naturstudium. Dem Maler und Professor Franz Bunke ist der Durchbruch der Freilichtmalerei in Mecklenburg zu verdanken. Rudolf Bartels und Alfred Heinsohn näherten sich in ihren Arbeiten zunehmend der modernen bis abstrakten Malerei. Durch seine Annäherungen an die Moderne wird Rudolf Bartels zum bedeutendsten Künstler in Mecklenburg der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Das Kunstmuseum der Stadt widmet sich den Malern ihrer Künstlerkolonie Schwaan. Die Ausstellungsräume befinden sich in der alten Wassermühle, die um 1790 im Auftrag des Herzogs von Mecklenburg errichtet wurde. Sie ist es eines der ältesten erhaltenen Profanbauten. Das Gebäude mit seiner Fachwerkkonstruktion wurde als Kunstmuseum vor 20 Jahren eröffnet. Es zeigt auf drei Etagen die mecklenburgische Malerei mit dem Schwerpunkt der Künstlerkolonie Schwaan im 19. und 20. Jahrhundert. Eine Reihe ausdrucksstarker Landschaften, die das Gespür für die gemäßigte Farbigkeit der Natur zeigen, geben Einblicke in die Geschichte der Kolonisten. Sie stellen Verbindungen zu anderen großen Landschaftsmalern unseres Landes her. Wechselnde Ausstellungen widmen sich im Besonderen dem Thema „Künstlerkolonien in Europa“ und setzen diese in einen neuen Kontext.
Informationen zur Barrierefreiheit
Alle prüfrelevanten Bereiche erfüllen die Qualitätskriterien der Kennzeichnung „Barrierefreiheit geprüft – barrierefrei für Menschen mit Gehbehinderung und teilweise barrierefrei für Rollstuhlfahrer“. Weitere Details sind zu finden unter Reisen für Alle.
Es steht ein Parkplatz von 4,40 m x 5 m für Menschen mit Behinderung zur Verfügung. Dieser befindet sich in 60 m Entfernung vom Eingang.
Der Weg vom Parkplatz zum Eingang ist bis auf ein kleines Teilstück (Kopfsteinpflaster) leicht begeh- und befahrbar. Er weist eine Steigung von 6 % über eine Strecke von 14 m auf.
Das Ziel des Weges ist meist in Sichtweite oder es sind Wegezeichen in ständig sichtbarem Abstand vorhanden.
Der Zugang zum Gebäude erfolgt stufenlos (Türschwelle 1 cm).
Alle für den Gast nutzbaren und erhobenen Räume sind ebenerdig oder per Aufzug erreichbar.
Die Aufzugskabine ist 109 cm x 140 cm groß (Breite x Tiefe). Die Befehlsgeber sind in einer Höhe von 105 cm bis 117 cm angebracht.
Alle Durchgänge/Türen sind mind. 90 cm breit.
Der Informationstresen / Kasse ist 92 cm hoch. Es gibt eine alternative Kommunikationsmöglichkeit im Sitzen.
Die Exponate sind überwiegend im Stehen und Sitzen sichtbar.
Es werden Führungen für Menschen mit Gehbehinderung und Rollstuhlfahrer angeboten. Gästeführer sind so ausgebildet, dass Gäste mit Gehbehinderung und Rollstuhlfahrer an jeder Führung teilnehmen können und auf ihre Belange eingegangen wird.
Es stehen für Menschen mit Gehbehinderung mobile oder feste Sitzgelegenheiten zur Verfügung, die während der Führung benutzt werden können.
Assistenzhunde dürfen mitgebracht werden.
Ein öffentliches WC für Menschen mit Behinderung ist vorhanden.
Die Bewegungsflächen betragen:
links neben dem WC 111 cm x 70 cm, rechts 80 cm x 70 cm;
vor dem WC, dem Waschbecken und der Tür mind. 138 cm x 170 cm.
Beidseitig am WC sind hochklappbare Haltegriffe vorhanden.
Das Waschbecken ist unterfahrbar und der Spiegel im Stehen und Sitzen einsehbar.
Es ist ein Alarmauslöser (Alarmknopf, Schnur) vorhanden.
Im Kunstmuseum haben Sie sicher noch weitere Anregungen bekommen, Ihre Tour mit Originalschauplätzen der einstigen Kunst-Kolonisten anzureichern. Vom Museum ist es nur ein Katzensprung bis zum Franz-Bunke-Haus in der Wallstraße 13. Sie überqueren einfach nur die Mühlenstraße und befinden sich schon in der Wallstraße.
Dem Maler und Professor Franz Bunke ist der Durchbruch der Freilichtmalerei in Mecklenburg zu verdanken. Mit seinen Schülern reiste er Jahr für Jahr von Weimar nach Schwaan, um hier in den Sommermonaten vor der Natur zu malen.
Das heutige, modernisierte Gebäude wurde von Max Pankow restauriert und als kleines privates Museum eröffnet.
In zwei Räumen sind ausgewählte Gemälde mecklenburgischer Maler aus der Zeit der Spätromanik zu sehen.
Im Haus angesiedelt ist der Franz Bunke Verein e.V. und widmet sich der Förderung von Kunst und Kultur.
Das Franz Bunke Haus kann täglich von 10.00 bis 20.00 Uhr besucht werden.
(Die Klingel befindet sich hinter der Fensterlade oder Sie melden sich im Café & Weinstube, Wallstraße 7.)
Nun geht es noch auf einen Spaziergang ins Beke-Gebiet, wo es weitere Standorte gibt, an denen Sie zeitgenössische Landschaftsansichten der Maler-Kolonisten mit heutigen Perspektiven vergleichen können.
Der Wallstraße folgen Sie geradeaus und lassen das Bunke-Wohnhaus und Kunstmuseum hinter sich zurück. So kommen Sie auf die Pfarrstraße, in die Sie rechts einbiegen, bis Sie auf die Schillerstraße und von dort auf die Franz-Bunke-Allee stoßen, einer wunderschön-ländlichen Birkenallee, die direkt zum Hindurchspazieren einlädt. Hier finden Sie den Schauplatz, an dem das Bild „Im Morgennebel“ von Franz Bunke entstand.
Franz Bunke, Im Morgennebel, um 1910 entstanden.
Diese von Emotionen getragene Stadtansicht Schwaans erinnert in ihrer feinen malerischen Ausfertigung und der stimmungsvollen Lichtführung an die Romantiker.
Bunke malte anfänglich verstärkt mit Lokalfarben, also dem je eigenen, einzelnen Farbenton des betrachteten Gegenstands in seiner ursprünglichen Reinheit, später wuchs das Interesse an den Veränderungen der Farben unter bestimmten Lichteinflüssen.
Bevor die Franz-Bunke-Allee auf die John-Brinckmann-Allee stößt, gibt es den Hinweis auf die von Franz Bunke aus dieser Perspektive gemalte Stadtansicht von Schwaan.
Sie überqueren auf einer kleinen Brücke die Beke. Nun geht die Brinckmann-Straße in die Lindenbruchstraße über. Sie spazieren durch die idyllischen Bekewiesen am Waldrand und an Kleingärten vorüber. Auf dem Weg begegnen Ihnen zwei weitere Standorte, die den Malern beliebte Motive boten. So entstand hier von Peter Paul Draewing das Gemälde „An einem schönen Herbsttag“. Nicht weit davon treffen Sie auf ein Gemälde, das den Titel des Weges trägt, auf dem Sie gerade spazieren „Im Lindenbruch“ von Alfred Heinson gemalt zeigt einen von Licht und Schatten flirrenden Waldweg. Vielleicht haben Sie ja Glück und sehen jetzt, 100 Jahre später, ganz ähnliche Lichtspiele unter den älter gewordenen Bäumen.
Sie gehen die Lindenbruchstraße einfach immer weiter, vorbei an Gärten und schließlich an Wohnbebauung. Der Weg geht rechter Hand in die Fritz-Reuter-Straße über. Von hier sind Sie nach wenigen Schritten wieder am Kunstmuseum.
Jetzt haben Sie sich ein gutes Essen mehr als redlich verdient. In der Mühlenstraße 1 gibt es das Deutsche Haus, das auch für den ganz großen Hunger immer etwas Gutes zu bieten hat.
Beim Kunstmuseum geht Ihr Weg nun noch einmal ins Grüne und zeigt Ihnen eine weitere kunstreiche und idyllische Seite Schwans. Durch den Skulpturenpark des Museums kommen Sie auf einem Spazierweg entlang der Beke. Ihm folgen Sie bis die Beke in die Warnow einmündet. Am Ufer der Warnow gehen Sie bis zum Gelände des ehemaligen Gaswerkes, das Sie auf einem Schleichpfad durchqueren. Hier kommen Sie direkt auf die Große Bergstraße. Wenden Sie sich nach links und folgen der Straße bis Sie auf die August-Bebel-Straße und von dort geradewegs durch die Loxstedter Straße über die Warnow-Brücke Richtung Bahnhof gehen. Aber halt! Hinter Brücke haben Sie noch einmal Gelegenheit, zwei Schauplätzen Ihren Besuch abzustatten und auf einem nur kleinen Umweg direkt zum Bahnhof zurück zu spazieren.
Es geht den Badesteig hinunter, wo Sie am Ufer noch einmal in die Landschaft von vor 100 Jahren schauen. Hier malte Franz Bunke sein Bild „Ziegelverladung an der Warnow“. Folgen Sie nun der Warnow bis zum Abzweig in die Güstrower Straße. Wo die Güstrower Straße auf die Teichstraße trifft, treffen Sie Rudolf Bartels „Laternenkinder“.
Rudolf Bartels, Laternenkinder, um 1910
Sie befinden sich hier an der Stelle, an welcher Rudolf Bartels seine Laternenbilder ansiedelte bzw. malte. Dieser Teil Schwaans war bis 1862 die eigenständige Ortschaft, Friedrichsgabe. Mit dem Bau der Eisenbahnlinie wurde der Ort eingemeindet, wie man sich angesichts der Bahnhofsnähe gut vorstellen kann.
Das Bild „Laternenkinder“ gehört zu jenen beeindruckenden Folgen gleichen Namens, die Bartels nach dem bekannten Kinderlied „Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne..“ geschaffen hat. Die in den Farben des Spektrums dargestellten Laternen gewinnen mit zunehmender Dunkelheit des Umfeldes an Intensität und Leuchtkraft, während Details an konkreter Erkennbarkeit verlieren.
An diesem scheinbar schlichten Ort gibt es noch eine kleine Rarität: Die Litfaßsäule gehört in der Tat zu den Baudenkmalen der Stadt. Sie wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts hier aufgestellt, also erst kurze Zeit nach dem Tod des „Erfinders“ der Reklamesäule Ernst Litfaß 1874.
Mit den Laternenkindern verabschiedet sich Schwaan von Ihnen. Bis zum Bahnhof sind es jetzt nur noch ein paar Schritte.
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