Friedrich-Ebert-Straße 63
14473 Potsdam
Die Parklandschaft im Norden Potsdams
Ein Stadtrundgang für Naturliebhaber, Kulturliebhaber und Geniesser
Unser Tipp: Bitte prüfen Sie vor Fahrtantritt Ihre Zugverbindung und die erwartete Auslastung.
Das Holländische Etablissement ist ein Gebäudeensemble im Neuen Garten. Es wurde von Friedrich Wilhelm II. als Wohnstätte für Bedienstete und als reizvolle Kulisse am Heiligen See erbaut. Das Ensemble besteht aus vier Kavaliershäusern, einem Pferdestall, einer Remise für Kutschen und einem Damenhaus – alles aus rotem Ziegel mit holländischen Giebeln, ein Beleg für die traditionelle Verbindung der Hohenzollern mit Holland.
Das Kavaliershaus mit dem fantasievollen Vorbeet wurde zu Zeiten von König Friedrich Wilhelm II. ”Damenhaus“ genannt. Wie es hieß, präparierten sich in dem hübschen holländischen Haus die Favoritinnen der Nacht für ihren Auftritt beim König. Die Amouren des "dicken Lüderjahn", wie die Potsdamer ihren Regenten nannten, waren Stadtgespräch.
Gegenüber dem Kavaliershaus steht ein langgestrecktes Gebäude mit einer ägyptisch anmutenden Schaufassade.
Vier Säulen tragen eine Sphinx, und neben der Pforte stehen zwei schwarze Götterstatuen. Hinter den hohen Fenstern befindet sich die Orangerie, in die empfindliche Pflanzen den Winter überstehen. Der reich dekorierte Konzertsaal im Mittelteil – der Palmensaal – wird auch heute noch für Aufführungen genutzt. König Friedrich Wilhelm II. war ein durchaus begabter Cellist und gab hier selbst Konzerte. Immerhin komponierte Mozart bei seinem Besuch in Potsdam einen Cello-Part für das erste Preußische Quartett in D-Dur, von dem es heißt, der König habe es uraufgeführt. Vor der Orangerie befindet sich ein sehenswerter Staudengarten.
Der Weg führt nun an das Ufer des Heiligen Sees. In der Ferne ist die Gotische Bibliothek zu sehen. Auf der anderen Seite des Wassers stehen die Villen der Berliner Vorstadt. Ganz nahe und scheinbar ins Wasser hineingebaut, erhebt sich das Marmorpalais, die Sommerresidenz Friedrich Wilhelms II. Der Weg dorthin führt an einem tempelartigen Bauwerk mit korinthischen Säulen vorbei, die scheinbar im Boden versinken. Es ist die Schlossküche. Ein unterirdischer Gang führte hinüber zum Marmorpalais. Die beiden benachbarten Gebäude symbolisieren die untergegangene Welt der Antike und ihre Wiederbelebung im Klassizismus. Wenige Stufen führen hinauf zu einer Plattform vor dem Marmorpalais.
König Friedrich Wilhelm II. von Preußen ließ das Marmorpalais zwischen 1787 und 1791 als königlichen Sommersitz in Potsdam erbauen. Antike Skulpturen, italienische Marmorkamine, kostbare Holzfußböden, seidene Wandbespannungen, erlesene Wedgwood-Keramiken und kunstvolle Möbel bilden zusammen mit dem eleganten Gebäude ein herausragendes Ensemble des frühen Klassizismus in Mitteleuropa. Sichtbares Zeichen der mit einem politischen und künstlerischen Aufbruch verbundenen Regentschaft Friedrich Wilhelms II. ist bis heute das Brandenburger Tor in Berlin, das auf Wunsch des Monarchen als modernes, an der Antike orientiertes Bauwerk errichtet wurde.
Ab Mai 2025 machen neue mediale Angebote das Marmorpalais zu einem lebendigen Ort der Wissensvermittlung und lassen den Besuch zu einem kurzweiligen, informativen Erlebnis werden. Politische sowie gesellschaftliche Themen der Regierungszeit Friedrich Wilhelms II. werden beispielhaft vorgestellt. Themen, die noch heute aktuell sind und bis in unsere Zeit nicht an Brisanz verloren haben: die historischen und sozialen Auswirkungen der französischen Revolution, die sich verändernde gesellschaftliche Rolle der Frau im ausgehenden 18. Jahrhundert und die willkürliche Verschiebung nationaler Grenzen. Insbesondere die Geschichte des Nachbarlandes Polens in der Regierungszeit Friedrich Wilhelms II. wird als Schwerpunkt preußischer Expansionspolitik behandelt. Mit der Dritten Polnischen Teilung 1795 sollte Polen für über hundert Jahre von der europäischen Landkarte verschwinden und Warschau zu einer Stadt in Preußen werden. Ein Akt machtpolitischer Willkür, der eng mit dem Machtstreben Preußens auf dem europäischen Kontinent verbunden war. Ein „polnischer Blick“ auf Preußen unter Friedrich Wilhelm II. wird deshalb ein besonderer Vermittlungsansatz sein. Neben Deutsch und Englisch wird sich das Sprachangebot dabei explizit an polnische Gäste richten.
Der gesamte Südflügel wird ab Mai 2025 museal, d.h. selbständig zu besichtigen sein. Die Besuchenden können ohne Wartezeit diesen Bereich betreten, sich mit der Geschichte des Ortes und seiner Bewohner vertraut machen sowie thematische Einblicke in die Regierungszeit Friedrich Wilhelms II. erhalten.
Folgen Sie nun weiter dem Weg Richtung Norden. Auf einer Wiese, nicht weit vom Marmorpalais entfernt, steht eine kleine Pyramide. Malerisch, romantisch im Äußeren, profan im Inneren: Sie diente als Eiskeller. Hier wurden in fünf Metern Tiefe Eisblöcke, die im Winter aus dem Heiligen See entnommen wurden, bis in den Sommer hinein gelagert.
Weiter geht es am Seeufer entlang. Eine kleine Steigung führt auf den „Kaninchenberg“. Von hier sind die Turmspitzen des Babelsberger Schlosses zu erkennen. Das Rote Haus am Seeufer vervollständigt den Eindruck einer ländlichen Idylle. Es war, bevor der Neue Garten angelegt wurde, ein Winzerhaus.
Nun folgt das Grüne Haus, ebenfalls ein Überbleibsel aus einer Zeit, als hier noch Landwirtschaft betrieben wurde. Eine Sichtachse verläuft über den See hinweg zur Kuppel der Nikolaikirche in der Potsdamer Innenstadt. Das Nordufer des Heiligen Sees ist bei den Potsdamern als Badeplatz sehr beliebt, zumal der See ein erstaunlich sauberes Wasser hat.
Seit November 2024 ist das Schloss Cecilienhof wegen Sanierungsarbeiten geschlossen. Geplant sind unter anderem ein neuer erweiterter Besucherempfang, ein öffentliches Restaurant, ein Aufzug für den barrierefreien Zugang sowie die Reaktivierung der Hotelflächen, die nach der Fertigstellung wieder dementsprechend genutzt werden. Während der Dauer der Sanierung kann das Schloss jedoch digital erkundet werden: Auf Google Arts and Culture stehen virtuelle Rundgänge durch die historischen Räume der Potsdamer Konferenz sowie umfangreiche digitale Ausstellungen zu verschiedenen Aspekten der Schloss- und Nutzungsgeschichte kostenfrei zur Verfügung.
Churchill, Truman und Stalin haben im Schloss Cecilienhof im Neuen Garten Weltgeschichte geschrieben. Sie trafen sich hier im Sommer 1945 zur Potsdamer Konferenz und besiegelten das Schicksal Deutschlands und Europas. Gebaut wurde das Haus in den Jahren von 1913 bis 1917 im Stil eines englischen Landhauses. Kaiser Wilhelm II. ließ es für seinen erstgeborenen Sohn, den Kronprinzen Wilhelm, und dessen Gemahlin Cecilie errichten.
Nach dem Zusammenbruch der Monarchie durfte Wilhelm 1923 nach Potsdam zurückkehren und erhielt in dem inzwischen vom Staat enteigneten Schloss ein Wohnrecht auf Lebenszeit. Am Ende des Zweiten Weltkrieges floh der Ex-Kronprinz mit seiner Familie vor der herannahenden Roten Armee.
Im Schloss befindet sich heute eine historische Gedenkstätte, in der die Konferenzzimmer und Arbeitsräume der Teilnehmer der Potsdamer Konferenz besichtigt werden können.
Von hier geht es weiter zur "Meierei im Neuen Garten". Bei einem frisch gebrauten Bier können Sie sich erfrischen oder nur den Blick über den Jungfernsee schweifen lassen. Sie verlassen dann den Park oder die Meierei nach rechts (Sie bleiben also am Ufer des Jungfernsees) und gehen die Bertinistraße am Seeufer entlang.
Direkt am Jungfernsee, in der Parkanlage des Neuen Gartens, liegt die Gasthausbrauerei. Das im preußisch-ländlichem Wirtshausstil eingerichtete Brauhaus verfügt über 200 Innen- und 200 Außenplätze. Im Sommer lädt der weitläufige Biergarten am Ufer des Jungfernsees mit beeindruckendem Blick auf Königswald und Glienicker Volkspark zu genussvoller Entspannung ein. Die Küche mit deutscher Hausmannskost sorgt für das leibliche Wohl. Die im Hause gebrauten prämierten Bierspezialitäten sind ein Hochgenuss, nicht nur für Bierliebhaber und interessierte Bierkenner.
Das malzig-würzige und vollmundige Hausbier Meierei-Hell, das Weizenbier, die Berliner Weisse und die saisonalen Spezialbiere sind sehr beliebt. Märzen, Rotbier, Maibock, das Potsdamer Schwarzbier, Herbstbock und das Weihnachtsbier sind nur einige der vielen Biersorten des Hauses. Es wird nach deutschem Reinheitsgebot gebraut, und das vielfältige Angebot an Biersorten wechselt alle vier Wochen.
Blankpolierte, kupferne Sudgefäße und die offenen Gärbottiche im historischen Eiskeller prägen das Bild dieser Brauerei. In den Obergeschossen befinden sich die Schroterei und das Malzlager.
Für Gruppen bietet das Restaurant Platz für etwa 70 Personen.
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Vom Nordausgang des Neuen Gartens geht es vorbei an Villen und einer Kleingartenanlage. Dort biegt der Weg links ab und führt an einem historischen Wasserbehälter und einer Villa im italienischen Stil vorbei zum Belvedere auf dem Pfingstberg. Mit seinen knapp 80 Metern ist der Pfingstberg die höchste Erhebung im Potsdamer Stadtgebiet. Als wäre das nicht genug, trägt er auf seinem Gipfel auch noch die höchsten Aussichtstürme Potsdams.
Der Pfingstberg ist mit einem der schönsten Beispiele für einen Prunkbau des 19. Jahrhunderts gekrönt: dem Belvedere Pfingstberg mit seinen zwei Aussichtstürmen. Zu finden sind hier außerdem der Pomonatempel, das Erstlingswerk Schinkels, und eine von Peter Joseph Lenné gestaltete Gartenanlage.
Das schöne Lustschloss ist die höchste Erhebung Potsdams. Hier liegen einem die grünen Parkanlagen, die pompösen Schlösser und das barocke Stadtzentrum zu Füßen. Wenn man weiter nach Osten schaut, kann man sogar die Skyline von Potsdams jüngerer und größerer Schwester Berlin sehen. Schon Friedrich Wilhelm II. träumte von einem Schloss auf dem Pfingstberg. Aber erst Friedrich Wilhelm IV. gab den Auftrag hierzu. Das romantische Aussichtsschloss wurde ab 1847 erbaut. In der Architektur des Baus lässt sich einmal mehr seine Begeisterung für Italien erkennen. Für den Bau inspirierten den „Romantiker auf dem Thron“ die Villa Medici in Rom und die Villa d’Este in Tivoli. Die Baufertigstellung im Jahr 1863 erlebte der König nichtmehr. Sein Bruder Wilhelm I. stellte den Bau in abgespeckter Version fertig.
Während der deutschen Teilung war das Ensemble aufgrund seiner Nähe zur innerdeutschen Grenze und zum KGB-Städtchen "Nr. 7" dem Verfall preisgegeben. Ab 1988 sorgten die späteren Gründer des Förderverein Pfingstberg e.V. mit ihrem Engagement dafür, dass es heute wieder den Glanz seiner Anfangsjahre hat.
Über eine multimediale Dauerausstellung und eine Zeitzeugenausstellung erfahren Gäste Spannendes über die wechselvolle Geschichte des Ensembles. Hörführungen können am Smartphone und Führungen mit Guide über ein technisches Gruppensystem erlebt werden. Auch individuell buchbare Führungen sind möglich.
Fast das ganze Jahr über wird das Schloss regelmäßig für Konzerte und Veranstaltungen genutzt. Außerdem kann es für private und geschäftliche Feiern, Veranstaltungen und Empfänge gemietet werden. Als Außenstelle des Standesamtes Potsdam ist das Belvedere zudem einer der romantischsten Orte, um zu heiraten.
Vor dem riesigen Belvedere steht noch ein kleines im Stil eines griechischen Tempels, der Pomonatempel. Karl Friedrich Schinkel, der Protagonist des deutschen Klassizismus, hat es im Alter von 19 Jahren entworfen. Auf der Dachterrasse haben kleine Gesellschaften Platz und können den Ausblick auf Potsdam genießen. 1817 ließ König Friedrich Wilhelm III. dieses architektonische Kleinod errichten, das nur 30 Jahre später von seinem Sohn so gigantisch übertrumpft werden sollte.
Die Tour verlässt das Plateau des Pfingstberges auf der Westseite durch ein Portal des Belvedere. Nach wenigen Metern bergab ist eine Friedhofsmauer erreicht. Dahinter befindet sich Potsdams Jüdischer Friedhof.
Wie aus einer anderen Welt tauchen zwischen den Bäumen die Zwiebeltürme der Alexander-Newski-Kirche auf.
Auf Anordnung König Friedrich Wilhelms III. wurde die russisch-orthodoxe Kirche im altrussischen Baustil nach Entwürfen des Sankt Petersburger Hofarchitekten Wassili Petrowitsch Stassow mit klassizistischen Ergänzungen Karl Friedrich Schinkels erbaut. Sie war ein Manifest, mit dem der König die enge Freundschaft von Preußen und Russland feiern wollte. Die Bauarbeiten fanden zwischen 1826 und 1829 statt.
Die Kirche steht auf dem Kapellenberg unweit der Kolonie Alexandrowka, die eigens für die russischen Soldaten im preußischen Potsdam angelegt wurde. Heute ist sowohl die Siedlung als auch die Kirche Teil des UNESCO-Welterbes. Die Kirche trägt den Namen des russischen Nationalheiligen Alexander Newski.
Es ist das älteste russisch-orthodoxe Kirchengebäude Westeuropas.
Das Blockhaus neben der Kirche dient traditionell dem Priester als Unterkunft. Es enthielt ursprünglich eine Teestube für den König.
Noch einmal geht es bergab – und schon ist die Kolonie Alexandrowka erreicht.
Friedrich Wilhelm III. und der russische Zar Alexander I. waren innige Freunde. Um dieser Freundschaft Ausdruck zu verleihen und den verstorbenen Zar zu ehren, ließ Friedrich 1826 die Russische Kolonie Alexandrowka erbauen. Die im russischen Stil errichteten Holzhäuser waren Heimat von russischen Sängern, die nach der Rückkehr aus dem Krieg als Geschenk des Zaren am königlichen Hof blieben. Die Grünanlagen wurden von Peter Joseph Lenné geplant und sollten den Sängern eine besondere Atmosphäre für Musik und Muße bieten. Heute ist das Ensemble Bestandteil des UNESCO-Welterbes.
Im Jahr 1826 wurden die Gebäude als preußische Interpretation einer Zeichnung des italo-russischen Architekten Carlo Rossi gebaut. Die Gebäude der Kolonie sind in imitierter Blockbauweise als Fachwerkhäuser mit vorgesetzten halbrunden Holzstämmen nach russischem Vorbild errichtet. Die Holzhäuser sind mit aufwendigen Verzierungen und Schnitzereien versehen.
Die Gartenanlage der Alexandrowka wurde von Peter Joseph Lenné entworfen. Sie hat die Grundform eines Hippodroms mit eingelegtem Andreaskreuz.
Jedes Gehöft ist von einem großen Garten umgeben, auf dem reichlich Obst und Gemüse angebaut werden kann.
Das Haus Nr. 2 beherbergt ein kleines Museum. Man kann in Küche und Stube schauen und sich ein Bild von den einfachen Lebensverhältnissen der damaligen Zeit machen. Es sind Dokumente ausgestellt, die die engen – auch verwandtschaftlichen – Beziehungen zwischen dem preußischen und dem russischen Herrscherhaus bezeugen.
Anmerkung: Museum und Café sind in der Zeit vom 01.11.2024 bis zum 31.03.2025 geschlossen.
Um zum Hauptbahnhof zurückzukommen, steigen Sie am südlichen Ende der Siedlung Alexandrowka an der Haltestelle Reiterweg/Alleestr. in jede Bus- oder Tramlinie, die Sie zurück zum Platz der Einheit oder direkt zum Hauptbahnhof bringt.
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