Bahnhofstr.
01640 Coswig
Und fantastische Sichten auf die Elbe
Ein Stadtrundgang für Kulturliebhaber
Unser Tipp: Bitte prüfen Sie vor Fahrtantritt Ihre Zugverbindung und die erwartete Auslastung.
Im Jahre 1497 stiftete Nicol von Karras 750 Rheinische Gulden zum Bau einer Kirche in Coswig. Im Grundbestand spätgotisch, wurde das Kirchlein 1611/12 erhöht und mit einem Satteldach versehen. Den Kirchturm mit Volutengiebeln aus der Renaissancezeit ziert als Rarität eine Ein-Zeiger-Uhr. Auf der hölzernen Kanzel sind die vier Evangelisten zu sehen. Emporen und Kassettendecke zeigen die Leidens- und Auferstehungsgeschichte, das Jüngste Gericht und die zwölf Apostel. Ein Kleinod sächsischer Orgelbaukunst ist die Renaissance-Orgel, die um 1620 entstand. In ihrer heutigen Gestalt stammt die Orgel aus den Jahren 1760–1770. Ihre Klaviatur weist verkürzte Oktaven und die seltene mitteltönige Stimmung (465 Herz) auf. Die umfangreiche Sanierung der Kirche wurde 2015 vollendet. Von Mai bis September finden hier Gottesdienste und Andachten sowie Konzerte bei Kerzenschein statt.
Nur ein Katzensprung ist es von der Kirchstraße in die Karrasstraße – und schon stehen Sie auf dem historischen Platz der einstigen Wasserburg. Heute lädt Sie hier das Stadtmuseum zum Exkurs in die Geschichte von Coswig ein.
Im 15. Jahrhundert bewohnte an dieser Stelle das Rittergeschlecht derer von Karras eine Wasserburg. Das Anwesen wechselte mehrfach Aussehen und Besitzer. Im Jahre 1897 entstand auf dem Areal eine Fabrikantenvilla. Nur ein paar Mauerreste erinnern noch an die Burg. Seit 1996 beherbergt die Villa das Museum der Stadt.
Die Dauerausstellung zur Geschichte Coswigs behandelt Geologie, die ur- und frühgeschichtliche Besiedlung, die bäuerliche Lebenskultur sowie Wein- und Gartenbau, Gewerbeentwicklung und Industriegeschichte. So ist ein Modell des ersten sächsischen Personenwagens des Coswiger Automobilbauers Emil Nacke von 1900 zu sehen. Interessante Exponate zeigen die Historie der Coswiger Kirchen wie der über 500-jährigen Alten Kirche. Wechselnde Sonderausstellungen und verschiedene museumspädagogische Veranstaltungen ergänzen das Angebot.
Folgen Sie nach dem Museumsbesuch weiter der Karrasstraße, gelangen Sie wieder auf die Hauptstraße. Sie passieren die Gleise der Straßenbahnlinie 4, die Dresden-Laubegast und Weinböhla verbindet, und gelangen zur Börse Coswig. Haben Sie Appetit bekommen? Dann können Sie im Restaurant stilvoll einkehren, deutsche und internationale Gerichte genießen und natürlich Wein aus dem Sächsischen Anbaugebiet probieren.
1900 als „Concert- und Ballhaus“ gegründet, ist die Börse Coswig bis heute das kulturelle und gastliche Zentrum Coswigs. Im historischen Ballsaal mit Galerie, verzierter Decke und gusseisernen Säulen finden bis zu 700 Gäste Platz. Als modernes Veranstaltungshaus mit Hotel und Restaurant lädt die Börse zu Tagungen, kulturellen Veranstaltungen und Partys ein.
Laufen Sie nun die Hauptstraße auf der gegenüberliegenden Seite zurück Richtung Bahnhof. Sie passieren den Lovosicer Platz und ein paar Geschäfte und biegen dann links ein in den Wettinplatz – ein grünes Fleckchen mit Teich und Springbrunnen. Hier schließt sich die Pestalozzistraße an, und schon stehen Sie vor der evangelischen Stadtkirche St. Peter und Pauls – der neuen mit ihrem weithin sichtbaren Kirchturm.
Als der industrielle Aufschwung Anfang des 20. Jahrhunderts die Bevölkerungszahlen wachsen ließ, wurde die alte Peter-Pauls-Kirche zu klein und eine neue, größere im Neorenaissancestil gebaut. 1903 wurde sie eingeweiht. Das imposante Hauptportal mit Sandsteinrelief lädt den Besucher geradezu ein. Der hohe und weite Raum mit Rippengewölbe, Orgelempore und Seitenemporen zeigt Glasfenster und Kanzelbilder nach Entwürfen des Dresdner Historienmalers Ludwig Otto (1850–1920). Eine Kostbarkeit ist der Taufstein aus Sandstein von 1718, der zuvor in der Alten Kirche stand. Die Orgel aus der Werkstatt der Gebrüder Jehmlich in Dresden mit ihrem imposanten Prospekt wurde 1903 mit 29 klingenden Stimmen auf pneumatischen Kehlladen erbaut. Nach der Grundsanierung 2015 – wiederum durch die Familie Jehmlich – verfügt die Orgel nunmehr über 46 klingende Stimmen auf drei Manualen und Pedal und einer elektropneumatischen Traktur. Der frühere Wassermotor, verantwortlich für den Antrieb der Blasebälge, befindet sich heute noch als technisches Denkmal in der Orgel.
Spätestens hier merken Sie, dass die Stadt mit ihren schmucken Villengrundstücken und kleinen Plätzen wirklich schön grün ist – und es wird noch grüner. Laufen Sie auf der Johann-Sebastian-Bach-Straße vorbei an einem griechischen Restaurant, queren die Dresdner Straße und gehen auf der Robert-Blum-Straße bis zur Sachsenstraße, die Sie rechts einbiegen. Lassen Sie den Bahnhof links liegen und nehmen Sie die Kötitzer Straße. Wenden Sie sich nach links, unterqueren Sie die Bahngleise und laufen Sie bis zur Nummer 30. Hier erwartet Sie ein weiteres Kleinod der Stadt: die Villa Teresa.
Als herrschaftliche Villa im Neorenaissancestil 1873 erbaut, diente die Villa Teresa mit ihrer Parkanlage dem Komponisten- und Pianistenehepaar Eugen d’Albert und Teresa Carreño für einige Jahre als Wohnsitz. Da es dem Künstler mit insgesamt fünf Kindern im Haus bald zu laut wurde, ließ er im Park einen Pavillon errichten. Hier konnte er sich zurückziehen und in Ruhe arbeiten. Nachdem die Ehe gescheitert war, verkaufte Eugen d’Albert das Anwesen an den Schweizer Paul Matter, der es weiter aus- und umbaute. In den 1960er Jahren ging es testamentarisch in den Besitz der Stadt Coswig über. Seit 2002 ist die Villa Teresa – nun frisch saniert – überregionales Zentrum für Kammermusik und Literatur und zugleich Gedenkstätte für zwei geniale Künstler vergangener Zeit. In der Villa können sich Paare standesamtlich trauen lassen. Haus und Park können auch für private Nutzung gemietet werden.
Das Nebengebäude wurde gemeinsam mit Coswigs Partnerstadt Lovosice in Tschechien und EU-Förderung als Casa Bohemica saniert. Es beherbergt eine Dauerausstellung über die Tourismusregion Sachsen-Böhmen, dient als grenzüberschreitende Touristinformation und wird für Veranstaltungen genutzt
Sie werden es kaum glauben, aber wo die Villa steht, befand sich früher ein Weinberg. In der Geschichte ist zu lesen, dass die Kötitzer – einst ein eigenständiges Dorf – keine Lust hatten auf Landwirtschaft, sondern viel lieber Wein anbauten. Vorbei am Kötitzer Rathaus, das heute als Oberschule genutzt wird, gelangen Sie zum Fährweg und damit geradewegs ans Elbufer. Hier legt eine Fähre ab nach Gauernitz. Wenn Sie einen Blick vom anderen Elbufer auf Coswig werfen wollen, dann steigen Sie doch auf! Den aktuellen Fahrplan finden Sie unter www.vvo-online.de.
Die erste urkundliche Erwähnung der „Käditzer Kahnfähre“ datiert aus dem Jahre 1661. Seitdem taten hier zahlreiche Boote und Lastschiffe aller Art mit Muskel-, Dampf-, Gierseil- oder Motorantrieb und auch einmal eine Wagenfähre ihren Dienst, um Menschen und Material über die Elbe zu befördern.
Im Jahre 1890 wurde das alte Fährhaus Kötitz errichtet. Der Zahn der Zeit und zahlreiche Elbehochwasser setzten dem Gebäude arg zu. Bei schönem Wetter können Besucher im Fährhaus die Elbe, das gegenüberliegende Ufer und das Fährschiff durch eine Camera obscura betrachten (nur nach Voranmeldung unter cameraobscura@coswig.de).
Übrigens ist der Ortsteil Kötitz vor allem im Sommer ein beliebtes Ziel der Coswiger. Denn das 21 Hektar große Areal „Badesee Coswig-Kötitz“ lockt zum Badespaß. Und das in wunderbarer Kombination: Hier kann man sowohl im natürlichen See schwimmen als auch in Schwimm- und Erlebnisbecken mit Riesenrutsche und Wasserpilz baden gehen. Dazu gibt es große Liegewiesen und Sportplätze. Der Ufer- bzw. Feldweg an der Elbe bringt Sie hin.
Zurück zum Bahnhof geht es auf dem gleichen Weg. Etwas müde vom Laufen? Dann steigen Sie an der Haltestelle „Coswig Kötitz Gasthaus“ doch in den Bus der Linie 400 und fahren fünf Minuten bis zum Bahnhof.
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Coswig(b.Dresden)Bahnhofstr.
01640 Coswig