Bahnhofstr. 13
99867 Gotha
Ein Stadtspaziergang
Ein Stadtrundgang für Familien und Kulturliebhaber
Unser Tipp: Bitte prüfen Sie vor Fahrtantritt Ihre Zugverbindung und die erwartete Auslastung.
Zwischen prächtigen Verwaltungsbauten entlang der Bahnhofstraße sticht das Haus Nr. 3a besonders hervor. Es erinnert daran, dass Gotha eine Wiege des modernen Versicherungswesens war. Hier wurden 1820 eine Feuerversicherungsbank und 1827 eine Lebensversicherungsbank gegründet. Zu verdanken ist das vor allem Ernst Wilhelm Arnoldi (1778–1841). Der Gothaer Kaufmannssohn professionalisierte das Versicherungswesen im 19. Jahrhundert und machte Statistiken, Mathematik und medizinische Untersuchungen zum Standard bei der Lebensversicherung. Das 1894 im pompösen Stil der Kaiserjahre erbaute Gebäude in der Bahnhofstraße war Sitz der Gothaer Lebensversicherungsbank. Aus ihr und der Feuerversicherungsbank ging ein noch heute bestehender Versicherungskonzern hervor. Eine Ausstellung zur Versicherungsgeschichte ist in sehenswerten historischen Sitzungsräumen sowie im Foyer des heutigen Thüringer Finanzgerichts und Sozialgerichts untergebracht.
Weiter geht es entlang der Bahnhofstraße bis zur Kreuzung mit der Parkallee. Sie teilt den südlichen Teil des Schlossparks mit dem Großen Parkteich und den nördlichen mit dem Schlossensemble. Hier fällt ein trutziger Sandsteinbau ins Auge, der ehemalige Marstall. Er wurde 1848 erbaut, diente bis 1997 als Reithalle. Die Bahnhofstraße geht hier in die Friedrichstraße über und führt direkt zur Orangerieanlage, eine der größten ihrer Art in Deutschland.
Auf der rechten Straßenseite steht Schloss Friedrichsthal, das mit den Orangeriegebäuden zu einer geschlossenen Anlage gehört. Das Barockschloss wurde um 1710 als Sommerpalais nach Versailler Vorbild errichtet.
Die Orangerie Gotha gilt als eine der größten und schönsten barocken Orangerieanlagen im deutschsprachigen Raum. Die Ursprünge gehen bis auf das Jahr 1711 zurück. Der Orangeriegarten ist von Frühling bis Herbst durch seine üppige Bepflanzung nach historischen Vorbildern eine Augenweide. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts galt die Gothaer Orangerie dank ihres reichen Pflanzenbestandes und ihrer ursprünglich vier Glasgebäude als unübertroffen. Seit 1995 präsentiert sich die Gartenanlage in dem um 1900 herrschenden Zustand. Sie ist im Jahr 2021 ein Außenstandort der Erfurter BUGA. Nach und nach kommen immer neue subtropische Pflanzen hinzu, die im nördlichen Glashaus überwintern. Die Orangerie ist Teil des weiträumigen Stadtparks, der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts schrittweise angelegt wurde. Er besitzt neben dem großen Baumbestand zwei Parkteiche. Ein Kleinod im Park ist das Teeschlösschen auf einer Anhöhe.
Die Gartenanlage ist ganzjährig zugänglich, Führungen auf Anfrage. Das Lorbeerhaus und das Orangenhaus sind ausschließlich zu Veranstaltungen geöffnet. Das Nördliche Treibhaus wird ausschließlich für Sonderführungen, z.B. zur Kamelienblüte, geöffnet.
Folgen Sie weiter der Friedrichstraße bis zum Arnoldiplatz (siehe POI 1) und biegen Sie dort in die Erfurter Straße ein. Sie befinden sich nun in der östlichen Altstadt. Sie folgt einer wichtigen mittelalterlichen Handelsroute und die heute Gothas Einkaufs- und Bummelmeile ist. Dieser Teil der Altstadt wird von der Margarethenkirche dominiert. Die spätgotische Hallenkirche mit ihrem 60 Meter hohen Turm am Neumarkt wurde um 1500 errichtet. Die evangelische Stadtkirche ist mit einer Schuke-Orgel ausgestattet und wird oft für Konzerte genutzt. Von der belebten Marktstraße zweigt die Straße zum romantischen Buttermarkt ab. Spätestens hier ist Gelegenheit zu einer gemütlichen Pause.
Extra-Tipp: Nur wenige Schritte vom Buttermarkt entfernt befindet sich das KunstForum Hannah Höch Gotha. In wechselnden Ausstellungen wird hier zeitgenössische Kunst, besonders von regionalen Kunstschaffenden, gezeigt.
Das bunte Treiben am Hauptmarkt – einem historischen Gebäudeensemble – wird vom alten Rathaus beherrscht. Das Gebäude teilt den oberen vom unteren Hauptmarkt. Der Turm auf der Südseite ist zugänglich und bietet von seiner 23 Meter hohen Plattform einen herrlichen Blick auf Schloss, Wasserkunst und das gesamte Stadtgebiet. Die nördliche Giebelseite des Rathauses zählt zu den schönsten Renaissancefassaden in Mitteldeutschland. Das Rathaus wurde 1567 als Kaufhaus mit einer Ladenseite errichtet. Es diente Ernst dem Frommen in seinen ersten Regierungsjahren als Residenz und wurde nach dem großen Stadtbrand von 1665 zum Rathaus umgebaut. Heute ist es Sitz der Stadtverwaltung Gothas.
Die Besichtigung des Rathausturms ist jährlich vom 1. April bis 31. Oktober von 11 bis 18 Uhr möglich. Der Eintritt beträgt 0,50 €.
Entlang der Wasserkunst mit ihren Wasserspielen und Blumenrabatten gehen Sie den Schlossberg hinauf. Gespeist wird dieses Wasserwunderwerk durch den 650 Jahre alten Leinakanal. Das nächste Ziel des Rundganges ist das Schloss Friedenstein, das sich zur Stadt hin mit einem gewaltigen Gebäuderiegel sehr „zugeknöpft“ zeigt. Genießen Sie vom Vorplatz aus den grandiosen Ausblick auf Gotha. Unterhalb des Schlosses steht seit 1904 ein Denkmal für dessen Bauherren, Herzog Ernst I. von Sachsen-Gotha. Er war es, der sich auf der Anhöhe vom Magdeburger Festungsbaumeister Andreas Rudolphi abseits des städtischen Gewimmels eine eigene Welt erschaffen ließ.
Das trutzige Schloss Friedenstein ist das eindrucksvolle Zeugnis der Kunst des nach dem Dreißigjährigen Krieg neubegründeten Herzogtums Sachsen-Gotha. Gebaut wurde die größte Schlossanlage Thüringens, die sowohl Züge eines Schlosses im Stile des Frühbarock wie auch einer Festung trägt. Herzog Ernst I. zeigte mit der Wahl des Schlossnamens seine tiefe Religiosität, die ihm den Beinamen „der Fromme“ einbrachte. Bedeutende Künstler und berühmte Handwerker hinterließen in Gotha ihre Spuren. Sie sorgten dafür, dass Schloss Friedenstein zu den herausragenden Architekturen des 17. Jahrhunderts zählt.
Die Einrichtungen und Sammlungen auf dem Schloss präsentieren sich gemeinsam als „Barockes Universum Gotha“. Sie werden Besuchern in drei Museen gezeigt – dem Schlossmuseum, dem Historischen Museum und dem Museum der Natur. Das Schlossmuseum nutzt derzeit 38 Ausstellungsräume, die sich über den Haupt- und westlichen Seitenflügel erstrecken. Einbezogen sind die prachtvoll ausgestatteten Wohn- und Repräsentationsräume aus Barock, Rokoko und Klassizismus, die sich über vier herzogliche Appartements erstrecken. In dieser prachtvollen Kulisse werden die Bestände einer über 350-jährigen Sammlungstradition präsentiert.
Im Westflügel befindet sich das Museum für Regionalgeschichte und Volkskunst, das wohl bedeutendste Geschichtsmuseum Thüringens, die Schlosskirche sowie die Forschungs- und Landesbibliothek Gotha. Die Forschungsbibliothek bewahrt mehr als 700.000 gedruckte Werke, darunter etwa 350.000 Drucke des 16. bis 19. Jahrhunderts.
Eine besondere Sehenswürdigkeit ist das im Westturm befindliche Ekhof-Theater, das älteste Barocktheater der Welt samt noch funktionierender Bühnenmaschinerie mit Schnellverwandlungsmechanik. Sein Name erinnert an Conrad Ekhof, den zu Unrecht fast vergessenen „Vater der deutschen Schauspielkunst“, ein Zeitgenosse Goethes. An dieser Bühne wirkte auch sein berühmter Schüler August Wilhelm Iffland. Aufführungen finden alljährlich im Sommer im Rahmen des Ekhof-Festivals statt.
Nach dem Besuch des Schlosses Friedenstein geht es erneut durch den Park, der südlich des Schlosses als Englischer Garten angelegt ist. Unter den Wegen des Schlossgartens verbergen sich über 350 Jahre alte Verteidigungsanlagen, die Kasematten. Hier herrscht eine konstante Jahrestemperatur von 8 Grad Celsius. Sie sind seit wenigen Jahren im Rahmen von Führungen zu besichtigen: April – Oktober täglich 13 und 15 Uhr und November – März täglich 13 Uhr (Kontakt & Buchung: Gotha adelt – Tourist-Information, Telefon: 03621 510450, www.gotha-adelt.de/kasematten-gotha/)
Das Herzogliche Museum wurde zwischen 1864 und 1879 im Stil der Neorenaissance errichtet und 2013 neu eröffnet. Es zeigt die Kunstsammlung der Herzöge von Sachsen-Gotha mit ägyptischen und griechisch-römischen Antiken, Malerei der Renaissance, ostasiatischer Kunst aus China und Japan sowie Skulpturen aus verschiedenen Epochen. Hinzu kommenden Ausstellungen zu wechselnden Themen. Ein Meisterwerk der Ausstellung ist das Gothaer Liebespaar, ein Gemälde der Vor-Dürer-Zeit vor 1480.
Zu den Höhepunkten zählen die niederländischen und deutschen Meister mit Werken von Peter Paul Rubens, Jan van Goyen, Lucas Cranach dem Älteren und Caspar David Friedrich. Ins rechte Licht gerückt sind auch Bildwerke von Conrad Veit und Adriaen de Vries, vor allem aber die Skulpturen Jean-Antoine Houdons. Bemerkenswert sind ferner die keramischen Sammlungen, darunter Böttgersteinzeug und Meissener Porzellan des 18. Jahrhunderts.
Der Rückweg führt vorbei am Großen Parkteich mit seiner romantischen Insel zurück zum Bahnhof.
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Gotha, HauptbahnhofBahnhofstr. 13
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