Friedensreich-Hundertwasser-Platz 1
29525 Uelzen
Auf künstlerischer Spurensuche durch Uelzen
Ein Stadtrundgang für Kurztrip, Familien, Kulturliebhaber und Geniesser
Unser Tipp: Bitte prüfen Sie vor Fahrtantritt Ihre Zugverbindung und die erwartete Auslastung.
In Uelzen steht einer der schönsten Bahnhöfe der Welt. Das 1887 errichtete Bahnhofgebäude wurde zur Weltausstellung EXPO 2000 nach Plänen von Friedensreich Hundertwasser umgebaut. Aus dem durch viele Anbauten verschandelten Gebäude schuf der im Jahr 2000 verstorbene weltbekannte Künstler und Ökologe einen Umwelt- und Kulturbahnhof. Schon von der Ferne fallen die bunten Säulen und goldenen Kugeln ins Auge. Auf den zweiten Blick findet man Elemente der Hundertwasser Architektur, die für eine umweltverträgliche Bauweise werben. Dazu gehört die vielfältige Form der Dachbegrünungen. Auf dem Bahnhofsdach produziert eine große PV-Anlage Solarstrom und zeigt, dass die Gewinnung erneuerbarer Energie und naturgerechtes Bauen miteinander harmonieren. Das Bahnhofsinnere lockt mit farbenfroher Keramik, einem Brunnen und der besonderen Atmosphäre eines einzigartigen Architekturprojektes. Die Initiatoren des Hundertwasserbahnhofs betreiben im Bahnhof einen Projektladen. Hier können sich Besucher über die Geschichte des Bahnhofs informieren und viel über den Künstler und seine Ideen zum Schutz der Umwelt erfahren. Kunstdrucke können vor Ort erworben werden.
Der Verein bietet Führungen an. Informationen unter www.hundertwasserbahnhof.de oder Telefon: 0178 3753230
Vom Bahnhofsvorplatz folgen Sie der Straße Friedensreich-Hundertwasser-Platz bis zur Ampel. Dort stehen Sie bereits vor der nächsten Sehenswürdigkeit. Der Kunstpfad „Weg der Steine“ beginnt hier und wird Sie auf Ihrem Weg bis zum Herzogenplatz begleiten.
21 großformatige Felsen bilden den „Weg der Steine“, der vom Bahnhof in die Innenstadt führt. Mit den eindrucksvollen Granitblöcken hat die Deutsch-Schwedin und ehemalige Uelzenerin Dagmar Glemme ihrer Heimatstadt ein ganz persönliches Denkmal gesetzt. Auf dem kunterbunt gestalteten Kunstpfad finden sich Fabelwesen, Symbole des Schamanentums oder Sagen und Mythologien alter Völker wieder. 2008 erfolgte die Aufstellung der frisch bemalten Felsen. Den Beginn des Kunstwerks am Friedensreich-Hundertwasser-Platz setzt der „Stein der Flora“, der an die phantastischen Traumbilder des Malers Marc Chagall erinnert. Mit dem „Stein der Weisheit“ und vier Steinsesseln, die die Elemente symbolisieren, endet der Weg auf dem Herzogenplatz.
Die Stadt- und Touristinformation der Hansestadt Uelzen bietet Führungen und eine Broschüre zum „Weg der Steine“ an.
Vom „Stein der Flora“ biegen Sie links ab in die Bahnhofsstraße und erreichen nach wenigen Gehminuten Uelzens Altstadt. Sobald Sie die Turmstraße und Rosenmauer überquert haben, stehen Sie an der Stelle, wo einst das mittelalterliche Uelzen begann. Ein Stück weiter auf der rechten Seite der Bahnhofstraße, in der Nr. 42, begrüßt Sie das urige Fachwerkhaus der Alten Ratsweinhandlung. Wo heute Liebhaber edler Tropfen fündig werden, verbrachten schon die Ratsleute um 1500 bei Wein ihren Feierabend. Bevor Sie rechts in die Veerßer Straße in Richtung Altes Rathaus einbiegen, lohnt ein kurzer Abstecher in die linkerhand abzweigende Lüneburger Straße. Hier reihen sich gleich zu Beginn mehrere hübsche Altstadthäuser aus der Zeit nach 1646 aneinander. In den Giebel-Balken der Fachwerkfassaden können Sie noch heute Abbildungen und Sprüche der einstigen Eigentümer entdecken.
Bis ins 14. Jahrhundert reicht die Geschichte des Alten Rathauses, das zu den Schmuckstücken der Hansestadt gehört. Nachdem das erste Uelzener Rathaus abgebrannt war, wurde 1347 ein neues Gebäude an der gleichen Stelle errichtet. Seitdem erlebte das Alte Rathaus mehrere Umbauten und Restaurierungsmaßnahmen, zuletzt im Jahr 2015. Bis ins 19. Jahrhundert befand sich im Erdgeschoss das so genannte Untergericht, das kleinere Strafsachen verhandelte, und im Obergeschoss das Obergericht mit Bürgermeistern und Ratsherren, die hier bis 1547 sogar über Hinrichtungen entschieden. Vor dem Bezug der neuen Räumlichkeiten am Herzogenplatz 1997 diente das alte Gebäude noch als Rathaus der Stadt. Heute beherbergt der stattliche Bau die Kreisvolkshochschule sowie ein Café. An der Südfassade erinnert ein Bronzerelief an den Komponisten Friedrich Kuhlau, der 1786 in Uelzen geboren wurde und 1832 als dänischer Hofkompositeur starb. Im Innern ist ein geschnitztes Stadtwappen von 1591 erhalten geblieben.
Das Café Hansemocca mit hauseigener Röstung bietet einen Einblick ins Innere des Alten Rathauses.
Biegen Sie von der Veerßer Straße hinter dem Alten Rathaus rechts Richtung Kirchplatz ein. Dort finden Sie auch ein öffentliches Toilettenhaus vor, das seitlich im Alten Rathaus untergebracht ist.
Kaum ein Altstadt-Flaneur kommt um einen Besuch der Bronzefigur herum, die der Bildhauer Karl-Heinz Goedtke aus Mölln 1967 schuf. Mit dem „Uhlenköper“ ehrt die Stadt Uelzen ihren berühmtesten Schelm, Peter Wulf, der Mitte des 19. Jahrhunderts dem Kaufmann Böning mit schlauer List einen Sack voller Eulen statt Hähne unterjubelte. So verstand der Kaufmann "Barkhahns" – Birkhähne – statt "Barftgahns", zu hochdeutsch Barfußgänger, als ihm die zappelnde Ware ungesehen angeboten wurde. Erbost über den Schwindel zeigte der Kaufmann den Bauern an, dieser erklärte aber in der Verhandlung, er habe keine "Barkhahns" sondern "Barftgaans" verkauft. Niemand könne bestreiten, dass Eulen barfuß gingen. Da lachte der Richter und gab dem Bauern Recht. Von den Uelzenern erntete der Kaufmann Böning reichlich Spott. Und weil die Geschichte auch über Uelzens Grenzen hinaus bekannt wurde, haben sich die Einwohner den Spitznamen „Uhlenköper“ – Eulenkäufer, eingehandelt. Dass Uelzener wie Touristen die Skulptur bis heute mit einem Aberglauben verbinden, sieht man am mittlerweile blank geriebenen Taler in Böhings Hand. Es heißt, wer den Taler berührt und dabei seine Münzen in der Tasche schüttelt, erleidet niemals finanzielle Not.
Den Kirchplatz weiter hoch kommen Sie zum Eingangsportal von St. Marien in der Pastorenstraße. Wo sich früher der Friedhof befand, laden heute Bänke zu einem ruhigen Päuschen ein. Jedes Jahr im Frühsommer findet hier zwei Wochen lang der allseits beliebte Weinmarkt statt.
Informationen zum Weinmarkt unter www.tourismus-uelzen.de oder per Telefon 0581 8006172
Mit ihrem 86 Meter hohen Kirchturm erhebt sich die St.-Marien-Kirche mächtig über die Uelzener Innenstadt. St. Marien gilt als eine der ältesten und schönsten Kirchen des Uelzener Landkreises und ist im Stil der nordischen Backsteingotik errichtet. Bereits 1292 weihte und erhob man den imposanten Hallenkirchbau zur Pfarrkirche, um 1400 waren die Bauarbeiten abgeschlossen. Ein besonders kostbarer Besitz von St. Marien ist das Goldene Schiff in einer Nische im Eingangsbereich der Kirche. Aus vergoldetem Kupferblech und mit bunt glitzernden Halbedelsteinen besetzt ist das einzigartige Werk das heutige Wahrzeichen der Stadt. Ein Rätsel bleibt jedoch bis heute sein Alter wie auch seine Herkunft. Vermutlich diente das Schiffchen als Tafelaufsatz und gelangte zur Zeit der Hanse nach Uelzen. Zu den besonderen Kunstschätzen der Stadt gehört ohne Zweifel auch die Barockorgel von 1756. Im Sommerhalbjahr erklingen jeden Mittwoch um 12 Uhr die Pfeifen der größten Orgel der Lüneburger Heide. Beeindruckend präsentiert sich der goldverzierte Annen-Altar in der Ellendorfkapelle von 1506.
Turmbesteigung mit Führung in der Saison: Bitte im Kirchenbüro erfragen, Pastorenstr. 2, Tel.: 0581 5115
Wenn Sie die Kirche verlassen, fällt Ihnen die imposante Backsteinfassade der Probstei ins Auge. Zweimal wurde der Bau von 1292 im Laufe der Jahrhunderte zerstört und wieder aufgebaut, die Gebäudefront blieb jedoch erhalten. Bis heute ist die Probstei Wohn- und Amtssitz der Kirchenoberhäupter der Stadt. Von dort aus gehen Sie links einmal um die Kirche herum und biegen rechts in die Veerßer Straße ein.
Was heute als Gaststätte dient, gehörte einst zu den schönsten Bürgerhäusern der Stadt: das Gildehaus in der Veerßer Straße 18. Um 1300 setzte in Uelzen ein regelrechter Bauboom ein, und neben Kirchbauten entstanden auch zahlreiche Wohnhäuser, mit denen Handwerker und Kaufleute stolz ihren Wohlstand zur Schau stellten. Fast alle Uelzener Bürgerhäuser wurden 1646 bei einem Großbrand zerstört. Nur das Gildehaus blieb als stiller Zeuge jener glanzvollen Zeit erhalten. Die glasierten Ziegel und das Rankenwerk seiner Fassade vermitteln bis heute einen Eindruck davon, wie aufwendig die vielen gotischen Giebel-Häuser einst gestaltet waren. Über die Jahrhunderte hinweg wechselte das Gildehaus mehrmals seine Besitzer. Aktuell ist in dem mittelalterlichen Wohnhaus das Restaurant „Gildehaus“ der Familie Hannemann untergebracht.
Wenn Sie die Veerßer Straße einige Meter weiter geradeaus gehen, kommen Sie auf den Herzogenplatz. Hier endet der „Weg der Steine“ wie auch unsere Tour. Die vier Steinsessel auf der angrenzenden Grünfläche laden zu einer Rast ein, bevor Sie Ihren Rückweg antreten. Zum Bahnhof gelangen Sie, wenn Sie die Veerßer Straße ein Stück zurück in Richtung Marienkirche gehen und links in die Turmstraße einbiegen. An der nächsten Kreuzung, Ecke Pastorenstraße, sind Reste der alten Stadtmauer erhalten, die Uelzen einst auf einer Länge von 1,3 Kilometern umgab. Weiter geradeaus biegen Sie wieder nach links in die Bahnhofstraße ein und folgen dieser, bis Sie hinter der Unterführung wieder rechts zum Hundertwasser-Bahnhof gelangen.
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Bahnhof UelzenFriedensreich-Hundertwasser-Platz 1
29525 Uelzen