Karl-Marx-Straße 1
16816 Neuruppin
Ein Stadtrundgang für Barrierefrei, Naturliebhaber und Kulturliebhaber
Unser Tipp: Bitte prüfen Sie vor Fahrtantritt Ihre Zugverbindung und die erwartete Auslastung.
Zu Recht zieht die Kuppel der St. Marienkirche aus dem Jahr 1806 viele Blicke auf sich. Nach zehnjähriger Restaurierung wurde die Kirche 2002 als Kulturzentrum und Konzerthalle wiedereröffnet. Am anderen Ende des Kirchplatzes steht ein Denkmal für den Baumeister Karl Friedrich Schinkel in Bronze und voller Lebensgröße. An der gleichen Stelle war sein Geburtshaus, dass dem großen Stadtbrand 1787 zum Opfer fiel.
Der Weg quer über den Platz ist mit wassergebundener Decke befestigt, an manchen Stellen ist die Oberfläche wegen Steinen etwas holperig. Am Zebrastreifen über die Friedrich-Engels-Straße sind taktile Aufmerksamkeitsfelder angebracht.
Wenden Sie sich der Fischbänkenstraße zu, die zum Neuen Markt führt. Nach ca. 30 Metern lädt eine weit geöffnete Toreinfahrt auf der rechten Seite in den Innenhof ein. Wir haben Gelegenheit, das Konzept von Wohnen und Arbeiten im alten Neuruppin zu erleben. Im Museumshof mit der Altstadtdruckerei und dem Altstadt-Lädchen kann man mit dem Siebdruck eine traditionelle Drucktechnik erleben und ein T-Shirt mit einem Aufdruck versehen. Das Hofcafé „Schinkel“ bittet in der warmen Jahreszeit zu Tisch.
Der einstige Fisch- und Wochenmarkt wurde ebenfalls als Paradeplatz und Richtstätte mit Galgen genutzt. Nun ist der Neue Markt mit einem Kinderspielplatz unweit vom Ruppiner See versehen.
Nur wenige Häuser und Gebäude in Neuruppin haben den Stadtbrand von 1787 überstanden, einige davon stehen rund um den Neuen Markt. Das Predigerwitwenhaus, ein Fachwerkbau aus dem Jahr 1736, ist eins davon. Karl-Friedrich Schinkel verbrachte dort sieben Jahre seiner Kindheit, nachdem sich sein Vater, ein evangelischer Geistlicher, beim Stadtbrand eine Lungenentzündung zuzog und daran starb.
Biegen Sie nun nach rechts in die Siechenstraße ein. Eigentlich ist es eine Gasse, die für ein paar hundert Meter einen Eindruck vom mittelalterlichen Neuruppin vermittelt. Betreten Sie einen lebendigen Hof zwischen dem malerischen Up Hus aus dem Jahr 1692 – heute ein uriges Restaurant – und der Siechenhauskapelle St. Laurentius, die als kleine Konzerthalle dient. Entlang der Siechenstraße folgen weitere historische Häuser.
Die ca. 100 Meter lange Strecke durch die Siechenstraße ist mit geschnittenem Kopfsteinpflaster befestigt, der Hof mit Granitpflastersteinen. Zum urigen Restaurant führt eine Stufe, die Terrasse ist stufenlos nutzbar.
Schon von weitem kann man das Wahrzeichen der Fontanestadt Neuruppin - die Klosterkirche St. Trinitatis am Ruppiner See mit ihren Doppeltürmen sehen.
Schon Theodor Fontane beschrieb Sie mit dem Zitat: „[…] die sich an der Ostseite der Stadt in unmittelbarer Nähe des Sees erhebt und das einzige Gebäude von Bedeutung ist, das bei dem mehrerwähnten großen Brande verschont blieb“ und widmete ihr einen Absatz in seinen Wanderungen, Kap. 9.
1246 gründete Gebhard von Arnstein hier ein Dominikanerkloster - das erste Kloster der Dominikanermönche auf dem Gebiet der späteren Mark Brandenburg. Zur gleichen Zeit begann auch der Bau der Kirche, die später durch die Errichtung einer Hallenkirche ergänzt wurde. 1517 verlor das Kloster durch die Reformation seine Funktion und wurde abgerissen. Die Kirche blieb jedoch erhalten und wurde von 1836 bis 1841 nach den Plänen des Baumeisters Karl Friedrich Schinkel umfangreich restauriert. Die ca. 63 Meter hohen Türme kamen erst 1907 hinzu und können bei einer Nachtwanderung mit Pater Wichmann bestiegen werden. Bruder Wichmann war der erste Prior des Dominikanerklosters.
Direkt an der Stadtmauer, zwischen Kirche und Ruppiner See, steht die über 700 Jahre alte Wichmannlinde. An dieser Stelle soll Pater Wichmann mit einem Schatz begraben sein - meint die Legende.
Der Zugang zum Kirchenschiff erfolgt über eine Türschwelle von 8 Zentimetern, ansonsten können mobile Rampen weitere Stufen überbrücken, auch zum Chorraum. Der Zugang zu den Kirchtürmen ist nur über Stufen möglich. Der Höhenunterschied hinunter zur Seepromenade kann über einen ca. 30 Meter langen abschüssigen Weg aus Granitpflastersteinen bewältigt werden. Hier empfiehlt sich eine Schiebehilfe für Rollstuhlnutzer.
Die Seepromenade und damit ein Höhepunkt des Stadtbummels ist erreicht. Links sehen Sie das „Resort Mark Brandenburg“ mit der Fontane-Therme. Dann der Schiffsanleger für die Fahrgastschifffahrt, der größte Neuruppiner namens „Parzival am See“ und die breite Uferpromenade.
Durch eine Öffnung in der Stadtmauer gelangen Sie nach einem kurzen Abstecher nach links in die Erich-Mühsam-Straße, in die wir nach rechts einbiegen. Für den Aufstieg von der Uferpromenade zur Erich-Mühsam-Straße muss eine Steigung bewältigt werden, auch hier empfiehlt sich eine Schiebehilfe für Rollstuhlnutzer.
An der Ecke zur Bergstraße stehen Fachwerkhäuser aus der Zeit vor dem Stadtbrand. Sie boten einst verheirateten Soldaten mit ihren Familien Quartier. „Unbeweibte“ lebten als Untermieter in den Bürgerhäusern. An zwei Kreuzungen müssen kurze Kopfsteinpflasterabschnitte überwunden werden, ansonsten ist der Weg mit ebenen Granitplatten gut nutzbar. Der Weg kreuzt die Friedrich-Engels-Straße und führt am Rosengarten vorbei ins Stadtzentrum. Am Rand des Schulplatzes erinnert eine kleine Kopfbüste an einen weiteren Großen aus Neuruppin: Gustav Kühn, der die Neuruppiner Bilderbogen weltberühmt machte. Seine Druckerei steht in der Nähe.
Nachdem Sie das historische Neuruppin fast einmal ganz von Süden nach Norden durchschritten haben, stehen Sie in der August-Bebel-Straße vor dem 1791 erbauten Noeldechen-Haus. Der Haupteingang des Museums hat fünf Stufen, der barrierefreie Seiteneingang ist ausgeschildert, der Weg dorthin eben gepflastert.
Das 1791 erbaute Noeldchen-Haus wurde 2014 um einen modernen Anbau erweitert, der seit Januar 2015 für Besucher zugänglich ist. Auf einer Fläche von ca. 800 qm präsentiert das Museum die Ur- und Frühgeschichte im Ruppiner Land sowie die Geschichte der Stadt Neuruppin von ihrer Gründung bis zur Gegenwart. Dabei widmet sie sich auch Neuruppiner Persönlichkeiten wie dem Architekten Karl Friedrich Schinkel und Theodor Fontane. Darüber hinaus sind Werke des Orientmalers Wilhelm Gentz ausgestellt sowie die berühmten Neuruppiner Bilderbogen, die die Stadt im 19. Jahrhundert weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt machten.
Innerhalb der Dauerausstellung erhält der Besucher in 20 Hörstationen Einblick in die Gedanken Theodor Fontanes. Gedanken und Eindrücke rund um Neuruppin, die Sammlung des damaligen Museums, Zeitgenossen oder gar Beschreibungen der Ruppiner Schweiz geben Einblicke in das 19. Jahrhundert. Dazu leiht der renommierte Theater- und Filmschauspieler Burghard Klaußner dem brandenburgischen Dichter seine Stimme.
Der benachbarte Tempelgarten ist in das Gesamtkonzept des Museums miteinbezogen und bietet die Möglichkeit, den Museumsbesuch mit einem Spaziergang auf den Spuren des Kronprinzen Friedrich abzurunden.
Von der Rückseite des Museums aus gelangen Sie durch eine kleine Pforte in den Tempelgarten. Der erste friderizianische Garten – vor Rheinsberg und Sanssouci – fügt sich nahtlos an den Museumsbesuch an. Der Zugang vom Tempelgarten vom Museumsanbau aus erfolgt über eine kleine Schwelle, der Haupteingang von der Präsidentenstraße ist stufenlos nutzbar. Die Wege im Tempelgarten sind mit wassergebundener Decke befestigt und bei trockener Witterung gut berollbar.
Der Tempelgarten ist ein Ort von großer historischer Bedeutung, denn hier schuf sich Kronprinz Friedrich, der spätere Friedrich der Große, einen Ort für Geselligkeit, zum Musizieren, für Gespräche im Freundeskreis und für den eigenen Anbau von Obst und Gemüse. Der Apollotempel ist das Erstlingswerk von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff.
Von Theodor Fontane wurden die Wallanlagen wie folgt beschrieben:
„Um die Stadt her, zwischen dem Rheinsberger und dem Tempeltor, zieht sich der mehrgenannte »Wall«, ein Überrest mittelalterlicher Befestigungen, jetzt eine mit alten Eichen und jungem Nachwuchs dicht bestandene Promenade der Ruppiner.“.
Die Kaufmannsfamilie Gentz hat die Anlage Mitte des 19. Jahrhunderts umgestaltet und den Apollotempel als Verehrungsstätte eingerichtet. Der Architekt Carl von Diebitsch umgab den Garten mit orientalistisch geprägten Bauwerken. Seitdem steht der Garten der Öffentlichkeit zur Verfügung und wird gern als Refugium für Augenblicke der Ruhe und als Schauplatz für kulturelle Veranstaltungen genutzt.
Der Eintritt in die Gartenanlage ist kostenfrei. Bei Veranstaltungen kann ein Eintrittsentgelt erhoben werden.
Der Tempelgarten entstand auf den mittelalterlichen Wallanlagen, die sich heute noch als Grünzug um die Stadt ziehen. Dieser Grüngürtel führt Sie zum Fontane-Denkmal. Der Dichter sitzt lebensecht auf einer steinernen Bank, hat den Wanderstock beiseite gelegt, die Beine übereinandergeschlagen und hält den Stift schreibbereit in der Hand. Das 1907 eingeweihte Denkmal schuf Max Wiese. Die Wege in den Wallanlagen sind mit wassergebundener Decke befestigt und bei trockener Witterung gut berollbar.
Die Karl-Marx-Straße führt Sie nun quer durch die historische Innenstadt von Neuruppin. Dabei kommen Sie an den drei großen Plätzen vorbei, die nach dem Stadtbrand angelegt wurden: dem Braschplatz, dem Schulplatz und dem Kirchplatz (den Sie bereits kennengelernt haben).
Der Schulplatz ist der zentrale Ort in Neuruppin. Das langgestreckte Gebäude, das ihn wie ein Schloss begrenzt, ist das Alte Gymnasium. Als es 1790 erbaut wurde, standen die Ideen der Aufklärung Pate. So wurde dort, wo Fremde eine Residenz erwarten, eine Schule errichtet. Theodor Fontane gehörte zu den Zöglingen. Doch ganz ohne König geht es auch in Neuruppin nicht: Gegenüber dem Alten Gymnasium steht das Denkmal für Friedrich Wilhelm II. Damit ehrten die Neuruppiner den Preußenkönig für seine Finanzhilfe beim Wiederaufbau. Das Fontane-Haus ist die letzte Station unseres Rundgangs.
Das Geburtshaus von Theodor Fontane mit der Löwenapotheke ist ein magischer Ort für viele Besucher Neuruppins. Fontanes Vater hatte das Haus und die Apotheke 1819 günstig erworben und war mit der Familie in die märkische Kleinstadt gezogen. Dort wurde Theodor Fontane kurz darauf am 30. Dezember 1819 geboren. Als Apotheker gehörte der Vater zu den Honoratioren der Stadt. In seinen Kindererinnerungen schrieb Fontane später: „Der Bilderbogen-Gustav-Kühn und der Maler Wilhelm Gentz waren meine Spielgenossen“. Lange hielt das Glück der Familie Fontane in Neuruppin leider nicht an, denn obwohl der Vater Louis Henry Fontane als charmanter Plauderer allseits beliebt war, hatte er einen Fehler: seine Spielsucht. Nachdem er sein ganzes Vermögen innerhalb von sieben Jahren verspielt hatte, musste er das Haus verkaufen und die Familie siedelte nach Swinemünde über.
Das Fontane-Haus ist ein für Neuruppin typisches Haus mit seinen zwei Stockwerken und dem Hof. Es entstand nach dem Stadtbrand von 1787 im Zuge des Wiederaufbaus der Stadt. Die Familie Fontane wohnte in der ersten Etage.
Noch heute steht die Apotheke, mit dem goldenen Löwen an der Fassade, seinen Kunden zu Diensten. Das Haus befindet sich in Privatbesitz und kann nicht besichtigt werden. Der Maler und Grafiker Robert Werner Wagner hat hier ein kreatives Heim gefunden. Sie sollten jedoch einen Blick in die Schaufenster der Löwenapotheke werfen, denn hier gibt es zahlreiche Informationen zu Theodor Fontane.
Die Karl-Marx-Straße führt geradewegs zurück zum Bahnhof.
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Neuruppin Rheinsberger TorKarl-Marx-Straße 1
16816 Neuruppin