Bahnhofsallee
02977 Hoyerswerda
Ein Stadtrundgang für Familien, Kulturliebhaber und Entdecker
Unser Tipp: Bitte prüfen Sie vor Fahrtantritt Ihre Zugverbindung und die erwartete Auslastung.
In den 1950er Jahren ist Jürgen von Woyski ähnlich wie seine schreibende Künstler-Kollegin Brigitte Reimann dem Ruf, als Künstler für die neu entstehende Stadt Hoyerswerda zu arbeiten, gefolgt. Die Stadt wuchs rasant und bot Jürgen von Woyski ein großes Spielfeld, der der Stadt über die Jahre seinen gestalterischen Stempel aufdrückte. Bei den von ihm initiierten Bildhauersymposien konnte jedes Jahr die Entstehung solcher Werke internationaler Künstler hautnah miterlebt werden. Der Jürgen-von-Woyski-Park ist ein kleiner Erholungsort in der Altstadt von Hoyerswerda in der Nähe der Kreuzkirche. Er bietet seinen Besuchern die Möglichkeit zur Entspannung und lädt zum Verweilen ein. Vor allem an heißen Sommertagen spenden seine Bäume einen wohlfühlenden Schatten.
Die Tour führt uns weiter auf der Friedrichsstraße entlang. Kurz hinter der Alten Post zweigt eine kleine Gasse nach links ab. Die „Lange Straße“ ist eine der ältesten Straßen Hoyerswerdas. Sie war bei ihrer Entstehung mit 250 Metern die längste der Stadt und steht heute unter Denkmalschutz.
Folgen Sie nach einem kurzen Blick in die Lange Straße weiter der Friedrichsstraße. Auch hier werden Sie altem Handwerk begegnen. Betreten Sie den Laden der Fleischerei Sinapius und Sie stehen im ältesten Handwerksbetrieb im Kammerbezirk Dresden. Inhaber Frank Sinapius betreibt das Handwerk in der 10. Generation, vor 300 Jahren gründete sein Vorfahre Zacharias Sinapius den Familienbetrieb.
Vielleicht haben Sie sich mit einem Imbiss auf die Hand gestärkt und folgen nun weiter der Friedrichsstraße. Nach wenigen Metern stehen Sie vor der Johanniskirche
Neben dem Schloß zählt die "Stadtkirche" zu den ältesten Gebäuden der Stadt Hoyerswerda. Das genaue Datum lässt sich nicht feststellen, eine Quelle spricht vom Jahr 1346 als Ersterwähnung einer spätgotischen dreischiffigen Hallenkirche, in der fünf Pfeilerpaare ein schönes Sternengewölbe tragen. Nachdem der imposante Bau im Zentrum der Stadt im April 1945 im Zuge eines Artilleriebeschusses bis auf die Grundmauern niederbrannte, gingen auch wertvolle Ausstattungen wie Kanzel, Altar und Gemälde für immer verloren.
Auch wenn das Kirchenschiff bereits Ende der 1950er Jahre wieder aufgebaut wurde und benutzt werden konnte, so konnte erst im Jahr 1985 der Kirchturm rekonstruiert werden. Ein deutsch-sorbischer Schriftzug „Mer budz z tobu - Friede sei mit dir“ auf dem Spitzbogen des Kirchgebäudes weist darauf hin, dass in der Johanniskirche lange Zeit die Gottesdienste in deutscher und wendischer Sprache nacheinander abgehalten wurden. Heute verfügt die Kirche wieder über eine Reihe von Schätzen: einen Renaissance-Flügelaltar von 1581, eine meisterhafte Sandsteintaufe und Sandsteinkanzel und eine dreimanualige Orgel.
Die Kirche ist Teil der Initiative ”Offene Kirche“, es werden zur Zeit aber keine festen Öffnungszeiten garantiert. Kirchenführungen können bei Interesse im Kirchenbüro angefragt werden.
Weiter geht es in gleicher Richtung. Sie überqueren einen kleinen Kanal, es ist ein Arm der Schwarzen Elster. Die Stadt war früher ein kleines Venedig, der sorbische Name Wojerecy (aufgepasst, man spricht: Woojereze) bedeutet soviel wie „eine Stadt mitten im Wasser liegend“. Dieser Kanal hier ist der letzte von ursprünglich sechs, die wie ein Delta mit der Schwarzen Elster verbunden waren.
Gleich dahinter auf der rechten Seite passieren Sie das Stadtcafé Pieprz. Wem bei Sinapius nichts zusagte, der findet hier vielleicht sein kulinarisches Glück.
Einem glücklichen Umstand ist es zu verdanken, dass das Rathaus samt der nördlich am Marktplatz liegenden Häuser die letzten Kriegstage des Zweiten Weltkrieges nahezu heil überstanden. So blieb den Bürgern Hoyerswerdas ein kleines Schmuckstück im Zentrum der Altstadt erhalten. Der denkmalgeschützte Bau mit Renaissancefassade und -portal stammt von 1449 und wird von einer güldenen Rathausuhr gekrönt.
Auf dem Marktplatz begegnen Sie wieder einem Kunstwerk von Jürgen von Woyski. Der Sorbenbrunnen erinnert daran, dass die Gegend um Hoyerswerda viele Jahrhunderte sorbisch geprägt war, lange waren sie die einzigen Bewohner des Gebietes.
Eine der als Sachgesamtheit unter Denkmalschutz gestellten kursächsischen Postmeilensäulen steht ebenfalls auf dem Markt. Seit 1730 steht sie mit kurzen Unterbrechungen dort und ist mit preußischen Meilenangaben versehen.
Nach der Stippvisite auf dem Markt geht es weiter auf der Schlossstraße. Am Ende des großen Parkplatzes steht ein großer graugeputzer Bau – das Bürgerzentrum Braugasse 1.
Um 1880 war ”Härtels Ballhaus“ mit Saal, Kegelbahn und Gaststätte das kulturelle Zentrum der Stadt. Später legte in dem nun zum Gymnasium umfunktionierten Haus unter anderen auch Konrad Zuse sein Abitur ab. Mit der Bevölkerungsexplosion in den 1960er- und 1970er-Jahren und dem damit verbundenen Neubau vieler Schulen wurde das ehemalige Gesellschaftshaus zu einem Pionierhaus umfunktioniert. Heute schließt sich der Kreis – hier trifft sich nun wieder die Kulturszene von Hoyerswerda.
Die KUFA (Kulturfabrik) bietet ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm, von Lesungen über Kabarett- und Theatervorstellungen und Konzerten renommierter Künstlerinnen und Künstler bis zum Kneipenquiz. Auch das Programmkino ”BlowUp“ gehört zur KUFA. Für Kinder und Jugendliche werden außerdem spezielle Projekte und Workshops angeboten wie zum Beispiel das geschichtsorientierte Spurensucher-Projekt.
Seit 2018 befindet sich in der KUFA die ”Gundermann Schaltzentrale“ – ein Infopunkt mit Texten, Videos und Musik des Liedermachers und Rockpoeten Gerhard Gundermann.
Das nächste Ziel der Tour ist schon in Sichtweite. Vor dem Schloss steht wieder eine von-Woyski-Skulptur: der „Trompeter“.
Im Schloss Hoyerswerda können Besucher das Museum neu entdecken. In den interaktiven Dauerausstellungen „ErlebnisReich“ und „LehrReich“ im Stadtmuseum Hoyerswerda sind Mitmachen, Ausprobieren und Forschen angesagt: Hörstationen, Filmausschnitte, Touchscreens und authentische Objekte lassen Geschichte lebendig werden.
Im „ErlebnisReich“ können Familien gemeinsam durch die Zeitepochen wandern – von der Urzeit bis in die Gegenwart. Dabei können Schätze in einer archäologischen Ausgrabungsstätte entdeckt und ein Steinbohrer ausprobiert werden. Kinder können in die Vorratskörbe unserer Vorfahren schauen, einen Stadtbrand löschen und am Schreibtisch der ehemaligen Schlossherrin Katharina von Teschen Platz nehmen.
Im „LehrReich“ wird das Gestern lebendig. Im Zeitraffer erleben Besucher am Beispiel von Hoyerswerda wie viel in nur sieben Jahrzehnten passieren kann. Von den dunklen Zeiten nach dem Zweiten Weltkrieg geht es über die Aufbruchstimmung und den Aufbau der zweiten sozialistischen Wohnstadt und das Wachsen des riesigen Kombinats Schwarze Pumpe zu den Wirren der Wendezeit und schließlich hinein ins Jetzt, das Lausitzer Seenland.
Das „AbwechslungsReich“ präsentiert zusätzlich wechselnde Sonderausstellungen zu vielfältigen Themen rund um Kunst, Kultur und Bildung.
Unterhaltsame Führungen durch die Stadt und zu besonderen historischen Themen sowie bunte Erlebnis- und Bildungsangebote finden Jahr für Jahr ein begeistertes Publikum. Besonders beliebt bei Kindern sind die Themengeburtstage.
Das Schloss & Stadtmuseum Hoyerswerda ist das älteste Gebäude der Stadt und seine Geschichte reicht bis weit ins 13. Jahrhundert zurück. Als Gründer der Anlage wird 1272 Hoyer von Vredeberg erwähnt. Ursprünglich als Wasserburg erbaut, diente die Anlage Jahrhunderte lang als Grenzfeste zwischen Böhmen und Brandenburg. Nach mehreren Zerstörungen durch kriegerische Handlungen und Brände wurde unter Seyfried von Promnitz 1592 ein dreigeschossiges, hufeisenförmiges Renaissanceschloss neu errichtet. Später war Reichsfürstin Ursula Katharina von Teschen Besitzerin der Herrschaft Hoyerswerda und ließ das Gebäude durch Anbauten zu einem repräsentativen Wohnsitz erweitern.
Heute ist das Schloss nicht nur Heimat des Stadtmuseums. Sein historischer Charme macht das Haus auch zu einem beliebten Ort für Trauungen, Feiern, Tagungen, Konzerte und mehr. Barockes Kaminzimmer, festlicher Schlosssaal, lauschiger Innenhof und uriger Krabatkeller bieten vielfältige Möglichkeiten.
Die Tour führt Sie nun am Bürgermeisterhaus vorbei zum Eingang des Zoos. Bevor Sie ihm einen Besuch abstatten, müssen Sie unbedingt eine regionale Köstlichkeit probieren. Rurkis heißen die knusprigen Waffelröllchen gefüllt mit Schlagsahne, die es vor dem Zoo auf die Hand gibt.
Wer hat schon mal ein Faultier beim Essen beobachtet? Im Zoo Hoyerswerda erleben Besucher Tiere aus sechs Erdteilen ganz nah – zum Beispiel das Faultier Carla oder Gürteltier Günther bei den Schaufütterungen im Tropenhaus, oder beim Besuch von Hilde, dem zahmen Emu, in ihrer Wohngemeinschaft mit den Kängurus. Auf sechs Hektar lädt der familienfreundliche Zoo mit rund 1.000 Tieren in 120 Arten zu einer Weltreise ein.
Mit dem gleichen Ticket geht es danach auf interaktive Zeitreise ins Schloss, das sich auf dem Zoogelände befindet. Das ”ErlebnisReich“ lässt Geschichte(n) mit Mitmach-Stationen und Miniaturschloss lebendig werden. Im modernen ”LehrReich“ geht es im Zeitraffer vom Zweiten Weltkrieg mitten hinein ins Lausitzer Seenland.
Der Zoo Hoyerswerda bietet lehrplanorientierte Führungen zu verschiedenen Themen an, in denen die Schul- und Kindergartenkinder faszinierende und oft auch überraschende Einblicke in die Welt unserer Zootiere, die Aufgaben von Zoos im Natur- und Artenschutz und den Zoo-Alltag erhalten.
Im Zoo Hoyerswerda sind Hunde herzlich willkommen.
Umrunden Sie nun den Zoo. Entlang der Straße Am Haag geht es auf die Schwarze Elster zu. Der Weg führt über die Bautzener Brücke in den anderen Teil der Stadt. Gegenüber einer kleinen Kapelle, dem Martin-Luther-King-Haus, befindet sich das neueste Museum Hoyerswerdas.
Ein Leben ohne Computer ist heute absolut unvorstellbar. Doch wie begann seine spannende Geschichte? Im ZCOM kann in die spannende Geschichte des Computers eingetaucht werden. Mit dem Wissen später Geborener ist es schwer vorstellbar, wie sich Zuse und seine Kollegen an die digitale Maschine herantasteten: Welches Material funktioniert gut? Ist ein Relais-Speicher die richtige Wahl? Ist die Verwendung des Binärsystems ein Irrtum? Der Computerpionier Konrad Zuse wurde in Hoyerswerda weder geboren noch starb er hier. Doch die wenigen Jahre, die er in den 1920er Jahren als Jugendlicher hier verbrachte (er machte sein Abitur in Hoyerswerda), waren es der Stadt allemal wert, ihn 1995 zum Ehrenbürger zu machen und 2017 obendrauf noch ein nach ihm benanntes Museum zu eröffnen.
Von der Größe der alten Zuse-Computer beeindruckt, zeigt sich eine rasante Entwicklung und werden Chancen und Risiken der digitalen Welt erkannt. Dabei werden u.a. die Vorteile des Binärcodes betrachtet. Aber keine Sorge, es wird nicht zu theoretisch. Technik wird mit Gesellschaft und Kunst verbunden. Es wird nach dem Warum und Wieso gefragt. In der modernen Dauerausstellung im ZCOM Zuse-Computer-Museum werden unglaubliche Erfolgsgeschichten des Computers präsentiert.
Der Rückweg führt Sie nun am anderen Ufer der Schwarzen Elster entlang bis zur Görlitzer Brücke. Die überqueren Sie und laufen geradeaus, am Johanneum und am Neuen Rathaus vorbei. An der nächsten Kreuzung biegen Sie nach links in die Karl-Liebknecht-Straße. An deren Ende steht die Katholische Kirche „Heilige Familie“. Wenn Sie offen ist, dann werfen Sie einen Blick hinein. Die Straße Am Bahndamm und die Bahnhofsallee führt Sie wieder zurück zum Bahnhof.
Die Karte ist visuell optimiert und nicht barrierefrei. Als barrierefreie Alternative für alle Inhalte nutzen Sie die textbasierte Ansicht
Start/Ende
HoyerswerdaBahnhofsallee
02977 Hoyerswerda