Bahnhofstr. 1
16909 Wittstock/Dosse OT Fretzdorf
Schöne Dörfer und lila Pausen
Eine Wandertour für Naturliebhaber und Kulturliebhaber
Unser Tipp: Bitte prüfen Sie vor Fahrtantritt Ihre Zugverbindung und die erwartete Auslastung.
Der barocke Fachwerkbau mit Turmaufbau sowie sechseckiger Kanzel und Patronatsloge im Innenraum stammt aus dem Jahre 1704. Bauherr war Ulrich Christoph von Stille, einst Kommandant der Festung Magdeburg. Er wurde 1728 unter der Kirche in einer Gruft bestattet. Der einbalsamierte Leichnam konnte zu besonderen Anlässen besichtigt werden, eine Attraktion, ähnlich dem „Ritter Kahlbutz“ in Kampehl. Doch der Zustand der knapp 300 Jahre alten Mumie lässt dies inzwischen nicht mehr zu. Gruft und Sarg bleiben nun verschlossen.
Nach der Wende erlangte die Kirche erneut eine besondere Bedeutung. Sie war der Ausgangspunkt zahlreicher Ostermärsche. Die Menschen protestierten damals gegen die Weiternutzung der Kyritz-Ruppiner Heide als Bombenabwurfplatz. 2011 gab die Bundeswehr die Pläne für das Bombodrom auf.
Wer den Dorfplatz überquert und geradeaus weitergeht, gelangt zum ehemaligen Gutshaus von Fretzdorf. Die Adelsfamilie von Stille bewohnte das von 1835 bis 1840 nach Plänen von Friedrich August Stüler umgebaute Gebäude. Heute befindet sich das hübsche Schlösschen in Privatbesitz. In unmittelbarer Nachbarschaft versprühen leerstehende Fabrikgebäude aus rotem Backstein ihren maroden Charme. Ein Stück weiter an der Dorfstraße können sich Wandernde in der Bäckerei Hausbalk dienstags bis samstags mit Proviant eindecken. Über Wald- und Feldwege geht es weiter nach Rossow.
Das kleine Gotteshaus aus Feldstein entstand um 1500. Im Jahre 1684 wurde ein Holzturm angebaut, in dem sich ein Geläut mit zwei Glocken befindet. Um zu verhindern, dass die bronzenen Glocken in einem der zahlreichen Kriege eingeschmolzen und zu Kanonen verarbeitet werden, vergruben findige Bürger sie in der Umgebung. Im Kircheninneren sind - nach Anmeldung im Pfarrhaus nebenan - Wandmalereien aus dem 16. Jahrhundert sowie ein Hochaltar des Havelberger Doms zu bestaunen. Rossow gehörte damals der Adelsfamilie von Rohr, die ihren Sitz in Havelberg hatte.
Es geht vorbei an verträumten Bauernhäusern entlang der Dorfstraße. Ein Feldweg führt hinter dem Ort links in die Stille und Abgeschiedenheit der Heide. Wer möchte, kann zuvor noch einen Abstecher zum Kiessee machen. An der Südseite gibt es einen Strand, der sich für ein Picknick eignet.
Wem der rund zwei Kilometer weite Hin- und Rückweg zum See zu viel ist, der läuft weiter zum Rastplatz „Ziegenmelker“. Er liegt unmittelbar am Beginn des Wanderwegs durch die Heide. Hier sind die schönsten Pausen lila oder gelb, denn im Frühjahr blüht der Ginster. Im Spätsommer leuchtet überall das Violett der Besenheide. Ein Höhepunkt ist die Aussicht vom 15 Meter hohen Heideturm.
Der 15 Meter hohe Heideturm auf dem Heinz-Sielmann-Hügel bei Pfalzheim bietet einen weiten Blick über die Kyritz-Ruppiner Heide. Hinweistafeln im Treppenaufgang geben detaillierte Einblicke in die spannende Geschichte der heute zum Naturpark Stechlin-Ruppiner Land gehörenden Landschaft.
Entwicklung der Heide
Nach dem Zweiten Weltkrieg richteten die Streitkräfte der Sowjetunion in einem Wald- und Heide-Areal zwischen Wittstock und Neuruppin einen Truppenübungsplatz ein, der insgesamt etwa 12.700 Hektar umfasste. Das Territorium diente als Luft- und Bodenschießplatz. Nach dem Abzug der sowjetischen Truppen sollte das Gelände von der Bundeswehr als Tiefflugübungsplatz weiter genutzt werden, was jahrelange Bürgerproteste schließlich verhindern konnten.
Durch die Abriegelung des Geländes und seine militärische Nutzung entstanden verschiedene Lebensräume für Pflanzen und Tiere wie Trockene Sandheiden, Dünen, Eichen- und Buchenwald. Die großflächigen Heiden bieten ideale Bedingungen für Insekten, die wiederum viele Vogelarten anlocken wie Brachpieper, Ziegenmelker, Wiedehopf und Heidelerche. So hat die Kyritz-Ruppiner Heide eine besondere Bedeutung für den Naturschutz in Deutschland.
Die Nationalen Naturerbe-Flächen werden von der Heinz Sielmann Stiftung gemeinsam mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) gepflegt und auch für die sanfte touristische Nutzung entwickelt.
Naturerlebnis
Auf 13 Kilometern Wanderwegen zwischen Pfalzheim, Rossow und Neuglienicke wurde die Munition beräumt. Wanderer, Radfahrer und Reiter können hier die Natur erleben. Rastplätze laden zum Verweilen ein, Schilder weisen den Weg und informieren über die Landschaft und ihre Entwicklung. Kutschunternehmen bieten Touren mit Kutsche und Kremser durch die Heidelandschaft an, die sich im August und September in vollster Blüte zeigt.
Über Pfalzheim und das urige Rägelin mit seinem malerischen Dorfkern geht es nach Netzeband. Im Restaurant „Clavis“ erwartet die Wandersleute noch ein kulinarisches Highlight. Und das rustikale Bauernhaus aus Backstein auf dem Kemper Hof ist ein stilvoller Ort um diese ländliche Tour zu beenden.
Im Restaurant "Clavis" werden Gäste mit kulinarischen Köstlichkeiten der gehobenen deutschen und insbesondere der vielseitigen, regional-märkischen Küche verwöhnt. Schwerpunkt auf der Karte sind Wildgerichte, aber auch eine Auswahl an vegetarischen und veganen Speisen wird angeboten. Die Zutaten stammen frisch und vorzugsweise von Produzenten und Manufakturen aus der Region. An urigen Holztafeln, im verwunschenen Innenhof oder auf lauschigen Sesseln vor dem Kamin wird in ganz besonderer Atmosphäre Platz genommen.
Das Restaurant bietet bis zu 90 Innenplätze und bis zu 50 Außenplätze. Anfragen für Familienfeiern und Catering werden entgegengenommen.
Geschafft? Gut, dass es zur Bahnstation in Netzeband nur noch rund 400 Meter sind. Und die führen leicht bergab. Von der Bahnstation bringt der RE6 die Wandernden mit vielen schönen Bildern im Kopf nach Hause.
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Bahnhof FretzdorfBahnhofstr. 1
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