Am Speicher 5
17438 Wolgast
Ein Stadtspaziergang durch Wolgast
Ein Stadtrundgang für Familien und Kulturliebhaber
Unser Tipp: Bitte prüfen Sie vor Fahrtantritt Ihre Zugverbindung und die erwartete Auslastung.
Während Originale des Künstlers Philipp August Runge in der Hamburger Kunsthalle zu finden sind, wird in seinem Geburtshaus in Wolgast sein Lebensweg dargestellt. Neben der Malerei leistete Runge einen entscheidenden Beitrag zur dreidimensionalen Farbenlehre, gestaltete Spielkarten und schrieb die ersten Märchen in Deutschland auf. Das bekannteste - "Vom Fischer und seiner Frau" - wurde in die Sammlung der Gebrüder Grimm aufgenommen.
Route der Norddeutschen Romantik: Rungehaus Wolgast – Der Geburtsort Runges
Philipp Otto Runge wurde am 23. Juli 1777 geboren. Er hatte ebenso wie Friedrich August von Klinkowström zehn Geschwister. Schon in seiner frühen Kindheit wurde von seinem Lehrer, dem Dichter Ludwig Gotthard Kosegarten, an der Wolgaster Schule sein künstlerisches Talent erkannt und gefördert. Nach einer Lehre in Hamburg entschied sich Runge 1799 für ein Kunststudium in Kopenhagen. Nach seiner Rückkehr lernte er Caspar David Friedrich kennen und zog ebenfalls nach Dresden. Runge verbrachte dennoch einige Jahre in Wolgast, wo er unter anderem seine Theorie der dreidimensionalen Farbenlehre entwickelte. Eines seiner berühmtesten Werke „Wilhelmine Helwig“ befindet sich im Pommerschen Landesmuseum in Greifswald.
Das nächste Ziel liegt jenseits der Bundesstraße B111. Über die Burg- und Schusterstraße geht es in die Altstadt. Am Rathausplatz angekommen, lohnt ein Rundgang. Alte Fachwerkhäuser säumen den Platz, in dessen Mitte das stattliche Rathaus steht.
Im 15. Jahrhundert erbaut fiel das Rathaus 1512, 1625 und 1713 jeweils den Stadtbränden zum Opfer und wurde 1720 bis 1724 wieder aufgebaut. Die Reste des ursprünglich gotischen Gebäudes sind noch sichtbar. Die Fassade ist allerdings aus der Zeit des Spätbarocks. Heute befinden sich im Historischen Rathaus das Standesamt und die Touristinformation. Im Kaminzimmer finden Vorträge und kulturelle Veranstaltungen statt. Einmal wöchentlich werden auf dem Rathausplatz regionale Produkte auf einem Frischemarkt angeboten.
Das Rathaus ist heute das Wahrzeichen der Stadt. Am Platz gibt es auch einen Bäcker und ein kleines Café. Mehrmals im Jahr finden hier Stadtfeste in familiärer Atmosphäre statt. Blickfang in unmittelbarer Nachbarschaft ist das Stadtgeschichtliche Museum, im Volksmund „Kaffeemühle“ genannt.
Das Museum hat im Gebäude eines mehr als 300 Jahre alten Fachwerkspeichers eine Heimat gefunden. Den Beinamen erhielt es durch sein äußeres Erscheinungsbild, das einer alten Kaffeemühle ähnelt. In den Museumsräumen wird auf vier Etagen die Geschichte der Stadt erzählt. Wolgast war im Mittelalter Residenzstadt der Pommernherzöge. Vom früheren Renaissanceschloss, das sich auf der Wolgaster Schlossinsel erhob, zeugen im Museum noch einige Fundstücke. Höhepunkt ist eine digitale Rekonstruktion, die nun erstmals wieder einen anschaulichen Eindruck von der einstigen Pracht vermittelt.
Überraschend für manchen Museumsgast ist auch die Ausstellung auf dem Handwerkerboden im Obergeschoss des Museums. Ein Knüpfstuhl weist auf die rund 100 Jahre alte Tradition der Pommerschen Fischerteppiche hin: Notleidende Fischer verdienten sich damals ein Zubrot mit handgeknüpften Teppichen. Das nötige Geschick hatten sie vom Flicken ihrer Netze. Im Museum wird auch eine Auswahl von Teppichen gezeigt. Zusätzlich gibt es immer wieder wechselnde Sonderausstellungen.
Entlang der Kleinbrückenstraße geht es nun wieder in Richtung Wasser. Dort erwartet uns eine kleine Holzbrücke. Sie wird von den Einheimischen liebevoll „Amazonenbrücke“ genannt und verbindet das Festland mit der Schlossinsel. Von hier aus genießt man den Ausblick auf die Spitzenhörnbucht und den Museumshafen. Hier gibt es eine schöne Einkehrmöglichkeit.
Das urige Gasthaus liegt in einem schmucken alten Speichergebäude aus Backstein direkt am Museumshafen. Auch der Innenraum ist mit vielen kleinen maritimen Exponaten liebevoll ausgestattet. Passend zum Ambiente wird viel frischer Fisch serviert. Aber auch Fleisch und Vegetarisches sowie Desserts und Eis finden sich auf der Karte. Bei gutem Wetter ist die Terrasse der attraktivste Platz. Hier stärken sich die Gäste mit weitem Blick auf den Wolgaster Hafen.
Von der Schlossinsel hat man eine schöne Sicht auf die Insel Usedom und die Peenebrücke. Es lohnt sich, einmal dabei zu sein, wenn sie sich langsam und majestätisch öffnet. Die Öffnungszeiten finden sich auf folgender Internetseite: kreis-vg.de/Leben/Brückenöffnungszeiten-Verkehrsinfos.
Bei dem rund 256 Meter langen Bauwerk handelt es sich um eine sogenannte Waagbalken-Klappbrücke. Sie überspannt den Fluss Peene und verbindet die Stadt Wolgast mit der Insel Usedom. Wegen ihres Anstrichs wird die Brücke auch „Blaues Wunder“ genannt. Die Klappe selbst ist etwa 19 Meter breit und 42 Meter lang. Sie wird von einem Brückenwärter in der Kontrollkanzel per Knopfdruck geöffnet, sobald ein Schiff die Peene entlangkommt. Das Spektakel ereignet sich in der Regel fünf- bis sechsmal täglich. Jeder Vorgang dauert rund 15 Minuten.
Die Brücke entstand in den Jahren 1994 bis 1996, nachdem ihre marode Vorgängerin abgerissen wurde. Die Ursprünge des alten Bauwerks stammten noch aus den frühen 1930er-Jahren. Obwohl die alte Brücke im Jahre 1945 gesprengt wurde, konnte sie mit den geborgenen Teilen repariert und 5 Jahre später wieder eröffnet werden. Der zunehmende Autoverkehr setzte der Brücke stark zu und machte in den 1990er-Jahren einen Neubau nötig. Die moderne Brücke verfügt auch über ein Eisenbahngleis.
Südlich der B111 und der Bahnlinie geht es nun auf der Schlossinsel zurück zum Museumshafen.
Die Fähre „Stralsund“ ist das einzige erhaltene Eisenbahn-Dampffährschiff in Deutschland. Es wurde 1890 für den Fährverkehr zwischen Stralsund und Altefähr auf Rügen gebaut. Ein vom Bug bis fast über das ganze Schiff verlaufendes Gleis ermöglichte es, bis zu vier Güterwaggons oder drei Personenwaggons für rund 300 Passagiere aufzunehmen. Letztere konnten während der Überfahrt in zum Teil luxuriös ausgestatteten Kajüten des Schiffs Platz nehmen. Am anderen Ufer verließen die Wagen wieder bugseitig die Fähre, die sich dafür jedes Mal in Position drehen musste.
Bald reichte die Kapazität der „Stralsund“ nicht mehr aus. Schon 1901 wurde sie darum nach Swinemünde beordert, um den Verkehr zur Insel Wollin zu bewältigen. Die Nationalsozialisten nutzten die Fähre 1937 dazu, Raketen vom Typ A3 von Peenemünde auf die Insel Oie zu transportieren. Das Schiff entging 1943 einer Bombardierung und der geplanten Sprengung durch die Wehrmacht 1945. Von 1946 bis 1990 diente es erneut dem Fährverkehr von Personen und Eisenbahngütern zwischen Wolgast und Usedom. Im Jahre 2014 wurde das Schiff von einem Förderverein übernommen und seitdem als Museum betrieben. Interessierte können den Maschinenraum, die Messe und die Brücke besichtigen.
Hinter der Brücke kommt man linker Hand wieder zurück auf den Rungeplatz und folgt dann den Gleisen in Richtung Bahnhof. Wer noch mehr Zeit und Lust auf Natur hat, sollte einen Abstecher zum Tierpark Wolgast unternehmen. In den Gehegen mitten in einem idyllischen Waldstück können 500 Tiere aus 42 Arten bestaunt werden. Dort gibt es einen Streichelzoo, Spielplätze und ein Bistro. Der Park liegt etwas außerhalb im nördlichen Teil der Stadt. Die Buslinie 274 fährt direkt dorthin.
Die Karte ist visuell optimiert und nicht barrierefrei. Als barrierefreie Alternative für alle Inhalte nutzen Sie die textbasierte Ansicht
Start/Ende
Bahnhof Wolgast HafenAm Speicher 5
17438 Wolgast