Bahnhof Radensleben
16818 Wustrau
Besuch im Zietenschloss
Eine Wandertour für Kulturliebhaber und Geniesser
Unser Tipp: Bitte prüfen Sie vor Fahrtantritt Ihre Zugverbindung und die erwartete Auslastung.
Die „Alte Fischerhütte" bietet deutsche regionale Küche an, wobei Fisch natürlich im Vordergrund steht. Es gibt allein ca. 15 Fischgerichte zu entdecken.
Der Gastraum bietet Platz für ca. 40 Personen, die Terrasse für weitere 20. Im Sommer stehen zusätzlich rund 50 Plätze im Biergarten zur Verfügung. Große Feierlichkeiten finden im Saal statt (ca. 130 Plätze).
An die Fischertradition errinnert auch das geschnitzte Kunstwerk „Des Fischers Traum“ eines ehemaligen Forstarbeiters neben der Klappbrücke. Am Bootsanleger steht der düster dreinschauende „Götze von Altfriesack“, eine Nachbildung einer beim Durchstich des Mühlengrabens gefundenen slawischen Kultfigur aus dem 4. Jahrhundert. Das Original steht im Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte.
Der Weg von Altfriesack nach Wustrau führt durch dichten Wald. Über einen schmalen Feldweg können Sie einen kleinen Abstecher zum Seeufer machen. Dort steht der Obelisk, der einst den Schiffern den Weg in den Kanal wies, der den Ruppiner See mit den Havelgewässern verband und damit Neuruppin mit Berlin.
Wenn Sie den Ortseingang von Wustrau erreichen, sehen Sie rechter Hand an der Uferpromenade die Plastik mit Wasserspiel mit dem Titel „Seeschlacht“, im Jahr 2000 geschaffen von Matthias Zágon Hohl-Stein. Sie erinnert an das Ferienvergnügen zweier junger Adliger, der eine 18, der andere 19 Jahre alt, das Fontane in seinen „Wanderungen“ eingehend beschrieb: Der Sohn des alten Zieten auf Wustrau und der Sohn des alten Knesebeck auf Karwe hatten zufällig gleichzeitig Urlaub vom Militärdienst. Teils aus purer Langeweile, teils aus Lust auf etwas Spannung in Friedenszeiten beschlossen sie, mit ihren Getreuen eine große Seeschlacht zu inszenieren. Hin und her ging es am verabredeten Abend, angefeuert von einer dichtgedrängten Zuschauermenge, bis nach einigen unerwarteten Wendungen die Karweschen einen Überraschungssieg über die Wustrauschen errangen – selbstredend alles ohne Blutvergießen. Ein Spektakel vor der Kulisse des langgezogenen Ruppiner Sees ist heute wieder zu erleben, jedes Jahr im Juli mit den Theater- und Musical-Inszenierungen des Seefestivals Wustrau.
Wustrau selbst beschrieb Fontane durchaus wohlwollend: „Das eigentliche Dorf, saubere, von Wohlstand zeugende Bauerhäuser, liegt etwas zurückgezogen vom See; zwischen Dorf und See aber breitet sich der Park aus, dessen Baumgruppen von dem Dache des etwas hoch gelegenen Herrenhauses überragt werden.“ Dieses Herrenhaus des Husarengenerals Hans Joachim von Zieten schauen Sie sich nun an.
Hans Joachim von Zieten (1699 – 1786) war einer der berühmtesten Reitergeneräle der preußischen Geschichte und enger Vertrauter König Friedrichs des Großen. In den Kriegen Friedrichs II. erwies sich von Zieten als fähiger Führer des Husarenregiments. Berühmt ist der sogenannte „Zietenritt“, mit dem der Husarengeneral am 20. Mai 1745 seinem König die Verstärkung der Hauptarmee sicherte. Er genoss das besondere Vertrauen Friedrichs II., der den alten Zieten häufig besuchte und sogar seine tiefe Religiosität respektierte.
Rittersitz Wustrau
Seit dem Jahr 1726 lebte Zieten auf dem Rittersitz Wustrau. In Friedenszeiten kümmerte er sich selbst um die Wirtschaft, wofür König Friedrich II. ihn mehrfach beurlaubte. Den Neubau eines barocken Herrenhauses förderte der König persönlich. Er ließ kostenlos Bauholz und Rüdersdorfer Kalksteine liefern. Das später erweiterte Herrenhaus des Hans Joachim von Zieten ist heute als Sitz der Deutschen Richterakademie eine bedeutende Sehenswürdigkeit im Ort.
Besichtigung der Schlossanlage
Schlossbesichtigungen sind in der Regel mittwochs außerhalb der Schulferien möglich. Das jährliche Seefestival Wustrau an der Seebühne am Schloss lädt außerdem zur Entdeckung des Rittersitzes ein. Das Grab des Husarengenerals befindet sich an der Nordseite der Wustrauer Kirche. Das Brandenburg-Preußen Museum legt heute Zeugnis über die Geschichte des Landes ab.
Und, stimmen Sie Fontane zu, dass das Herrenhaus „freilich seinerseits eine reizende Lage voraus hat“? Er präzisierte noch: „Vorder- und Hinterfront geben gleich anziehende Bilder. Jene gestattet landeinwärts einen Blick auf Dorf, Kirche und Kirchhof, diese hat die Aussicht auf den See.“
Bereits während der DDR-Zeit als Weiterbildungsstätte des Justizministeriums saniert, wurde das Schloss nach der Wende zur Tagungsstätte der Deutschen Richterakademie und nochmals aufwendig restauriert. Gegenüber steht im Schatten der 300-jährigen Stieleiche ein Kriegerdenkmal, das den Gefallenen der Befreiungskriege gegen Napoleon gewidmet ist.
Dahinter die 1833 gebaute „Heimatschule“, die Zietens Sohn Friedrich Christian als Muster für eine preußische Volksschule bauen ließ. Heute zeigt der Wustrauer Heimat- und Kulturverein seine Sammlung historischer Fundstücke.
Der Wustrauer Dorfanger, der jetzt vor Ihnen liegt, trägt den Namen „Das Hohe Ende“ – er hat nämlich kein richtiges Ende. Einst bleichten die Bewohner auf der Grünfläche zwischen den kleinen Bauernhäusern ihre Wäsche. Sie können heute das Café im Haus Constance besuchen.
Seit dem 3. Oktober 1998 befindet sich im einstigen Theatersaal eines der schönsten Cafés Brandenburgs. Auf der Speisekarte kann man alkoholische wie alkoholfreie Getränke finden, hausgebackenen Kuchen und Torten, vielfältige Kaffee- und Teespezialitäten, leckere Eisbecher, aber auch Gerichte wie Maultaschen auf Blattspinat, Märkische Kartoffelsuppe oder Zanderfilet auf Gemüse der Saison.
Kurz zur Geschichte:
Das Zietensche Rittergut in Wustrau wurde, nachdem der letzte Zieten auf Wustrau 1854 starb, von Albert Julius Graf von Zieten-Schwerin weitergeführt.
Das Constance-Haus wurde 1908 errichtet. Der Graf machte es seiner Frau Constance anlässlich des 70. Geburtstages zum Geschenk. Die Besitzer des Zietenschen Rittergutes waren christlich und sozial denkende Menschen. Sie richteten hier etwas ein, was man heutzutage ein Klubhaus nennen würde: mit Theatersaal, Bühne, Billardraum, Bibliothek, Musik- und Lesezimmer sowie einer Kegelbahn und Spielgeräten auf dem Hof für die Kinder.
Laufen Sie ein Stück weiter den Anger hinauf, dann kommen Sie zum Eiskeller, der auf den alten Zieten zurückgeht. Sein Sohn setzte eine Steinbank am Hohen Ende so aus behauenen Findlingen zusammen, dass sie wie eine germanische Weihestätte erscheint.
Spazieren Sie über den Fußweg zum Seeufer, vorbei an uralten Baumriesen, die zum äußeren Bereich des früheren Schlossparks gehören. Bei schönem Wetter bietet sich die Badestelle mit Steg für eine Erfrischung an, ansonsten genießen Sie einfach den Blick, bevor Sie zur Kirche von Wustrau zurückkehren. Werfen Sie einen Blick hinein, die Dorfkirche kann wochentags besucht werden (Schlüssel im Pfarrbüro, Tel. 033925 70254), Samstag und Sonntag bitte vorher im Pfarrbüro anmelden.
Für den tiefreligiösen Zieten, der dafür einigen Spott von Friedrich dem Großen ertragen musste, war es selbstverständlich, dass mit dem großen Herrenhaus auch die Kirche erneuert werden musste. Der spätgotische Feldstein- und Ziegelbau aus dem 13. Jahrhundert bekam einen quadratischen Turm im Stil des Barock verpasst, im Inneren bekam Kirchenpatron von Zieten seine Loge. An der Nordseite befindet sich das bescheidene Grab des Husarengenerals. Im Gegensatz dazu hat sich dessen Sohn, Friedrich Christian Graf von Zieten, unter einem Findling im Schatten einer alten Linde zur letzten Ruhe betten lassen.
Neben der Kirche begegnen Sie dem Standbild des alten Husarengenerals mit der für Husaren typischen Fellmütze, Kolpak genannt. Nun sind Sie am Brandenburg-Preußen Museum angekommen, dass sich zum Ziel setzt, ein differenziertes Bild von Preußen – mit seinem Kern Brandenburg – zu zeichnen. Neben Prügelstock und Pickelhaube steht es schließlich auch für Toleranz und Streben nach Gerechtigkeit. Schon allein die zahlreichen Porträts der Kurfürsten, Könige und Kaiser sind sehenswert.
Das Brandenburg-Preußen Museum liegt im malerischen Wustrau am südlichen Anfang des Ruppiner Sees. Neben dem Schloss der Familie von Zieten (Hans Joachim von Zieten, der Reitergeneral Friedrichs II., residierte in Wustrau), der alten Dorfkirche und dem romantischen Dorfkern kann man von hier aus zu Wasser, zu Fahrrad oder auch auf einer Wanderung die herrliche Landschaft der Brandenburger Seenplatte erleben.
In der 2026 eröffneten Hauptausstellung Kopfgeburt | Preußen wird die brandenburgisch-preußische Geschichte auf einer Fläche von 350 m² dargestellt. Ein zentrales Anliegen ist die kritische Auseinandersetzung mit Urteilen und Vorurteilen – entlang der Frage: „Was machte Preußen aus?“
Statt einer chronologischen Nacherzählung beleuchtet die Ausstellung in sechs Themenräumen – Expansion, Autorität, Pragmatismus, Effizienz, Innovation und Widerstand/Protest – was hinter den großen Schlagworten steckt, mit denen Preußen bis heute verbunden wird. Neben klassischen Museumsobjekten setzt die Ausstellung auch auf spielerische Vermittlung: Ein 3D-Puzzle der Marienburg (Malbork) und ein Würfelspiel zum Thema Einwanderung laden dazu ein, Geschichte nicht nur zu betrachten, sondern zu erleben. Interaktive Stationen ergänzen die Exponate und eröffnen neue Zugänge für ein breites Publikum.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Beziehung zwischen Polen und Preußen, die grundlegend für das Verständnis preußischer Geschichte, in Deutschland aber bis heute wenig präsent ist. Ausgangspunkt ist das Jahr 1525, als Herzog Albrecht von Brandenburg-Ansbach das Herzogtum Preußen vom polnischen König Sigismund I. als Lehen empfing. Über Jahrhunderte waren beide Länder politisch, territorial und kulturell eng verwoben. Ein mittelalterlicher Gewölbeziegel aus der Marienburg (Malbork), von polnischen Partnern für die Ausstellung übergeben, steht neben vielen anderen Objekten exemplarisch für diese gemeinsame Geschichte – und für die gewachsene deutsch-polnische Zusammenarbeit.
Ein weiterer Fokus liegt auf dem Freistaat Preußen nach 1918. Nach dem Ende der Monarchie wurde Preußen zu einem stabilisierenden Faktor der Weimarer Republik – ein demokratisches Kapitel, das im öffentlichen Bewusstsein bis heute kaum präsent ist und in der Ausstellung als eigenständige Phase preußischer Geschichte sichtbar gemacht wird.
Am ersten Sonntag des Monats ist der Eintritt frei. Am letzten Sonntag des Monats werden Führungen angeboten, für die keine zusätzliche Gebühr erhoben wird. Weitere Führungen sowie die Nutzung des Neubaus für Tagungen können gegen ein Entgelt gerne vereinbart werden.
Nach so vielen Eindrücken des alten Preußens – und vielleicht mit einigen neugewonnenen Erkenntnissen? – spazieren Sie entlang dem Seeufer über Altfriesack rund 2,5 Kilometer zurück zum Bahnhof Wustrau-Radensleben.
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