Heinrich-Deist-Straße
06844 Dessau-Roßlau
Bauhaus-Architektur in Dessau
Ein Stadtrundgang für Kulturliebhaber
Unser Tipp: Bitte prüfen Sie vor Fahrtantritt Ihre Zugverbindung und die erwartete Auslastung.
Der Direktor und Architekt Walter Gropius entwarf das Hauptgebäude der Hochschule für Gestaltung, das 1925/26 in Dessau entstand, als das Bauhaus von Weimar nach Dessau umzog. Es gilt heute als Vorreiter der modernen Architektur. Zu den wegweisenden Neuerungen gehörte die konsequente Trennung und Gestaltung der einzelnen Gebäudeteile nach ihrer Funktion. Augenfällig ist die Glasvorhangfassade des Werkstattflügels, die Außen und Innen verbinden sollte und damit für Freiheit und Durchlässigkeit stand. Es schließt sich der flache Kubus der Mensa an, überragt vom fünfgeschossigen Ateliergebäude mit den charakteristischen Balkonen. Außen steht das leuchtend helle Bauhaus-Weiß im Kontrast zur dunklen Fensterfront. Im Inneren betonen dezente Farben die Baustrukturen. Seit 1996 gehören die Bauhausbauten in Dessau und Weimar zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Heute können Besucher die umfangreiche Bauhaus-Sammlung besichtigen und an Führungen teilnehmen. Informationen zu den Führungen bitte unter 0340 6508250 erfragen. Im Herbst des Jubiläumsjahres 2019 eröffnete das Bauhaus Museum Dessau feierlich seine Türen. Erstmals ist die Sammlung der Stiftung Bauhaus Dessau umfassend einzusehen und zugleich verbindet das Museum als eigenständiger, zeitgenössischer Ort die Bauhausbauten in Dessau.
Unterqueren Sie das Bauhausgebäude und biegen Sie gleich rechts auf die Gropiusallee ein. Nach ca. 500 Metern geht es nach links auf die Ebertalle. Auf der linken Seite schimmern schon die weißen Meisterhäuser durch ein kleines Kiefernwäldchen.
Walter Gropius entwarf für die Bauhausmeister drei baugleiche Doppelhäuser sowie ein Einzelhaus für den Direktor. Die ineinander verschachtelten, unterschiedlich hohen kubischen Gebäude stehen in einem Kiefernwäldchen an der heutigen Ebertallee. Gropius plante, die Gebäude nach dem Baukastenprinzip mit industriell vorgefertigten Teilen zu errichten und damit die Prinzipien des rationalen Bauens umzusetzen. Das gelang aufgrund der technischen Möglichkeiten zur damaligen Zeit nur teilweise.
Zur Straße hin zeigen die Doppelhäuser großzügig verglaste Ateliers, seitlich gelangt durch Glasbänder Licht in die Treppenaufgänge. Das Direktorenhaus ist durch asymmetrisch angeordnete Fenster gegliedert. Alle Häuser verfügen über großzügige Terrassen und Balkone.
Öffentliche Führung finden täglich um 12.30 Uhr statt. Individuelle Gruppenführung können online anfragen werden.
Gehen Sie auf die Ebertallee zurück und wenden sich nach links. Folgen Sie der Ebertallee durchs Grüne und biegen dann rechts in die Elballee ein. Nun geht es immer geradeaus. Nach ca. 20 Minuten Fußweg erreichen Sie das Kornhaus. eine Gaststätte in typischer Bauhaus-Architektur mit schönem Blick über den Elbdeich.
Wer nach den Meisterhäusern schon müde Füße hat, kann bis zum Kornhaus auch eine Station mit dem Bauhaus Bus Nr. 10 fahren.
Das Ausflugslokal mit Biergarten lockt schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts Besucher von nah und fern. Seine heutige Gestalt hat es allerdings 1929/30 vom Bauhausarchitekten Carl Fieger erhalten. Fieger nutzte die einzigartige Lage mit Blick auf die Elbniederung und hat das Gebäude wie ein Schiffsdeck unmittelbar am Hochwasserwall angeordnet. Bekannt ist Carl Fieger vor allem als Entwurfszeichner für das Büro von Peter Behrens und später für die Bürogemeinschaft Walter Gropius und Adolf Meyer.
2012 wurde das Kornhaus originalgetreu renoviert. Die Innenausstattung (Fußböden, Lampen, Bestuhlung, Vorhänge und Tresen) entspricht auch in der Farbgestaltung dem ursprünglichen Entwurf von Carl Fieger von 1930.
Frisch gestärkt und ausgeruht geht es weiter auf der Runde. Am Kornhaus können Sie in die Bauhauslinie Nr. 10 steigen, die Sie ins Stadtzentrum von Dessau und zum neuen Bauhaus Museum Dessau bringt.
Das Bauhaus Museum Dessau eröffnete anlässlich des 100. Gründungsjubiläums des Bauhaus im September 2019 im Zentrum von Dessau, im Stadtpark. Das von addenda architects (González Hinz Zabala) aus Barcelona entworfene Gebäude bietet erstmals die geeigneten Räumlichkeiten für eine umfassende öffentliche Präsentation der wertvollen Sammlung der Stiftung Bauhaus Dessau. Diese umfasst rund 49.000 katalogisierte Exponate und ist die zweitgrößte Sammlung zum Thema Bauhaus weltweit.
Die Dauerausstellung im neuen Bauhaus Museum Dessau erzählt unter dem Titel „Versuchsstätte Bauhaus“ die Geschichte der berühmten Schule für Gestaltung in Dessau, die bis heute unseren Alltag prägt. Originale Möbel, Leuchten, Textilien und Werke der bildenden Kunst zeigen anschaulich, wie das Lehren, Gestalten, Bauen der Bauhaus-Meister und -Schüler der Veränderung und Verbesserung des gesellschaftlichen Lebens dienen sollte. Die Ausstellung stellt Lehrer und Schüler vor und verknüpft die zahlreichen Bauhausbauten, die in Dessau besichtigt werden können.
Das transparente Foyer im Erdgeschoss bildet eine offene Bühne für zeitgenössische Wechselausstellungen und Veranstaltungen – Vorträge, Gespräche, Theater- und Performanceprojekte und vieles mehr.
Das nächste Ziel ist die Siedlung Törten. Steigen Sie am besten wieder in den Bauhaus-Bus Nr. 10. Die Siedlung Törten lässt sich gut auf eigene Faust erkunden. Am besten startet man den kleinen Rundgang am Konsumgebäude.
Während der Weimarer Republik gab es einen erheblichen Mangel an erschwinglichem Wohnraum. Es sollten Wohnungen entstehen, die Licht, Luft und Sonne einlassen und für eine große Bevölkerungsschicht bezahlbar waren. So entstand im Auftrag der Stadt Dessau und im Rahmen des Reichsheimstättengesetzes die Siedlung Törten. Die Siedlung war vom Bauhaus als Lösung für einen preisgünstigen Massenwohnungsbau konzipiert worden.
Das Konsumgebäude ist 1928 nach einem Entwurf von Walter Gropius entstanden und beherbergt heute den zentralen Informationsort der Stiftung Bauhaus Dessau für die Siedlung Törten und eine Dauerausstellung zu Idee und Vision, Baugeschichte und Bewohnern.
Die von Hannes Meyer entworfenen Laubenganghäuser ergänzen seit Juli 2018 das UNESCO-Welterbe Bauhaus. Der Laubengang ist ein traditioneller Typ der Erschließung von Wohnungen, bei dem die Eingangstüren mehrerer kleiner Einheiten an einem gemeinsamen, offenen Gang liegen.
Unter dem Motto „Volksbedarf statt Luxusbedarf“ entstanden 48 Quadratmeter große sogenannte Volkswohnungen, die an Arbeiter und Angestellte vermietet wurden. Entsprechend Meyers Berechnungen des tatsächlichen Wohnbedarfs sollte hier eine vierköpfige Familie in drei Räumen sowie Küche und Bad Platz finden.
Im Rahmen einer Führung kann eine Musterwohnung in den Laubenganghäusern besichtigt werden.
Öffentliche Architekturführungen durch die Siedlung Dessau-Törten finden in der Saison von März bis Oktober täglich um 15 Uhr statt. Die Führungen beginnen am Konsumgebäude und dauern ca. 90 Minuten. Tickets können auf der Webseite gebucht werden.
Zurück zum Hauptbahnhof geht es am besten mit dem Bauhaus-Bus Nr. 10.
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