Ludwigstraße 6
96052 Bamberg
Zwischen Anis, Mussärol und Süßholzraspeln
Ein Stadtrundgang für Naturliebhaber und Kulturliebhaber
Unser Tipp: Bitte prüfen Sie vor Fahrtantritt Ihre Zugverbindung und die erwartete Auslastung.
Ursprünglich hatte hier die Corpus-Christi-Kapelle den Gläubigen der Umgebung für ihre Gottesdienste offen gestanden. Am 12. Februar des Jahres 1352 stiftete das wohlhabende Bamberger Paar Kunigunde und Franz Münzmeister das Kloster St. Catherin zu dem Heiligen Grab. So konnte die Klosterkirche gebaut werden, die 1356 eingeweiht wurde. Das ebenfalls von den Münzmeisters gestiftete Gnadenkreuz der Göttlichen Hilfe wurde in der Folgezeit zu einem beliebten Wallfahrtziel.
Bauernkrieg und Dreißigjähriger Krieg hinterließen am Kloster ihre zerstörerischen Spuren. Einschneidend jedoch war die Säkularisation, durch die das Kloster 1803 für aufgehoben erklärt wurde und in Militärverwaltung überging. Ein Garnisonslazarett wurde errichtet. Die Kirche diente dem Militär bis 1918 als Ausrüstungs- und Kleiderkammer. 1926 wurde das Kloster neu gegründet, es zogen zunächst acht Dominikanerinnen aus dem Kloster St. Ursula hier ein. In der jüngsten Zeit haben die Schwestern die klösterliche Tradition aufgenommen, sakrale Textilien herzustellen.
Das Kloster öffnet an „Tagen der offenen Tür“ einige Räume für die Öffentlichkeit.
Vom Kloster aus geht es ein Stück zurück. Folgt dem Spiegelgraben und passiert rechter Hand die traditionsreiche Gärtnerei Schumm in der Nr. 10. Bereits seit dem 19. Jahrhundert baut die Familie Schumm Gemüse an. Der Familienbetrieb hat daher alte Lokalsorten im Angebot, die über Generationen weiter vermehrt wurden.
Das nächste Ziel ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Höhepunkt und erwartet Euch direkt an der Gärtnerei Böhmerwiese in der Heiliggrabstraße. Die Gärtnerei ist seit 1913 in Familienbesitz und wird heute von den Geschwistern Sabine Gründler und Ralf Böhmer geführt. Nicht nur für seine Floristik und gärtnerische Arbeit ist der Betrieb bekannt, sondern auch für gelungene kulturelle und touristische Events. Jährlich finden hier die Bamberger Gartenmesse und das Zwiebeltreterfest statt.
Auch die architektonisch besonders gestaltete Aussichtsplattform auf der Böhmerwiese ist Teil des Gärtnerbetriebes.
Die imposante gläserne Aussichtsplattform wurde anlässlich der Landesgartenschau 2012 errichtet. Die Konstruktion aus Stahl und Glas erinnert an das klassische Gewächshaus. Hier besteht eine der wenigen Möglichkeiten, durch die fast vollständig geschlossene Blockrandbebauung der Gärtnerstadt ins Innere des Stadtblocks zu gelangen und einen Einblick in die landwirtschaftlich geprägte historische Stadtstruktur zu erhalten.
Das gläserne Gebäude irritiert auf den ersten Blick, denn es ist leicht gekippt. Dies sorgte zunächst für Diskussionen, brachte der Aussichtsplattform aber auch den liebevollen Beinahmen „Schiefer Turm von Bamberg“ ein.
Durch die Heiliggrabstraße und die Spitalstraße geht es nun weiter zum Gärtner- und Häckermuseum. Es ist ein einzigartiges Freiland- und Spezialmuseum und gilt immer noch als Geheimtipp.
Ein Gärtner aus dem 18. Jahrhundert würde sich sofort in Haus und Garten zurechtfinden und augenblicklich seinem Tagwerk nachgehen können. Das heutige Museumsgebäude wurde im Jahr 1767 in einer für damalige Gärtnerhäuser funktionalen Bauweise als Durchfahrt- und Stallhaus errichtet.
Bereits um 1600 hatte hier ein Gärtnerhaus mit Ziehbrunnen gestanden. Die Ausstattung des Museums wurde bis ins Detail den Anfängen und der Entwicklung der Gärtnerkultur Bambergs nachempfunden. Die schwarze Küche ist identisch mit denen, die es um 1769 bei den hier ansässigen Gärtnerfamilien gegeben hat. Die gute Stube ist im Stil des 19. Jahrhunderts eingerichtet. Der Wirtschaftshof samt Remise mit allem Utensil gibt einen deutlichen Eindruck von der Lebens- und Arbeitsweise der Gärtnerfamilien des 18. und 19. Jahrhunderts. Auch im Nutzgarten am Haus wird all das angepflanzt, was die Küche damals verlangte und was zu den Bamberger Spezialitäten gehört. Dem Leben und Wirken der Häcker ist ein separater Teil des Hauses und des Gartens gewidmet. Sie arbeiteten ursprünglich als Winzer in den Hängen der Bamberger Umgebung, mussten aber während der kleinen Eiszeit auf kälteverträgliche Feldfrüchte umsteigen, wozu unter anderem auch Hopfen gehörte.
Besucher können Museum und Garten auf eigene Faust mit einem Audioguide entdecken oder buchen eine Führung.
Nach so viel Bewegung, geistiger Nahrung und frischer Luft habt Ihr sicher Lust auf eine kulinarische Stärkung. Dann freut Euch auf den Besuch der Brauerei Fässla, die Ihr auf einem kurzen Spazierweg durch die Letzengasse erreicht. Wissenswertes zum Brauereihandwerk in Bamberg erfahrt Ihr auf einer der grünen Info-Stelen am Ende der Letzengasse, Ecke Obere Königsstraße.
Das Gebäude, in dem die Brauerei in der Oberen Königsstraße vor 350 Jahren gegründet wurde, stammt bereits aus dem 14. Jahrhundert. Ein Jahr nach dem Dreißigjährigen Krieg ließ sich hier der Brauer und Büttner Hanß Lauer mit seiner Brauerei Fässla nieder, was „kleines Fässchen“. Seit 1986 betreibt die Familie Kalb die Traditionsbrauerei, jetzt bereits in zweiter Generation. Sieben weithin geschätzte Bierspezialitäten werden hier mit Liebe und Fachkenntnis in hochmodernen Anlagen gebraut.
Aber Fässla steht nicht nur für ausgezeichnete Bierqualität, auch die Gastlichkeit ist berühmt. In den urigen Restaurants, von denen die Brauerei Fässla neun betreibt, fühlen sich die Touristen ebenso wohl, wie die einheimischen Bamberger, die hier zum Feierabend ihr Bier oder eine Mahlzeit einnehmen. Fränkische Spezialitäten wie Schäuferla und Bräten sind beliebt.
Gut gestärkt geht es nun weiter auf der Oberen Königsstraße Richtung Theuerstadt, einst Vorort von Bamberg. Eine 700 Jahre alte Urkunde erwähnt den ersten Gärtner Bambergs in der Theuerstadt, sein Name war Fritz Pleinser.
In der Oberen Königstraße gibt es für Genussmenschen allerhand zu entdecken, so im Ladengeschäft von „Müller Delikatessen“, wo es unter anderem Köstlichkeiten aus eigener Herstellung gibt. Vielleicht habt Ihr Euch ja im Wirtshaus Fässla noch ein wenig Platz für ein kleines Dessert gelassen, dann werdet Ihr bei „Müller Delikatessen“ sicher etwas finden.
An der Kirche St. Gangolf aus dem 11. Jahrhundert, der damit ältesten Kirche Bambergs, befindet sich wieder eine der grünen Stelen, auf denen Ihr mehr über den Stadtteil Theuerstadt erfahrt. Einen Blick in die Kirche solltet Ihr Euch unbedingt gönnen.
Im Jahr 1063 wurde die Stiftskirche in der Theuerstadt dem Hl. Gangolf geweiht. Der Heilige Gangolf lebte im 8. Jahrhundert in Burgund. Er war ein Ritter, der, so erzählt die Legende, mildtätig gewesen sei und Wunder gewirkt habe. So habe er allein durch sein Gebet eine versiegte Quelle wieder zum Sprudeln gebracht. Nachdem er seiner Frau den von ihr begangenen Ehebruch verziehen und sie mit seinem halben Besitz bedacht habe, sei er vom Geliebten seiner Ehefrau ermordet worden. Noch an seiner Grabstätte seien Wunder geschehen. Er wurde heilig gesprochen und die einstige Stiftskirche St. Gangolf soll als Reliquie einen Teil des Hauptes des Heiligen beherbergen.
Im 12. Jahrhundert wurde die Kirche durch den Bau zweier Türme erweitert. Durch die Jahrhunderte hindurch wurde die Kirche mehr und mehr gotisiert und ergänzt. Einige Holzbalken des Dachstuhls bestehen jedoch noch aus dem 12. Jahrhundert.
Bis ins 19. Jahrhundert war St. Gangolf das geistige und auch das rechtliche Zentrum des Ortes.
Heute kann die Kirchgemeinde St. Gangolf wieder auf ein reges Gemeindeleben verweisen. Die älteste Kirche Bambergs hält sich auf kreative Weise jung und gestaltet beispielsweise unter dem Motto „zweifelLOS“ auch Gottesdienste speziell für Zweifelnde.
Nehmt den Weg in Richtung Egelseestraße. Schaut unterwegs auf weitere Info-Stelen, so erfahrt Ihr en passant noch etwas über die in der Gärtnerstadt gewonnenen Gemüsesamen, über die Bautypen der Gärtnerhäuser oder religiöse Male.
In der Nürnberger Straße 86 liegt die Gärtnerei Mussärol – die letzte Station Eures Rundweges. Das Rätsel um die Bedeutung des Wortes Mussärol habt Ihr sicher bereits im Museum gelöst. In der Gärtnerei Mussärol werden nicht nur Kräuter gehegt, gepflegt und verarbeitet, hier findet Ihr auch den einzigen professionellen Süßholzanbau Deutschlands und Nordeuropas. Mittwochs, freitags und sonnabends stehen Hofladen und Schaugarten offen.
Seit sechs Generationen ist die Gärtnerei in Familienbesitz. 1994 wurde sie von Gertrud Leumer auf ökologischen Anbau von Kräutern umgestellt und war die erste Bio-Gärtnerei Bambergs. Sie wird nachhaltig und so gut es geht klimaneutral betrieben.
Die Mussärol Bamberger Kräutergärtnerei ist eine Spezialitätengärtnerei, die Besuchern an drei Tagen in der Woche ein reichhaltiges Angebot an Pflanzen und Produkten unterbreitet. Im Schaugarten findet der Besucher über 200 verschiedene Kräuter und Duftpflanzen. Anfassen ist ausdrücklich erlaubt. Hier kann man einfach mal der Seele Ruhe gönnen und die Sinne öffnen. Zu festen Terminen gibt es Führungen und natürlich bietet der Hofladen neben Süßholz- und Kräuterprodukten auch saisonal Pflanzen an, die jeden Gärtner begeistern, so im Mai Setzlinge verschiedener Gemüsepflanzen, zum Beispiel alter Tomatensorten. Oder Kräuter aus eigenem Anbau und raffinierte Kräuterprodukte, beispielsweise den beliebten Lavendelsirup.
Seit 2020 ist der Anbau und die Verarbeitung von Süßholz als weiterer Produktionszweig in die Mussärol Bamberger Kräuter Gärtnerei integriert worden, die damit einzigartig in ganz Deutschland ist. Inzwischen können zahlreiche Verkaufsstellen wieder mit Bamberger Süßholzprodukten aus lokalem Anbau beliefert werden.
Der Rückweg führt Euch durch die Nürnberger Straße und die Josephstraße auf die Luitpoldstraße.
Auch auf dieser Etappe warten grüne Stelen mit Infos über die Geschichte des Ortes. Verschiedene Bistros und Imbiss-Möglichkeiten, aber auch Restaurants laden auf dem Weg zum Bahnhof ein, sich vor dem Heimweg noch einmal zu stärken oder die Eindrücke bei einem guten Glas Wein Revue passieren zu lassen. Zum Beispiel in der Luitpolstraße 34 die Vegan Food Rebels Bamberg und in der Nr. 55 das Cocoon Restaurant mit köstlichen asiatischen Gerichten.
Reich an Eindrücken und sicher im Besitz des einen oder anderen aromatischen oder augenschmeichelnden Mitbringsels könnt Ihr bequem mit der Bahn die Rückreise antreten.
Die Karte ist visuell optimiert und nicht barrierefrei. Als barrierefreie Alternative für alle Inhalte nutzen Sie die textbasierte Ansicht
Start/Ende
Bahnhof BambergLudwigstraße 6
96052 Bamberg