Richtenberger Str.
18311 Ribnitz-Damgarten
Auf dem Grenzfluss zwischen Mecklenburg und Vorpommern
Eine Kanutour für Naturliebhaber und Abenteurer
Unser Tipp: Bitte prüfen Sie vor Fahrtantritt Ihre Zugverbindung und die erwartete Auslastung.
Der Wasserwanderrastplatz Daskow ist gut gepflegt und verfügt über eine Anlegstelle, Campingwiese und eine Feuerstelle. Zelten ist erlaubt, ein großer Platz mit Feuerstelle vorhanden, für Gruppen geeignet. Es gibt jedoch keinerlei Ver- und Entsorgungsmöglichkeit. Nach Absprache ist es möglich die sanitären Anlagen des Anglervereins zu nutzen.
Nach weiteren etwa 2,5 Kilometern passieren Sie rechter Hand ein altes Torfstichgebiet. Sobald Sie links den Kirchturm von Pantlitz sehen, sollten Sie auf einen kleinen Stichkanal achten. In ihn münden Sie ein und sind am Ziel der stromaufwärts führenden Strecke.
Bei Flusskilometer 8,5 erreichen Sie einen Wasserwanderrastplatz ohne Komfort in wilder Natur. Achten Sie auf einen schmalen Stichkanal, wenn der Kirchturm in Sicht kommt. Landseitig erreichen Sie den Rastplatz über einen Feldweg hinter der Slawenburg, gegenüber der Feuerwehr müssen Sie auf dem Weg zur Kirche rechts abbiegen.2023 ist der Steg grundlegend erneuert worden, neue Pfähle gerammt und neue Bohlen verlegt worden.
Von dem naturbelassenen Rastplatz sehen Sie in der Nähe eine baumbestandene Erhebung in nordöstlicher Richtung. Von diesem Burgwall aus lohnt es, den Blick ins Land schweifen zu lassen. Nicht nur den Blick, auch die Phantasie schweift hier durch die Zeit zurück bis ins frühe Mittelalter, vor allem, wenn Sie bedenken, dass sich an diesem Ort einmal auch Grauseliges zugetragen hat.
Die Burganlage besteht aus einer ovalen Burginnenfläche von 35 x 45 m und einem Wall, der die gesamte Burg umschließt. Dazwischen findet sich der Burggraben, der wegen der Höhenlage stets ohne Wasserfüllung war. Der Wall bestand aus Holz und Erde und trug vermutlich eine Palisade. Wegen ihrer glatten, steilen Außenwand bot diese Konstruktion einen guten Schutz gegen Angreifer.Am 16. Oktober 955 kam es zur Schlacht an der Raxa (Recknitz). Otto I. hat 955 in der Schlacht auf dem Lechfeld gegen die Magyaren einen bedeutenden Sieg errungen. Gleichzeitig wurde aber seine Herrschaft durch einen Aufstand der Obodriten und Wilzen akut bedroht. Otto begann mit Unterstützung der Ranen, des Herzogs Boleslav von Böhmen sowie seines Sohnes Liudolf einen Feldzug zur Lösung dieses Problems. Ein Kompromissangebot der Aufständischen lehnte er ab. Schließlich kam es an der Recknitz zur Entscheidungsschlacht. Diese Schlacht, bekannt als "Schlacht an der Raxa", ist vom Geschichtsschreiber Widukind von Corvey ausführlich beschrieben worden. Sie endete mit dem Sieg Ottos. "Das Morden währte bis tief in die Nacht. Am nächsten Morgen wurde das Haupt des Stoignew (Obodritenfürst und Führer der aufständischen Slawen) auf freiem Feld aufgestellt; ringsum wurden 700 Gefangene enthauptet. Dem Ratgeber Stoignews wurden die Augen ausgestochen, die Zunge ausgerissen und dann ließ man ihn hilflos zwischen den Leichen liegen." Aufgrund der örtlichen Gegebenheiten in der Widukindschen Schilderung (Mäander der Recknitz) könnte diese Schlacht beim heutigen Pantlitz stattgefunden haben.
In südöstliche Richtung führt ein Weg durch die Felder zur Ortschaft. Gehen Sie einfach auf den Kirchturm zu, den Sie nach ca 500 Metern erreicht haben dürften. Während der Sommermonate werden Sie hier freundlich mit Kaffee und Kuchen versorgt.
Dieser neugotische Backsteinbau stammt aus dem Jahre 1869 und wurde von dem Stralsunder Architekten Ernst von Haselberg konzipiert. Von dem Vorgängerbau sind lediglich einige historische Motivscheiben erhalten. Zu DDR- Zeiten sollte die Kirche gesprengt werden. Engagierte Bürger konnten das verhindern. Allerdings ist seit dieser Zeit die Orgel ausgelagert und das ursprüngliche Gestühl durch das Gestühl aus der Damgartener Kirche ersetzt worden.In den letzten Jahren wurden mit Fördermitteln der Patronatsanbau der Kirche aufwändig saniert, ebenso die Chorfenster. In der Kirche befindet sich eine Kopie des Bildes "Anbetung der Hirten" des Niederländers Gerrit van Honthorst. Dieses Bild hat eine bewegte Geschichte hinter sich: Gestiftet von der Familie von Thun musste es aufgrund der geplanten Sprengung in den 1970ern ausgelagert werden. Es kam dann zurück und vor einigen Jahren erkannte man den wahren Wert des Bildes, dass es von einem Maler der niederländischen Schule stammt und ca. 1 Mio. Euro wert sei. Insofern wurde eine Kopie angefertigt. Das Original hängt derzeit im Pommerschen Landesmuseum in Greifswald.Einzigartig ist der Ausblick von dem Kirchturm über den alten Grenzfluss zwischen Pommern und Mecklenburg, die Recknitz und den historischen slawischen Burgwall. Für Urlauber in der Recknitzregion ist daher die Pantlitzer Kirche ein unbedingtes Ausflugsziel.Im Jahr 2006 wurde die Pantlitzer Kirche zur "Radfahrerkirche" ernannt, d.h. in den Sommermonaten von Mai bis September halten Ehrenamtliche dort Kaffee und Kuchen bereit. Wer außerhalb der Betreuungszeiten nach Pantlitz kommt, soll nicht umsonst gekommen sein. Besucherinnen und Besucher können sich das Bauwerk trotzdem auch von Innen anschauen. Der Schlüssel kann vor Ort ausgeliehen werden.
Falls Sie noch Lust auf ein Relikt der Ortsgeschichte und einen kleinen Fußmarsch haben, folgen Sie der Straße Am Burgwall und der Dammstraße etwa 500 Meter weit. Biegen Sie in der Ringstraße scharf nach rechts und Sie gelangen direkt zur Auffahrt des einstigen Gutshauses Pantlitz.
Der Ort Pantlitz ist 1347 erstmals in den Urkunden erwähnt. Das Gut Pantlitz gehörte lange Zeit zum Besitz der Familie von Mörder. Auch die von Dechows waren zeitweilig Besitzer. 1824 gelangte es durch Erbschaft an die Freiherren von Mecklenburg. Durch Zwangsverkauf fiel es ca. 100 Jahre später an den Oberamtmann Matthies, der auch Hauptpächter in Gruel war. Er war ein fortschrittlicher moderner Landwirt. 1945 flüchtete er und kam in Stralsund unter.
Pantlitz hat als weitere Sehenswürdigkeiten die beeindruckenden Überreste zweier mittelalterlicher Burganlagen und die Radfahrerkirche. Etwas abseits auf dem Friedhof befindet sich die Familiengrabstätte der Familie von Stumpfeld-Lilienanker.
Wenn Sie sich das Gutshaus angeschaut haben, bietet sich als Rückweg ein Spaziergang durch das Waldstück hinter dem Gutshaus an. Sie kommen dort hindurch auf eine Straße, der Sie Richtung Süden an Feldern entlang folgen und sich an der Kreuzung rechts wieder in die Straße Am Burgwall wenden. Auf ihr kommen Sie direkt wieder zur Radfahrer-Kirche, von der aus Sie Ihren Weg zurück zum Wasserrastplatz und ihrem Boot nehmen. Insgesamt misst dieser Rückweg vom Gutshaus etwa einen Kilometer
Die Kanu-Tour zurück – Sie werden es sehen! - wird dank der abwärtigen Strömung leichter, und wird zugleich weitere neue und schöne Blicke auf die Flora und vielleicht auch die Fauna eröffnen. Sie sehen den Hinweg jetzt aus der anderen Richtung.
Unterhalb von Daskow verbreitert sich der Fluss und erreicht Ribnitz -Damgarten. Zuerst kommt die Bahnbrücke, dann die B105. Nur nicht verpassen: Nach ca 300 Metern an der Gabelung biegen Sie rechts in den Hafen Damgarten ein. In die andere Richtung ginge es hinaus auf den Bodden – der für den Freizeit-Kanuten schon eher herber Toback ist. Sie bleiben auf der friedlicheren Recknitz.
Wieder auf festem Boden, bietet sich an, nach so viel frischer Luft und Bewegung den Ausflug mit einem kräftigenden Essen in Ronnys Gaststätte im Anglerheim zu vollenden. Hier werden auf der Hafenterrasse, mit Blick aufs Wasser frische und mit Liebe zubereitete Speisen serviert.
Durch die Schillerstraße, über die Stralsunder Chausse hinweg in die Richtenberger Straße kommen Sie nach 15 Minuten wieder am Bahnhof an und lehnen sich im Zug entspannt, gestärkt und durchsonnt zurück.
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Ribnitz-Damgarten OstRichtenberger Str.
18311 Ribnitz-Damgarten