Bahnhofsvorplatz
16278 Angermünde
Ein Stadtrundgang durch Angermünde
Ein Stadtrundgang für Barrierefrei, Kulturliebhaber und Entdecker
Unser Tipp: Bitte prüfen Sie vor Fahrtantritt Ihre Zugverbindung und die erwartete Auslastung.
Während auf der Berliner Straße der Verkehr tobt, steht auf der rechten Straßenseite die Heilig-Geist-Kapelle wie ein Fels in der Brandung. Sie gehörte einst zu dem im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Heilig-Geist-Spital. Seit Ende des 17. Jahrhunderts wird sie von der französisch-reformierten Gemeinde (Hugenotten) genutzt.
Weiter geht es durch die Rosenstraße in Richtung Stadtzentrum. In den Sommermonaten scheinen sich die Angermünder einen Wettbewerb zu liefern, wer die schönsten Geranien vor den Fenstern hat. Die Bewohner der Rosenstraße liegen da sehr weit vorn. Die Ratswaage signalisiert, dass der Markt erreicht ist.
Die Ratswaage, ein kleines Fachwerkhaus, bot vor 300 Jahren den Bauern aus der Umgebung die Möglichkeit, ihre Waren zu wiegen und damit zu einem reellen Preis zu verkaufen. Der Angermünder Markt ist weitläufig – ein Indiz für den einstigen umfangreichen und lebhaften Handel. Gesäumt wird er von teils historischen Fachwerkbauten, teils Geschäftshäusern aus den Gründerjahren. Blickfang ist ein eindrucksvolles Fachwerk-Bürgerhaus. Es ist über 250 Jahre alt und dient – nach der Sanierung – noch immer als Wohn- und Geschäftshaus.
Mitten auf dem Marktplatz steht das Rathaus von Angermünde. Es ist dem Templiner und dem Lychener ähnlich, so hatten preußische Rathäuser im 18. Jahrhundert eben auszusehen: frei auf dem Markt stehend und ein Türmchen mit goldener Krone an der Spitze. Neben der Eingangstür steht ein hölzerner Esel. Der uckermärkische Holzkünstler Karl Rätsch hat hier einen historischen Pranger-Esel nachgestaltet. Auf ihn mussten sich Betrüger und Fälscher zur Strafe setzen. Der Esel ersetzte den sonst üblichen pfahlförmigen Pranger. 1851 soll letztmalig ein Mann auf diesem Esel "geritten" sein.
Heute bietet der Markt Platz für eine mehrteilige Brunnenanlage, die seit 1999 immer mehr zu einem Wahrzeichen der Stadt wird. Es handelt sich dabei um eine Figurengruppe, die aus sechs Teilen besteht. Sie erzählen mit Humor Geschichten aus dem Leben Angermündes. Da ist der Stuhl, der zum Ausruhen einlädt, aber schon mit Gemüse belegt ist; eine Katze, die in aller Ruhe ihre Mäuse zählt; die Fische und Gewichte; die prall gefüllte Werkzeugkiste in einer Mauerecke; dann die Frau und der Mann, die fragend umherschauen. Das eigentliche Brunnenbecken ist ein alter, gestrandeter Kahn. Aus seinen Löchern fließt das Wasser. Ausgedacht hat ihn sich der uckermärkische Bildhauer Christian Uhlig.
Hinter dem Rathaus stoßen wir auf den Hohen Steinweg. Nach rechts führt der Weg zur Kirchgasse, durch die Sie zur St. Marienkirche gelangen. Ihr wuchtiger 53 Meter hoher Turm war bereits von vielen Punkten der Stadt aus zu sehen.
Die St. Marienkirche Angermünde wurde um 1250 als Stadtpfarrkirche fertiggestellt und ist noch weitgehend in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten. Da der Norden Brandenburgs (Uckermark und Prignitz) "steinreich" ist, wurde als Baumaterial für die Kirche Feldstein (Granit) benutzt, ein Baumaterial, welches es vor Ort reichlich gab. In der Eiszeit wurde es hier abgelagert. Der Granit wurde für den Bau der Kirche zu etwa gleich großen regelmäßigen Quadern behauen und in gleich hohen Schichten aufgemauert. Granit ist ein sehr beständiges und widerstandsfähiges Material, das gerne für den Bau von Wehrkirchen verwendet wurde. Was Martin Luther mit dem Choral "Ein feste Burg ist unser Gott" beschrieb, wurde so auch von der Kirche bzw. deren Turm verstanden. Auch die Angermünder Kirche wurde in dieser bevorzugten Bauweise und im romanischen Stil mit Langhaus und Chor in der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtet. Etwa 100 Jahre später wurde mit der Gotisierung des Gebäudes begonnen: Die Einwölbung und die größeren Fenster zeugen noch heute davon.
In alter Zeit hatte die Kirche bis zu 17 Nebenaltäre, ein großes Triumphkreuz mit neun Heiligenfiguren und einen Renaissance-Altar von 1600. In der nachreformatorischen Zeit und 1867 wurden alle Wandmalereien übertüncht. 1909 wurde die Kirche mit gotisierenden Motiven in dunkel wirkenden Farbtönen ausgemalt. Das Gestühl, der Altar mit einer Rubenskopie und die Kanzel stammen aus der Renovierung von 1867.
Die letzte Restaurierung hat 1978 die Farbgestaltung von 1526 zugrundegelegt, ihre alten Farben und Ornamente wurden vorsichtig aufgefrischt bzw. retuschiert. Die Fenster hinter dem Altar stammen aus der Zeit des Jugendstils. Eines der südlichen Chorfenster ist aus Fensterfragmenten zusammengesetzt, offenbar nach Bombenschäden von 1945. Das Angermünder Stadtwappen mit dem Datum "26. April 1945", in einem Südfenster des Schiffes, weist auf das Ende des Zweiten Weltkrieges und der kampflosen Übergabe von Angermünde hin.
Erhalten gebliebene Teile des Renaissance-Altars wurden in der Nordkapelle, der Winterkirche, aufgestellt. Weiterhin sind der bronzene Taufkessel (Mitte des 14. Jh.), der Schatzkasten (Ende 13. Jh.), der Stammbaum der Familie Krummkrüger aus Sandstein (17. Jh. ) und die Wagnerorgel (1742-1744) erhalten geblieben. Die Wagnerorgel ist eine der schönsten Barockorgeln im Osten Deutschlands. Sie hat 30 Register und als äußeres Beiwerk zwei Zimbelsterne, zwei Trompetenbläser, zwei Tremulanten und zwei Pauken, die von den dazugehörigen Engeln geschlagen werden. Dazu hat sie ca. 2000 klingende Pfeifen. Sie erklingt in jedem Gottesdienst oder zu den Angermünder Sommerkonzerten.
Angebote:
„ORGELFÜHRUNG“
Sie werden in die Geschichte und Technik der Orgel und des Orgelbaus eingeführt. Der Organist bringt mit erklärenden Worten die facettenreiche Klangpracht und Klangvielfalt mit lebendiger Interpretation zum Ausdruck. Ganzjährig für Gruppen
Information/ Buchung:
Tourismusverein Angermünde e.V.
Tel.: 03331 297660
info@angermuende-tourismus.de
www.angermuende-tourismus.de/orgelfuehrung
Preise:
Mindestpreis für unter 20 Personen 120,00 EUR
ab 20 Personen 6,00 EUR p.P.
Durch die Kirchgasse gelangen Sie nun zur Berliner Straße. Sie wenden sich nach rechts und folgen der Straße stadtauswärts. Jenseits einer großen Kreuzung geht es weiter am Schlosswall entlang. Sie erleben die Reste einer alten Burg.
Außerhalb ihrer Stadtmauern besaß die Stadt Angermünde direkt am Mündesee eine Burg. Nur wenig ist davon noch erhalten. Aber die Reste der Mauer sind beeindruckend genug. Wo einst die Burgwälle Angreifer abwehren sollten, ist inzwischen eine Uferpromenade entstanden, um die man Angermünde beneiden kann. Früher wuschen die Angermünder Frauen hier ihre Wäsche, heute gönnen sie sich an dieser Stelle einen erholsamen Blick über den See.
Nicht zu übersehen, stehen hier Steinplastiken, die aus zentnerschweren Findlingen zusammengefügt wurden. Ab 1997 richtete Angermünde "Hartgesteinsymposien" aus, zu denen Bildhauer aus ganz Europa anreisten. Sie schufen dann aus den eiszeitlichen Granitsteinen Kunstwerke. Diese Skulpturen an der Mündeseepromenade können bewundert, bestaunt oder auch belächelt werden. Auf jeden Fall laden die Skulpturen ein, die Landschaft auf neue Weise zu entdecken.
Am Mündesee angelangt, biegen Sie nach rechts ein und folgen dem Rad-/Fußweg, der am Ufer des Sees entlangführt, bis zur Einmündung der Wasserstraße. Wieder weg vom See Richtung Stadt biegen Sie am Hotel am Seetor links ab und folgen der Jägerstraße.
Die Martinskirche ist erst rund 150 Jahre alt. Es war das turmlose Gebetshaus der Altlutheraner, die sich der von oben verfügten Vereinigung von lutherischer und reformierter Kirche widersetzten. Nur ein paar Schritte weiter: Jägerstraße 28, das Scharfrichterhaus. Es verliert seinen Schrecken, wenn man weiß, dass der Scharfrichter sein Geld vor allem mit der Abdeckerei, das heißt der Beseitigung von Tierkadavern, verdiente.
Durch die Richtstraße und in der Fortsetzung durch die Schleusenstraße treffen Sie auf die Klosterstraße. Schauen Sie nach rechts, sehen Sie das nächste Ziel, die Franziskaner-Klosterkirche.
Das Kloster Angermünde ist ab sofort für eine vorerst unbestimmte Zeit geschlossen und darf nicht betreten werden!
Mitten im liebevoll sanierten historischen Stadtkern öffnet in der Zeit vom Mai bis Oktober die mehr als 700 Jahre alte beeindruckende Franziskaner Klosterkirche ihre Pforten. Die Klosterkirche als einzig erhaltenes Gebäude der ehemaligen imposanten Klosteranlage gewährt beeindruckende Einblicke in die Architektur früherer Epochen. Der Backsteinlettner und die asymmetrisch zweischiffige Hallenkirche sind für Brandenburger Klosterkirchen etwas Besonderes. Heute ist die Klosterkirche als bedeutendes Bauwerk der norddeutschen Bettelordengotik und Kulturstätte weit über die Grenzen der Uckermark hinaus bekannt.
Von Mai bis September verwandeln sich Klosterkirche und Klosterplatz in eine „Musik- und Theaterbühne“. Der „Angermünder Klostersommer“ bietet ein vielseitiges Programm, Theaterführungen wie die Aben(d)teuerliche Ketzerführungen und die Führung "Mägde, Macht und Glaubensstreit" - Angermünde durch die Zeit, Sommertheater, Musik und Kunst unterschiedlicher Genre.
Der Weg führt nun hinter der Klosterkirche entlang der alten Stadtmauer zum Pulverturm. Befestigt ist er mit Granitsteinpflaster und dadurch etwas holprig.
Entlang der Gasse am Pulverturm steht noch ein Stück der einst 2,7 Kilometer langen Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert. Bei ihr besteht lediglich der Sockel aus Feldsteinen – alles darüber wurde aus Backsteinen gemauert. Mit der Ausdehnung der Stadt verschwand die Mauer bis auf wenige Reste und mit ihr auch die vier Stadttore. Erhalten hat sich allerdings der Pulverturm. Dieser ist 21 Meter hoch und reicht 3,50 Meter in die Tiefe. Seit 1850 nisten auf seiner Spitze Störche.
Sie folgen nun weiter dem Weg bis Sie wieder auf der Berliner Straße stehen, die Sie vom Anfang der Tour kennen. Nun ist es nicht mehr weit zum Bahnhof.
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