Europaplatz 1
10557 Berlin
Entlang des ehemaligen Todesstreifens auf dem Berliner-Mauer-Radweg
Eine Radtour für Kulturliebhaber
Entspannt anreisen und Leihräder bei den Vermietern vor Ort nutzen. Die Kapazitäten für die Fahrradmitnahme in den Züge sind begrenzt und eine Mitnahme des eigenen Rads kann je nach Auslastung nicht garantiert werden.
Unser Tipp: Bitte prüfen Sie vor Fahrtantritt Ihre Zugverbindung und die erwartete Auslastung.
Der Berliner Hauptbahnhof ist ein riesiges Verkehrskreuz samt Shoppingmall, das sich über mehrere Ebenen erstreckt. Er gilt daher als Turmbahnhof. Kein anderer Kreuzungsbahnhof in Europa erreicht die Größe wie dieser 2007 in Betrieb genommene. Von hier aus gibt es Anschlüsse zu S- und U-Bahn, zur Straßenbahn und zum Bus-Netz. Sogar ein Spree-Hafen ist in der Nähe, dazu Taxis und Leihfahrräder.
Ursprünglich befand sich hier der Lehrter Bahnhof, einer von acht Berliner Kopfbahnhöfen, von dem aus die Züge in Richtung Hannover abgingen. Während der Zeit der Teilung Berlins war er nur noch eine Station der S-Bahn, jedoch eine wichtige: Sie war die letzte auf Westberliner Gebiet. Auf der Fahrt zum Ostberliner Bahnhof Friedrichstraße durchfuhren die Bahnen auf den Gleisen der Stadtbahn einen streng bewachten Korridor.
Verlassen Sie den Hauptbahnhof durch den Nordausgang. Hier befindet sich die Deezer/nexbike-Fahrradausleihstation, genau richtig für die folgende Tour.
Für eine kurze Wegstrecke folgen Sie der Invalidenstraße nach Osten. Sie kommen vorbei am Hamburger Bahnhof, der heute als vielbesuchte Galerie für moderne Kunst dient. Dann folgt die Sandkrugbrücke, auf der sich ein Grenzübergang befand. Jenseits der Brücke beginnt rechts das Gelände der Charité. Eine Tafel erinnert daran, dass hier wenige Tage nach der Grenzabriegelung Günter Litfin zum ersten Todesopfer an der Mauer wurde. Links führt zwischen dem Gebäude des Wirtschaftsministeriums – erbaut um 1900 als kaiserliche Militärarzt-Akademie – und dem Spandauer Schifffahrtskanal eine Uferpromenade nach Norden. Sie folgt der Wasserstraße, die in der Innenstadt die Spree und die Havel verbindet. Hier, wo die Mauer entlang des Ufers verlief, radeln Sie abseits vom Großstadtverkehr zum Invalidenfriedhof.
Aus mehreren Gründen ist Berlins ältester erhaltener Friedhof einen Halt wert. Das Gräberfeld befand sich zwischen 1961 und 1989 im berüchtigten „Todesstreifen“. Kein Wunder, dass die Anlage verfiel. Erst nach dem Ende der Teilung konnte der Friedhof teilweise restauriert werden. Von den ursprünglich 3000 Gräbern blieben jedoch nur 200 erhalten. Aber auch dieses Fragment zeugt noch von preußischer Geschichte. Er wurde unter Friedrich dem Großen nach dem Zweiten Schlesischen Krieg als Soldatenfriedhof angelegt. Später wurden hier viele Helden der Befreiungskriege gegen Napoleon beigesetzt. Darunter der Heeresreformer Gerhard von Scharnhorst. Sein von Friedrich Schinkel entworfenes Grabmal mit einem ruhenden Löwen ist die bedeutendste Erinnerungsstätte. Im Band „Spreeland“ seiner „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ hat Theodor Fontane diesem Begräbnisplatz ein eigenes Kapitel gewidmet.
Nächstes Ziel der Tour wird das Grab Theodor Fontanes sein.
Auf dem Weg dorthin kommen Sie in der Kieler Straße an einem Wachturm aus der Zeit der Mauer vorbei. Er diente nicht nur als Ausguck zur Verhinderung von Grenzdurchbrüchen, sondern war zudem eine von 32 Führungsstellen entlang der rund 160 Kilometer langen Grenze. Der Bruder des ersten Mauertoten hat dort einen Erinnerungsort geschaffen, der besichtigt werden kann. Am Gelände des Bundeswehrkrankenhauses vorbei führt die Tour entlang der Ida-von-Arnim-Straße zur viel befahrenen Chausseestraße. Auf der Höhe eines früheren Grenzübergangs überqueren Sie die Straße und folgen der Liesenstraße. Im 19. Jahrhundert wurden hier vier Friedhöfe für verschiedene Konfessionen angelegt. Auch sie gerieten in den Zeiten der Berliner Mauer in den Bereich der Grenzbefestigungen und konnten nur mit speziellem Passierschein besucht werden. Das traf auch auf das Grab Theodor Fontanes zu. Gegenüber der Hausnummer 12 in der Liesenstraße befindet sich der Eingang zum Friedhof II der Französisch-Reformierten Gemeinde.
Weil wir heute den Namen des großen Romanciers und Theodor Fontane in deutscher Diktion aussprechen, wird gern vergessen, dass der Dichter einer hugenottischen Familie entstammt und sein Name somit aus dem Französischen kommt. So versteht sich auch, dass er und seine Ehefrau auf dem Friedhof der Französisch-Reformierten Kirchgemeinde begraben wurden. Das Grab ist ab Friedhofseingang ausgeschildert und somit leicht zu finden. Es besteht aus zwei schwarzen Granitsteinen. Die ursprüngliche Ruhestätte wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und danach wiederhergestellt.
Seit rund zehn Jahren befindet sich in der ehemaligen Friedhofskapelle eine Fontane-Gedenkstätte mit einer Dauerausstellung zu Leben und Werk des Dichters. Mo–Do 9- 16, Fr 9–15 Uhr geöffnet. Sehenswert sind auch weitere Grabmäler von Hugenotten, die für Berlin eine wichtige Rolle spielten. Um 1700 sprach jeder vierte Berliner ihre Sprache.
Der folgende Weg durch die Liesenstraße führt an weiteren Friedhöfen und Resten der Berliner Mauer vorbei zu den denkmalgeschützten Liesenbrücken. Es handelt sich dabei um zwei außer Betrieb gestellte Eisenbahnbrücken aus dem 19. Jahrhundert. Die filigranen Stahlgitter sind außergewöhnliche Industriedenkmale. Sie überspannen einen Kreisverkehr, von dem in südlicher Richtung die Gartenstraße abgeht. Nach fast einem Kilometer ist die Bernauer Straße erreicht.
Die Bernauer Straße erlangte in den Tagen nach dem Mauerbau traurige Berühmtheit, als vor laufenden Kameras Menschen aus den in Ostberlin gelegenen Wohnhäusern auf den bereits zum Westen gehörenden Gehweg sprangen. Hier war es auch, wo zwei Tage nach der Abriegelung ein NVA-Soldat über einen Stacheldrahtverhau in den Westen sprang. Sein Foto ging um die Welt. Es ist also der richtige Ort für eine Gedenkstätte zur Berliner Mauer als zentralem Erinnerungsort an die deutsche Teilung im Zentrum der Hauptstadt. Auf ihrem Areal befindet sich das letzte Stück der „Berliner Mauer“ genannten Grenzbefestigung, das in seiner Tiefenstaffelung erhalten geblieben ist. Die Gedenkstätte besteht ferner aus dem Besucherzentrum, einem Dokumentationszentrum, der Kapelle der Versöhnung, dem Fenster des Gedenkens und dem nationalen Denkmal. Von einem Aussichtsturm am Dokumentationszentrum aus bietet sich ein weiter Blick über das Gedenkstättenareal entlang der Bernauer Straße. Im Juni 1990 begann am symbolischen Ort der Bernauer Straße der offizielle Abriss der Berliner Mauer.
Achten Sie bei der weiteren Fahrt auf dem Weg parallel der Bernauer Straße auf die im Boden eingelassenen „Ereignismarken“ Sie weisen auf Fluchtorte oder Protestaktionen hin. So wird auf diese Weise der Verlauf von zwei Fluchttunneln nachgezeichnet. Zwischen 1962 und 1971 gab es in diesem Bereich mindestens zehn Fluchttunnel. Durch den legendären „Tunnel 57“ gelangten im Oktober 1964 innerhalb von zwei Nächten 57 Menschen in den Westen. Der Verein Berliner Unterwelten bietet unter dem Motto „unterirdisch in die Freiheit“ Führungen durch einen der erhaltenen Fluchttunnel an: berliner unterwelten.de. An der Schwedter Straße gelangen Sie wieder zur verkehrsreichen Bernauer Straße, die Sie überqueren. Sie stehen am Eingang einer weiteren Berliner Sehenswürdigkeit.
Aus einem Insidertipp hat sich der Mauerpark in wenigen Jahren zum angesagten Treffpunkt für Einheimische und Besucher entwickelt. Kein Reiseführer verzichtet mehr auf ihn. Auf einer Freilichtbühne kann sich präsentieren, wer will (mit Karaoke zum Beispiel), man kann sonntags in einem urigen Flohmarkt kramen oder einfach auf den Wiesen abhängen. Musizieren, Trommeln, Jonglieren, Meditieren sind typische Aktivitäten. Der Mauerpark entstand längs des berüchtigten Todesstreifens und auf dem Gelände eines nicht mehr genutzten Güterbahnhofs zwischen den gerade bei jungen Leuten beliebten Stadtteilen Prenzlauer Berg und Wedding. Kinder zieht es vor allem in den Kinderbauernhof „Moritzhof“. Sportliche toben sich an Kletterwänden aus. Durch Einbeziehung weiterer Flächen hat der Mauerpark in jüngster Zeit an Größe gewonnen.
Am Rand des Mauerparks geht es sehr sportlich zu. Hier befinden sich der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark und – ein Stück weiter – die Max-Schmeling-Halle, die 1996 noch von ihrem legendären Namensgeber – Max Schmeling war zwischen 1930 und 1932 deutscher Schwergewichts-Boxweltmeister – eingeweiht werden konnte. Die Halle ist heute Heimspielstätte der BERLIN RECYCLING Volleys und des Handball-Erstligisten Füchse Berlin. Sie verlassen den Mauerpark über den Schwedter Steg. Die filigrane, nur für Fußgänger und Radfahrer zugelassene Hängebrücke überspannt mit ihren 209 Metern Länge mehrere Eisenbahn- und S-Bahn-Gleise und endet auf der Behmbrücke. Nach ein paar Metern gelangen Sie zur Norwegerstraße. Sie führt zur Bornholmer Straße genau an der Stelle, an der sich einer der prägendsten Erinnerungsorte der deutschen Geschichte befindet: der Grenzübergang Bornholmer Straße.
Im Westen der Bornholmer Straße steht seit 1916 eine stählerne Brücke. Sie hieß ursprünglich Hindenburgbrücke und erhielt 1948 den Namen des Antifaschisten Wilhelm Böse, der 1944 ermordet wurde. Heute wird sie oft, aber fälschlich, als Bornholmer Brücke bezeichnet. Hier, am nördlichsten der sieben innerstädtischen Grenzübergänge, strömten in den späten Abendstunden des 9. November 1989 mindestens 20.000 Ostberliner in den Westen.
Allein durch ihre Menge erzwangen sie die Öffnung der Schranken, um von dem kurz zuvor verkündeten „Recht der freien Ausreise“ Gebrauch zu machen. Die meisten kamen zu Fuß, viele aber auch mit ihrem Trabbi. Die Bilder vom nächtlichen „Trabbiklatschen“ gingen um die Welt. Daher gilt der Grenzübergang an der Bornholmer Straße als der Ort, an dem die Mauer fiel. Eine Gedenktafel erinnert daran: „An der Brücke Bornholmer Straße öffnete sich in der Nacht vom 9. zum 10. November 1989 erstmals seit dem 13. August 1961 die Mauer. Die Berliner kamen wieder zusammen.“ Seit 1995 fährt über die Bösebrücke wieder die Straßenbahn, nachdem seit 1967 in Westberlin die letzte Tram-Strecke stillgelegt worden war.
Unterhalb der Bösebrücke befindet sich die S-Bahn-Station „Bornholmer Straße“. Sie empfiehlt sich für die Rückfahrt ins Berliner Zentrum. Unser Tipp: Mit S1 oder S2 bis Nordbahnhof – von dort ist es mit dem Fahrrad nicht weit bis zum Hauptbahnhof. Wer zu Fuß ist, nutzt für die letzte Wegstrecke die Tram M10. Der Weg führt vorbei am Museum für Naturkunde.
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Berlin HauptbahnhofEuropaplatz 1
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