Willy-Brandt-Platz
04109 Leipzig
Wandern von Leipzig nach Eilenburg
Eine Wandertour für Naturliebhaber und Kulturliebhaber
Unser Tipp: Bitte prüfen Sie vor Fahrtantritt Ihre Zugverbindung und die erwartete Auslastung.
Errichtet im 12. Jahrhundert und oft umgebaut ist sie neben der Nikolaikirche eine der beiden Hauptkirchen in Leipzig. Mit seiner Predigt am Pfingstsonntag 1539 führte Martin Luther in Leipzig die Reformation ein. Eine Gedenktafel an einer Säule im Kirchenschiff erinnert an dieses geschichtliche Ereignis. Die Thomaskirche ist auch untrennbar mit dem Johann Sebastian Bach verbunden. Seit über 800 Jahren hat der Thomanerchor hier seine Heimat und von 1743 bis 1750 wirkte Bach als Thomaskantor. Seine Gebeine liegen seit 1950 unter der bronzenen Grabplatte. Die Fenster auf der Südseite zeigen neben Bach u.a. auch Luther mit der Bibel und Melanchthon.
Jeden Mittwoch um 11.15 Uhr gibt es eine öffentliche Führung durch die Kirche.
Nur einen Steinwurf ist es von hier zum Auerbachs Keller unter der Mädler Passage.
Auerbachs Keller unter der Mädler-Passage ist wohl die bekannteste Gaststätte in Leipzig. Ihr Gründer war der Leipziger Arzt und Hochschullehrer Dr. Heinrich Stromer. Der Arzt beschäftigte sich u.a. mit der Pest und empfahl zum Schutz vor der Seuche gesunde Getränke wie Wein und Bier. Dafür richtete er 1525 im Weinkeller seines Hauses einen Ausschank vor allem für seine Studenten ein. Auch Luther war hier oft zu Gast. Der Arzt wurde Luthers Freund und ließ den Reformator heimlich in seinem Hause übernachten, um ihn vor seinen Feinden zu schützen.
Die späteren Wirtsleute entwickelten den Weinkeller zu einem beliebten gastronomischen Treffpunkt. Bekannt wurde Auerbachs Keller vor allem durch Johann Wolfgang von Goethe, der hier als Student oft saß und später eine Szene seines „Faust“ in Auerbachs Keller verlegte.
Mit dem Bau des Messehauses Mädler-Passage 1913 über dem Keller wurde dieser noch erweitert. Heute besteht er aus den vier historischen Weinstuben – Lutherstube mit dem Gemälde „Begegnung zwischen Martin Luther und Heinrich Stromer”, Fasskeller, Goethe-Zimmer und Alt-Leipzig – sowie dem Großen Keller. Der Eingang zu Auerbachs Keller in der Mädler-Passage ist leicht zu finden: Hier steht die Doppel-Statue „Mephisto verzaubert die Studenten“.
Wandern Sie nun aus Leipzig heraus in nordwestlicher Richtung über Schützenstraße, Rosa-Luxemburg-Straße, B2, die dann zur B6 wird nach Leipzig-Schönefeld. Hier geht es entlang des Flüsschens Parthe durch den Abtnaundorfer Park mit Teich. Sie unterqueren die Bahnanlagen in Leipzig-Thekla und gelangen zum Naturbad Nordost, das im Volksmund nur „Bagger” heißt. Der See ist kein offizielles Badegewässer, wird aber im Sommer gern zum Abkühlen genutzt. Das können Sie übrigens auch im „Eiskaffee Am Bagger” und in den „Seeterrassen”.
Da es keine Freude ist, entlang vielbefahrener Straßen zu laufen, führt der Lutherweg auf kleinen Nebenstraßen weiter. Sie unterqueren die A14 und laufen durch ein schönes Waldgebiet der Parthenaue – hier schlängelt sich das Flüsschen Parthe entlang. Sie passieren Leipzig-Portitz und Leipzig-Plaußig und wandern – vorbei am Naturdenkmal Seegeritzer Pappel – durch das Dorf Seegeritz, das bereits zu Taucha gehört. Wer genug Zeit und Ausdauer hat, kann hier einen rund 4,4 Kilometer langen Abstecher (hin und zurück) ins Zentrum von Taucha einplanen: Der Seegeritzer Weg und die Graßdorfer Straße bringen Sie zum interessanten Rittergutschloss Taucha.
Das Tauchaer Rittergutsschloss ist einer der ältesten Rundlinge Sachsens. Bereits vor über 1.000 Jahren stand an gleicher Stelle eine von den Slawen errichtete Burg, die ab 1220 neu gebaut wurde und ab 1542 durch den Feudalherren Wilhelm v. Haugwitz schlossähnlichen Charakter erhielt. Quellen geben an, dass die Mutter Katharina von Boras (Ehefrau von Martin Luther) eine von Haugwitz war. Mehrfach besuchte der sächsische Kurfürst Johann Georg I das 17.000 Quadratmeter große Areal, dessen Grundfläche sich im Laufe der Jahrhunderte kaum verändert hat.
Während des Dreißigjährigen Krieges übernachtete 1706 der schwedische König Karl XII. hier auf seinem Weg nach Altrandstädt zur Unterzeichnung des Friedensvertrages nach dem Großen Nordischen Krieg. Zur Völkerschlacht bei Leipzig 1813 diente der Schlossturm als Beobachtungspunkt auf die Schlachtfelder. Das Schloss selbst wurde zum Lazarett für über 1.000 verwundete preußische, sächsische, französische und russische Soldaten und Offiziere. Von 2000 bis 2008 wurde das Areal baulich gesichert. Parallel dazu begann die Sanierung erster Gebäudeteile, der historische Weinberg wurde rekultiviert, der Schlossbrunnen wiederentdeckt. Weitere Sanierungsarbeiten sind für die kommenden Jahre geplant.
Heute finden in der Saison viele Veranstaltungen statt: Kunstausstellungen in der Schlossgalerie, Freiluftveranstaltungen wie die Tauchaer Rocknacht und das Internationale Festival für Maultrommel- und Weltmusik, Lesungen und Mittelalterabende, Konzerte und Theater, der Mittelalterliche Weihnachtsmarkt immer am 1. Adventswochenende sowie private Feiern wie Hochzeiten und Firmenjubiläen.
Das Rittergutsmuseum ist jeden 4. Sonntag des Monats für Besucher geöffnet sowie nach Voranmeldung. Gern können Führungen zuvor telefonisch abgesprochen werden.
Zurück auf dem Lutherweg passieren Sie nun den Statitzteich, ein Waldgebiet sowie Gleisanlagen und gelangen parallel zur Bahntrasse durch einen Wald nach Pönitz. An Feldern vorbei laufen Sie schließlich durch Gordemitz, Weltewitz und Wölpern, die allesamt zu Jesewitz gehören. Atmen Sie tief durch und mobilisieren Sie die letzten Kräfte – auf der Leipziger Landstraße und der Bergstraße gelangen Sie nun nach Eilenburg. Hier ist der sagenumwobene Schlossberg Ihr erster Anlaufpunkt. Vor dem Tor zum Burggelände steht die Evangelische Kirche St. Marien. Luther hielt sich zwischen 1518 und 1545 mehrfach in der Muldenstadt Eilenburg auf und predigte in dieser Bergkirche und in der Stadtkirche St. Nikolai.
Auf dem rund fünf Hektar großen, bewaldeten Plateau über der Stadt Eilenburg stand einst die Ilburg der Eilenburger Grafen. Im Jahre 961 war erstmals von der Burg die Rede, was heute als Gründungsjahr der Stadt gilt. Der Burgberg mit der Ilburg ist der Ursprungsort der Sage von den Heinzelmännchen. Es heißt, das kleine Volk feierte auf der Ilburg heimlich Hochzeit. Geweckt vom Lärm, wurde der alte Graf jedoch freundlich zum Fest eingeladen. Nur er und niemand anderes durfte die Heinzelmännchen je erblicken. Weil aber die alte Gräfin der lustigen Gesellschaft heimlich zusah, verwünschten die Heinzelmännchen das Geschlecht derer von Eilenburg.
Die Burg gibt es nicht mehr, erhalten geblieben und in den letzten Jahren restauriert wurden das alte Burgtor, die Ringmauer und zwei mächtige Türme, der begehbare Sorbenturm und der Kleine Bergfried. Der 16 Meter hohe Sorbenturm ist bereits seit 1863 Aussichtsturm. In dem einstigen Wohnturm werden heute auch Ausstellungen gezeigt. Am 30 Meter hohen Kleinen Bergfried erstreckt sich das barocke, noch unsanierte Amtshaus, das vermutlich um 1700 aus den Trümmern des Schlosses errichtet wurde. Das alte Gefängnis an der Burgmauer wurde saniert und beherbergt heute als schmuckes Hotel „Heinzelberge“ Gäste der Stadt.
Vom Schlossberg führt der Lutherweg hinunter ins Stadtzentrum zum Marktplatz mit Rathaus, Marktbrunnen und Stadtkirche St. Nikolai.
Die mächtige dreischiffige Hallenkirche aus Backstein gleich neben dem Rathaus wurde ab 1444 errichtet, da der Vorgängerbau einem Großbrand zum Opfer fiel. Weitere Brände und auch Hochwasser der nahen Mulde hinterließen an dem sakralen Bau immer wieder Spuren.
Das Kirchenschiff misst 56 mal 31 Meter. Weithin sichtbar ist der 63 Meter hohe Turm. Zum Ende des Mittelalters war die Eilenburger Kirche ein beliebter Wallfahrtsort.
Martin Luther führte hier 1522 den ersten evangelischen Prediger in sein Amt ein. Im Dreißigjährigen Krieg rettete der Eilenburger Pfarrer und Liederdichter Martin Rinckart (1586–1649) mit einem Bittgottesdienst die Stadt vor der Ausplünderung durch schwedische Truppen im Jahre 1639. Bekannt ist sein Choral „Nun danket alle Gott”. 1945 schwer zerstört, wird die Kirche nach und nach wieder aufgebaut.
Einmal über die Straße – und schon stehen Sie vor dem Eilenburger Stadtmuseum, das auch die Tourist-Information der Stadt beherbergt. Im Museum finden Sie wahre Schätze aus der Zeit der Reformation wie eine Lutherbibel, Eilenburger Reformationsdrucke und eine Ablassurkunde von 1518 für die Stadtkirche, die in Rom ausgestellt wurde. Auf dem Gemälde „Reformation in Eilenburg“ hat der Wöllnauer Maler Volker Pohlenz unter anderem die Druckerei des Nikolaus Widemar der Muldestadt verewigt, in der einst die meisten Schriften Thomas Müntzers gedruckt wurden. Müntzer war zu Beginn der Refomation ein Wegbegleiter von Martin Luther. Doch dessen reformatorische Ideen gingen Müntzer nicht weit genug.
Das Eilenburger Museum präsentiert im traditionsreichen Roten Hirsch die wechselvolle 1.000-jährige Geschichte der Muldenstadt. Besondere Exponate sind der Silberschatz von Hohenprießnitz und Briefe von Martin Luther, der oft in Eilenburg weilte. Im Dachgeschoss der einstigen Nobelherberge hat eine beeindruckende Sammlung historischer Puppenstuben und ihrer Bewohner Platz gefunden. Wie lernte man in der Schule anno 1925? Das Museum verrät es: In einem Klassenzimmer aus dieser Zeit können Gruppen auf Anmeldung eine historische Schulstunde miterleben.
Das Museum zeigt auch einen Teil des Schatzes, der bei Grabungen in den riesigen Bergkellern entdeckt wurde: eine Keramikflasche mit 612 Münzen. Bei einer Führung durch die labyrinthartigen Bergkeller öffnet das Museumsteam unscheinbare Türen zu einem Reich, das wie geschaffen ist für Mär und Mythen. Denn immer wieder wurde vom „kleinen Volk“ in den Bergkellern erzählt.
Regelmäßig werden öffentliche Exkursionen in die Eilenburger Unterwelt angeboten. Die aktuellen Termine sind im Internet unter www.eilenburg.de zu finden. Gruppen können sich zu dem einstündigen Rundgang auch zu anderen Zeiten in der Tourist-Information anmelden.
Hier endet nun Ihre Wanderstrecke auf dem Lutherweg. Zum Eilenburger Bahnhof gelangen Sie über die August-Fritsche-Str. und Schulstraße. Wo die Bahnhofstraße beginnt, können Sie rechter Hand in den Stadtpark einschwenken. Ein Hauptweg führt Sie direkt zum Bahnhof. Falls Sie jedoch noch mehr Lust auf die Besonderheiten dieser Stadt haben, dann hängen Sie doch noch einen Tag ran. Sehr spannend ist nämlich die Tour „Die sagenhaften Bergkeller von Eilenburg”, zu finden hier in der App. Übernachtungsmöglichkeiten verrät Ihnen die Tourist-Information.
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