Potsdamer Platz
10785 Berlin
Mit dem Fahrrad durch die Berliner Industriekultur
Eine Radtour für Familien, Kulturliebhaber und Entdecker
Entspannt anreisen und Leihräder bei den Vermietern vor Ort nutzen. Die Kapazitäten für die Fahrradmitnahme in den Züge sind begrenzt und eine Mitnahme des eigenen Rads kann je nach Auslastung nicht garantiert werden.
Unser Tipp: Bitte prüfen Sie vor Fahrtantritt Ihre Zugverbindung und die erwartete Auslastung.
Eingeklemmt zwischen Neubauten finden Sie das älteste Bauwerk der kommerziellen Stromerzeugung in Deutschland. Die jungen städtischen Elektrizitätswerke bauten hier 1885 eine der beiden ersten imposanten Berliner Zentralstationen. Sie versorgte den Potsdamer Platz und die Straßenbeleuchtung unter den Linden mit Strom, später auch die erste elektrische Straßenbahn und die S-Bahn.
Wegen der sich überschlagenden technischen Entwicklungen musste bis Mitte der 1920er-Jahre gleich zwei Mal in dieser beengten Lage umgebaut werden. Der Hochspannungsstrom kam nun vom Stadtrand und wurde hier für das örtliche Netz auf niedrige Voltzahlen abgespannt. Es entstand ein beeindruckendes Gebäudeensemble mit dem markanten dreifach nach oben auskragenden Viertelkreis des Gebäudes der früheren Schaltwarte.
Wenn Sie Ihr Rad zwischen den neun Stockwerken tiefroten Backsteins hindurchschieben, kommt Ihnen dieser Ort vielleicht aus einem anderen Grund bekannt vor. Nach Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg und der Stilllegung 1988 wurde das Gebäude noch einmal zur Avantgarde. Das E-Werk gilt als einer der Clubs, von dem aus sich eine Musik, die ohne Elektrizität nicht denkbar wäre, in die ganze Welt verbreitete: Techno.
Sie fahren die Wilhelmstraße entlang bis zur Spree. Dort halten Sie sich links und folgen dem Wasser: Schiffbauerdamm, Kapelle-Ufer und vor dem Hauptbahnhof rechts am Alexanderufer nordwärts. An der Seller Brücke riskieren Sie einen Blick über das Nordhafen-Vorbecken auf das ehemalige Umspannwerk Scharnhorst. Leider ist von dieser Seite aus die verglaste Lichtwarte oben auf dem Gebäude nicht zu erkennen. Von dort aus wurde bis in die 1940er-Jahre die Straßenbeleuchtung Berlins überwacht. Ein Mitarbeiter entschied jeden Abend neu, wann es Zeit war, die Straßenlaternen einzuschalten. Sie wenden dem Wasser den Rücken zu und fahren weiter über die Boyen- und Liesenstraße zur Fabrikstadt der AEG an der Gustav-Meyer-Allee.
Die „Allgemeine Elektricitäts Gesellschaft (AEG)“ und der Aufstieg Berlins zur Industriemetropole sind eng miteinander verknüpft. Am Ende des 19. Jahrhunderts lag die Zukunft in der Elektrotechnik und die AEG wuchs schnell. Auf dem enormen Gelände am Humboldthain wurden elektrische Geräte produziert, aber auch Motoren, Maschinen und Eisenbahnmaterial.
Unsichtbar verborgen unter der „Fabrikstadt“ liegt der Mitte der 1890er-Jahre gebohrte erste U-Bahntunnel Deutschlands. Der fast 300 Meter lange AEG-Versuchstunnel sollte die Regierenden überzeugen, dass auch Berlin eine Untergrundbahn haben konnte. Im Norden Berlins transportierten elektrisch angetriebene Züge Material und Arbeiter zwischen der AEG am Humboldthain und der Apparatefabrik.
Während die Apparatefabrik noch im Stil des Historismus gebaut ist, entwirft der Künstler, Designer und Architekt Peter Behrens die neueren Bauten streng im Stil der Neuen Sachlichkeit. Behrens gilt als Pionier des modernen Industriedesigns und Erfinder des Corporate Design. Er gestaltet alles für die AEG: von der Montagehalle über die Bürolampe bis hin zum Briefbogen.
Die Ära der Fabrikstadt endete in den 1980er-Jahren und manche Gebäude wurden seitdem abgerissen. In den erhaltenen Gebäuden befinden sich heute Medienunternehmen und wissenschaftliche Einrichtungen. In den AEG-Versuchstunnel aber können Sie im Rahmen einer Führung des Vereins „Berliner Unterwelten“ (www.berliner-unterwelten.de) hinabsteigen und dort noch mehr erfahren über die spannende Geschichte dieses bedeutenden Industriestandorts.
Es geht weiter geradeaus bis zur Schönhauser Allee, an der gleich drei (ehemalige) Brauereien liegen. Sie wenden sich stadteinwärts und erhaschen vielleicht im Vorbeifahren einen Blick rechter Hand in die Milastraße auf die Brauerei und Jugendstilvilla von Christoph Groterjahn, der sich seine Malzbierspezialitäten patentieren ließ. Offensichtlicher sticht ein paar Hundert Meter weiter an der Kreuzung mit der Sredzkistraße die Kulturbrauerei ins Auge.
Aus einem kleinen Braubetrieb mit Ausschank entstand ab 1878 nach Plänen des Architekten Franz Heinrich Schwechten auf dem Gelände das beeindruckende historische Gebäudeensemble mit insgesamt sechs Höfen, über 20 Gebäuden und seiner markanten Architektur. Ein beeindruckendes Industrie-Architekturdenkmal aus dem Berlin Ende des 19. Jahrhunderts.
Seit 1516 ist das deutsche Reinheitsgebot wortwörtlich in aller Munde und verhilft dem Bier zum deutschen Exportschlager. Kein Wunder also, dass sich um 1920 der Hauptsitz der größten Lagerbierbrauerei der Welt in Berlin befand. Die Schultheiss-Brauerei wuchs stetig und so wurde die Produktionsstätte an der Schönhauser Allee ausgebaut. Noch heute ist an den denkmalgeschützten Gebäuden zu sehen, wie die Brauerei organisiert war.
Der Eigentümer der Brauerei, Richard Roesicke, war bis zu seinem Tod im Jahr 1903 erfolgreicher Unternehmer und zugleich fortschrittlicher Sozialpolitiker. Die Angestellten und Arbeiter*innen der Brauerei konnten unter anderem von Bäderabteilungen, Invalidenwerkstätten und Kindereinrichtungen profitieren.
Die Brauerei wurde nach der Gründung der DDR in einen Volkseigenen Betrieb (VEB) überführt und braute noch bis 1967 das beliebte goldgelbe Getränk.
1990 wurde der Komplex als KulturBrauerei neu vitalisiert. Auf dem 25.000 qm großen Areal finden sich Konzerträume, ein Kino, Gastronomie und verschiedene kreative Dienstleister. Ein Museum zum Alltag in der DDR ist ebenso vertreten wie das Tourist Information Center Pankow im ehemaligen Sudhaus.
Die KulturBrauerei bietet neben einem vielfältigen Kulturangebot auch regelmäßige Führungen über das Brauereigelände, die Besucher*innen in die wechselvolle Geschichte der Brauerei entführen. Wer das Gelände auf eigene Faust erkunden möchte, kann via QR-Code Informationsfilme auf dem Smartphone abspielen und in die Vergangenheit eintauchen.
Sie rollen die Schönhauser Allee weiter bergab. vorbei an der Brauerei Pfefferberg, und umfahren den Alexanderplatz. Noch einmal überqueren Sie hinter dem Berliner Schloss die Spree. Von der Fischerinsel nehmen Sie die Inselbrücke über den Spreekanal. Jetzt fahren Sie geradeaus auf das nicht zu übersehende Heizkraftwerk Mitte zu.
Das sieht man selten – ein Kraftwerk mitten in der Stadt, nur wenige Schritte von den nächsten Wohnhäusern entfernt. Diese Nähe hat einen großen Vorteil. Das Heizkraftwerk Mitte ist der größte Wärmelieferant des Heiznetzes Mitte, das von der Charité über den Alexanderplatz bis zur Halbinsel Stralau reicht. Die kurzen Transportwege reduzieren die Wärmeverluste für die neben elektrischer Energie in Kraft-Wärme-Kopplung erzeugte Fernwärme. Das Mitte der 1990er-Jahre errichtete Heizkraftwerk Mitte gilt als Beispiel für moderne Industriearchitektur.
Auf demselben Gelände sehen Sie das 1997 stillgelegte Kraftwerk Berlin. Der etwa zeitgleich mit der Berliner Mauer erbaute Komplex war einst das zentrale Kraftwerk Ostberlins. Zehn Jahre nach der Stilllegung zog dort der Technoclub Tresor ein. Wenige Jahre später entstand in der 100 Meter langen Turbinenhalle ein Veranstaltungs- und Ausstellungsort.
Für die letzte Etappe Ihrer Tour fahren Sie gen Süden. Am Engelbecken wenden Sie sich in Richtung Mariannenplatz, und von dort aus geht es zum Landwehrkanal und über die Kottbusser Brücke hinüber zum Planufer. Sie machen einen Schlenker nach rechts und biegen an der Admiralsbrücke links in die Grimmstraße ein.
Jenseits der Urbanstraße geht es halb links in die Fichtestraße, wo der beeindruckende Gasometer in den Himmel ragt. Am Ende der Straße wenden Sie sich nach rechts und überqueren am Südstern die Hasenheide, um Ihren Weg auf der Bergmannstraße fortzusetzen. Erst an der Möckernstraße biegen Sie wieder rechts ab und radeln geradeaus, lassen das Deutsche Technikmuseum links liegen, überqueren noch einmal den Landwehrkanal und erreichen mit dem Anhalter Bahnhof Ihr Ziel.
Ergänzende Informationen zu dieser Tour finden Sie auch beim bzi, Berliner Zentrum Industriekultur unter www.industriekultur.berlin
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